Lernen mit King Kong

Auch am Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) hat eine Vorbereitungsklasse ihre Arbeit aufgenommen

Von Carolin Becker Erstellt: 30. September 2016, 00:01 Uhr
Lernen mit King Kong Auf vielen Sprachen werden die Schüler der neuen Vorbereitungsklasse begrüßt. (Foto: Becker)

King Kong genießt einen Ruf wie Donnerhall. Dass das Film-Monster auch eine pädagogische Seite hat, haben die Schüler der neuen Vorbereitungsklasse am Theodor-Heuss-Gymnasium gelernt – und längst nicht nur das.

Mühlacker. Verängstigt wirken die Zwölf- bis 14-Jährigen an diesem Dienstagmorgen keineswegs, auch wenn ihnen bei der Rechenübung immer dann das Ausscheiden blüht, wenn sie bei Vielfachen von fünf und sieben oder bei Zahlen, die diese beiden Ziffern enthalten, nicht wie vorher vereinbart mit „King“ oder „Kong“ antworten.

Auch die neue Situation, in der sich die Kinder zurechtfinden, scheint wenig furchteinflößend: Es wird gelacht, gejubelt über Erfolgserlebnisse, gewarnt vor „King Kong“, dem der Kollege wieder auf den Leim zu gehen droht. Kurz: Der Start der zu Wochenbeginn neu installierten Vorbereitungsklasse am THG, die sich zu den an anderen Mühlacker Schulen bereits bestehenden Angeboten hinzugesellt, scheint geglückt. „Mein erster Eindruck ist sehr positiv“, bestätigt Klassenlehrerin Fabienne Zehetner, die täglich von 9.05 bis 11.45 Uhr für die Kinder da ist und teilweise von ihren Kollegen Johannes Hauff und Stefan Nitschke unterstützt wird. „Das ist sehr praktisch, denn auf diese Weise können wir differenziert unterrichten“, verweist die Pädagogin aus Knittlingen auf die Heterogenität der insgesamt 13-köpfigen Gruppe.

Wie ist die Schulsituation von Flüchtlingskindern? Lesen Sie dazu einen Artikel.

Gemeinsam ist den Jungen und Mädchen die Freude am Lernen. Ansonsten aber bringen sie höchst unterschiedliche Voraussetzungen mit. Der Großteil von ihnen entstammt Flüchtlingsfamilien aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak, doch drücken gemeinsam mit ihnen auch frisch Zugezogene aus europäischen Staaten wie Italien oder Ungarn die Schulbank. Von der Vielfalt der Herkunftsländer zeugt schon das Schild an der Klassenzimmertür, das die Schüler auf vielen verschiedenen Sprachen willkommen heißt.

Gleich ob erst wenige Tage im Land oder schon einige Monate lang vorbereitungsklassenerprobt – im Unterricht wird deutsch gesprochen. Die Sprache der neuen Heimat zu lernen, ist schließlich das Hauptziel, das in der Vorbereitungsklasse angestrebt wird. „Unser Wunsch ist, die Kinder so schnell wie möglich in Regelklassen überführen zu können“, sagt Fabienne Zehetner. In Fächern wie Musik, Kunst und Sport könne die Zusammenführung schon früher gelingen. Auch die Arbeitsgemeinschaften am THG stünden den Neulingen offen. „Wir haben den Schülern am Montag alles vorgestellt, und sie waren sehr interessiert“, berichtet die Klassenlehrerin. Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen, sei sehr wichtig.

Erste Ansätze stimmten sie hoffnungsvoll. „Dafür, dass das Umfeld ganz neu ist, sind alle sehr aufgeweckt“, formuliert die Lehrerin ihr erstes Fazit. Neuland betreten auch sie und ihre Kollegen. „Als klar war, dass die Vorbereitungsklasse kommt, habe ich gleich Interesse angemeldet“, blickt die 28-Jährige auf das Ende des vergangenen Schuljahrs zurück. Die zwar nicht einfache, dafür aber viele neue Erfahrungen versprechende Aufgabe reize sie. Statt angehende Abiturienten in Französisch und Spanisch zu unterrichten, leiste sie nun Grundlagenarbeit in Sachen Deutsch als Fremdsprache. Von Gymnasialniveau könne dabei natürlich nicht die Rede sein, doch seien in der mit Rücksicht auf Wohnorte und Herkunftsregionen der Schüler zusammengestellten Klasse durchaus etliche Kinder, die bereits eine rasche Auffassungsgabe unter Beweis gestellt hätten. An auf die Bedürfnisse jugendlicher Flüchtlinge zugeschnittenem Unterrichtsmaterial herrsche mittlerweile kein Mangel mehr. „Spezielle Angebote der Verlage sind zuletzt wie Pilze aus dem Boden geschossen“, weiß Fabienne Zehetner.

Doch auch eine Unterrichtsstunde, die noch gänzlich ohne Schulbücher ausgekommen ist, kann fruchten. Samaneh aus Afghanistan jedenfalls, die erst seit acht Monaten in Deutschland lebt, hat King Kong erfolgreich die Stirn geboten und beweist, dass sie nicht nur mit Zahlen umzugehen versteht. „Mir gefällt es hier gut“, sagt die 13-Jährige lächelnd, während sich ihre Mitschüler auf den Schulhof verabschieden. „Jaaaa, Pause !“, ruft einer. Der Klang des Gongs ist international.

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