Lienzinger Rathaus: Sanierung zieht sich weiter hin

Von Lukas Huber Erstellt: 26. Mai 2018, 00:01 Uhr
Lienzinger Rathaus: Sanierung zieht sich weiter hin Die Sanierung am alten Lienzinger Rathaus ist noch immer nicht abgeschlossen. Unter anderem muss noch der Sockel des im Jahr 1719 erbauten Gebäudes verputzt werden. Foto: Huber

Seit 2016 wird das alte Lienzinger Rathaus mit dem Ziel saniert, eine Christbaumständerausstellung und eine Etterdorf-Stube einzurichten. Letztere sollte Ende des Monats eingeweiht werden. Doch daraus wird nichts, wie Bürgermeister Winfried Abicht mitteilt.

Mühlacker-Lienzingen. „Wir sind noch mitten in der Umsetzung“, sagt Winfried Abicht in Bezug auf die Sanierung des Lienzinger Kulturdenkmals, das 1719 erbaut worden ist. Daher sei aktuell an eine zeitnahe Einrichtung der Etterdorf-Stube in dem Fachwerkhaus noch nicht zu denken. Zuletzt habe es Probleme mit dem Verputzen der Außenfassade gegeben. „Wir hatten eine lange Kälteperiode mit Frost, wegen der sich die Arbeiten noch einmal verlängert haben.“

Tatsächlich ist diese Episode nur eine von vielen, die letztlich zu einer drastischen Verzögerung der Fertigstellung des alten Gebäudes an der Friedenstraße geführt haben. Wie bereits vor über zwei Jahren berichtet, sollte die Etterdorf-Stube schon im Jahr des 1250-Jahr-Jubiläums 2016 eröffnet werden. Doch zunächst gab es im Hinblick auf die Sanierung das Problem, dass auf die Ausschreibungen der Stadt hin kaum Angebote eingegangen waren. Zum Ende des Jubiläumsjahres wurde dann bekannt, dass die Schäden erheblich größer waren als zunächst angenommen. „Das Holzfachwerk war zum Beispiel deutlich marode, doch das war in der Form vorher nicht absehbar“, erinnert sich der Bürgermeister.

Im Rathaus Lienzingen sind eine Christbaumständer-Ausstellung sowie eine Etterdorf-Stube geplant. Lesen Sie mehr dazu.

Einige Zeit später habe es im Hinblick auf die Gefachung – dabei handelt es sich um den Raum zwischen den Holzbalken am Fachwerkhaus – eine weitere „unangenehme Überraschung“ gegeben, so Abicht: „Die Gefachung war nicht mehr mit den Balken verbunden, also musste sie neu ausgemauert werden.“ Auch diese Tücke sei erst ans Licht gekommen, als das Gerüst stand. „Das war vorher so nicht erkennbar und daher nicht eingeplant.“

Dass die verschiedenen Schwierigkeiten eine enorme zeitliche Verzögerung nach sich ziehen, ist indes nicht das einzige Problem. Auch die Kosten sind enorm in die Höhe geschossen. Mittlerweile rechnet die Stadt laut Abicht mit einem Betrag in der Größenordnung von über 800 000 Euro. Ursprünglich waren für die Sanierung, zu der unter anderem der barrierefreie Umbau und der Brandschutz gehören, 310 000 Euro angedacht. Das Positive ist, dass über Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm ein Teil der Kosten vom Land übernommen wird. Wie hoch die Unterstützung ausfallen wird, kann der Bürgermeister noch nicht sagen. „Wenn Privatpersonen ein Objekt dieser Art sanieren, bekommen sie bis zu 60 Prozent.“ Eine Stadt habe deutlich weniger zu erwarten.

Immerhin: Die Maßnahmen an der Außenhülle des Gebäudes, in dem zuvor die Stadtteilbibliothek im Obergeschoss untergebracht war, seien inzwischen weitgehend abgeschlossen, nennt Abicht einen Lichtblick. „Was jetzt noch fehlt, ist der Sockelputz.“ Außerdem stünden noch Arbeiten an den Außenanlagen an. Dazu gehöre auch eine Fluchttreppe, die aufgrund der Brandschutzbestimmungen notwendig sei. „Wir gehen davon aus, dass die Sanierung am Bauwerk in diesem Jahr Ende September abgeschlossen sein wird.“

Bis dann allerdings das Christbaumständermuseum und die Etterdorf-Stube ihre Pforten öffnen könnten, werde weitere Zeit vergehen, bremst Abicht, der hofft, dass keine erneuten unangenehmen Überraschungen auftauchen, die Euphorie. „Dann müssen wir uns dranmachen, ein Ausstellungskonzept für innen zu erarbeiten.“ Das sei erst möglich, wenn die Handwerker, die die Regale und Vitrinen bauten, in das Gebäude könnten. Problem: „In einem alten Fachwerkhaus sind nicht alle Wände und Böden gerade, weshalb man Maßanfertigungen braucht.“ Die Ausschreibung dafür sei bislang noch nicht erfolgt.

Auf die Frage, wie lange die Einrichtung der Räumlichkeiten für die Nutzung am Ende dauert, gab der Bürgermeister keine klare Antwort. „Ich hoffe, dass wir mit der Etterdorf-Stube und dem Christbaumständer-Museum zum Advent in diesem Jahr an den Start gehen können.“

Lukas Huber

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