Auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt

Maulbronn will den nachhaltigen und fairen Handel stärken und feilt so ganz nebenbei an seinem Image

Von Maik Disselhoff Erstellt: 4. Januar 2019, 00:00 Uhr
Auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt Neben regionalem Saft und Sprudel gibt es im Maulbronner Gemeinderat jetzt auch Fairtrade-Limonade, die farblich ins Auge sticht. Foto: Disselhoff

Maulbronn bemüht sich bereits seit dem Frühjahr 2018 darum, Fairtrade-Stadt zu werden. Inzwischen ist einiges passiert, und es wird mutmaßlich nicht mehr lange dauern, bis sich die Stadt das offizielle Etikett umhängen darf.

Maulbronn. Am Fairtrade-Label scheiden sich die Geister. Auch in Maulbronn waren nicht alle im Gemeinderat vom Vorstoß der SPD begeistert, die in einem Antrag im März 2018 gefordert hatte, dass sich die Kommune auf den Weg zur Fairtrade-Stadt machen soll. Vier Stadträte stimmten gegen den Vorschlag der SPD, vier weitere enthielten sich. Doch eine Mehrheit von neun Bürgervertretern verhalf dem Antrag schließlich zum Erfolg.

Das Projekt wurde von Anfang an fleißig vorangetrieben, Ergebnisse sind seit kurzer Zeit greifbar – etwa im Gemeinderat selbst. Da stehen jetzt nämlich neben Sprudel und Säften aus der Region, die es schon immer gab, in jeder Ratssitzung auch fair gehandelte Limonaden auf dem Tisch. Die Verwaltung hat übrigens bei Kaffee und Zucker längst auf faire Ware umgestellt. Wer das Label „Fairtrade-Stadt“ erlangen will, muss fünf Kriterien erfüllen. Mit dem Ratsbeschluss und der richtigen Produktpalette im Rathaus sind zwei Hürden genommen. Ein dritter Punkt ist, dass eine „Steuerungsgruppe“ gebildet werden muss, die auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt alle Aktivitäten vor Ort koordiniert. Auch das ist in Maulbronn geschehen. Es hat sich schnell ein Arbeitskreis gebildet, der bereits mehrfach im Rathaus getagt und das Thema vorangetrieben hat.

Die SPD-Fraktion hat mit ihrem Vorstoß bei der Maulbronner Bevölkerung einen Nerv getroffen. „Das Ganze ist im Grunde ein Selbstläufer, man rennt offene Türen ein“, berichtet Dr. Till Neugebauer. Was den SPD-Stadtrat besonders freut, ist, dass auch Schulen mitmachen. „Inzwischen haben wir genug Institutionen, die mit im Boot sind. Die Voraussetzungen für eine Zertifizierung unserer Stadt sind eigentlich erfüllt.“

Neugebauer ist nicht naiv, er weiß, dass es am Fairtrade-Label und anderen Etiketten, die Nachhaltigkeit und einen gerechten Handel versprechen, auch Kritik gibt. Trotzdem sei der Weg, den man in Maulbronn eingeschlagen habe, richtig. „Ich finde vor allem die Auseinandersetzung der Schulen mit dem Thema wichtig. Da geht es um Aufklärung, es wird deutlich, dass der Wohlstand in der Welt ungerecht verteilt ist.“

Die Maulbronner Vereine und andere Institutionen ziehen in Sachen Fairtrade mit. Nachdem der DRK-Ortsverein Maulbronn bei allen seinen Veranstaltungen Fairtrade-Kaffee ausschenkt, hat sich mittlerweile auch der Seniorentreff in Zaisersweiher angeschlossen. Die evangelische Kirchengemeinde Schmie ist schon seit Jahren aktiv. Im Höfles-Kaffee würden die Gäste mit Fairtrade-Kaffee verköstigt, demnächst solle auch Tee aus fairem Handel angeboten werden, teilt die Stadt mit.

Auch die örtliche Gastronomie hat von der Aktion Notiz genommen. Theofanis Morkotinis findet die Idee, dass Maulbronn zur Fairtrade-Stadt werden will, klasse. Der Betreiber der „Zentrale“ legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und versucht etwa, Plastikmüll zu vermeiden. „Seit kurzem gibt es deshalb anstatt von normalen Strohhalmen Makkaroni“, sagt Morkotinis, der gerade überlegt, was eine gute Alternative zu seinen To-Go-Verpackungen wäre. In Sachen Fairtrade hat der Gastronom schon einige Limonaden im Sortiment, das er noch um weitere Produkte verbreitern will. Ganz oben auf der Liste der Produkte steht der Kaffee, der fair werden solle.

Dass die Verbraucher für faire Produkte etwas tiefer in die Tasche greifen müssen als bei herkömmlichen Produkten, liegt auf der Hand. Morkotinis dazu: „Das ist der Sinn von Fairtrade. Die Bauern sollen schließlich mehr vom Anbau ihrer Kaffeebohnen profitieren. Und das geht nicht, wenn der Preis gedrückt wird.“ Freilich muss der Gastronom darauf achten, dass seine Preise nicht in die Höhe schnellen, schließlich muss er die Produkte verkaufen können. Genau dies sei meist auch der Knackpunkt für viele Konsumenten. Nicht jeder könne und wolle für Fairtrade mehr ausgeben. Die Grenzen des Machbaren seien schnell erreicht, so Morkotinis. Nichtsdestotrotz bleibt er positiv: Seine Fairtrade-Limonade komme bei den Gästen sehr gut an. Rund 250 bis 300 Flaschen kann er davon zurzeit monatlich verkaufen. Morkotinis ist sich sicher: „Fairtrade erlangt immer mehr Aufmerksamkeit und liegt im Trend.“

Neugebauer betonte bereits bei der Weichenstellung im Gemeinderat: „Wenn der Fairtrade-Gedanke mehr Nachahmer findet, dann verändert sich auch ein bisschen etwas in dem einen oder anderen Teil der Welt.“ Wenn sich der Anbau von Produkten für die Bauern und Hersteller lohne und dadurch mehr Geld in armen Ländern bleibe, werde der Druck für viele Menschen, ihr Land verlassen zu müssen, geringer, stellt der Stadtrat lokales Handeln in Bezug zu aktuellen Herausforderungen der Globalisierung.

Maik Disselhoff

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