Mähen, gießen, umziehen

Bauhof und Wasserwerk haben den Ortswechsel ins neue Gebäude an der Knittlinger Esselbachstraße im laufenden Betrieb vollzogen

Von Carolin Becker Erstellt: 31. Mai 2017, 00:00 Uhr
Mähen, gießen, umziehen Bauhofleiter Kurt Veit (li.) und einer seiner Mitarbeiter, Anatolij Novakovski, in der Fahrzeughalle. Bei der Planung und Einrichtung galt es vieles zu beachten: Beispielsweise gibt es in der Halle einen Schuh- und Stiefeltrockner (oben). Im oberen Stockwerk befinden sich unter anderem abgeteilte Regalbereiche, in denen Dienst- und Schutzkleidung und weitere Utensilien aufbewahrt werden. Foto: Becker

Der morgendliche Treff findet an diesem Dienstag noch im alten Gebäude statt, die Abschlussrunde versammelt sich am Abend schon im neuen Haus: Der Schlusspunkt unter den Umzug des Knittlinger Bauhofs wird ohne großes Hallo, dafür aber auf der Grundlage intensiver Vorplanung gesetzt.

Knittlingen. Eben noch installiert der Elektriker eine Steckdosenleiste in Kurt Veits Büro. Bald wird auch der Drucker seinen neuen Platz finden. Die Türschilder wirken zwar noch leicht improvisiert, noch nicht jedes Regal ist aufgebaut, nicht jedes Utensil am ihm zugedachten Ort, doch das hindert den Bauhofleiter nicht daran, ab sofort vom neuen Standort an der Esselbachstraße aus zu agieren. Umgezogen ist in den vergangenen Wochen nicht nur das 17-köpfige Bauhofteam. Auch die zwei Mitarbeiter des Wasserwerks und vier Hausmeister finden im langgestreckten Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Feuerwehrhaus Platz.

Wo derart viele Menschen und noch mehr Fahrzeuge und Geräte den Standort wechseln, könnten sich Kartons stapeln und sich die Umzugslaster vor dem Haus den Parkraum streitig machen. Nicht so in Knittlingen. „Der Ablauf ist nicht vergleichbar mit einem privaten Umzug“, sagt Kurt Veit. Der Ortswechsel sei in Etappen vollzogen worden – und vor allem bei laufendem Betrieb. Mehr als zwei Mitarbeiter gleichzeitig habe er selten mit der Sonderaufgabe betraut, schließlich dürften die regulären Tätigkeiten nicht leiden. „Das Gras wächst weiter“, benennt der 56-Jährige aus Bauerbach ein Naturgesetz, das auch angesichts der Herausforderungen eines Bauhofumzugs nicht zu durchbrechen sei. Einige Mitarbeiter würden im Freibad gebraucht, für das Bestattungswesen würden Kräfte benötigt, ebenso für das Bepflanzen und Gießen städtischer Grünflächen, für die Pflege der Ufer an den Bächen, die Stadtreinigung und für Beschilderungen, listet der Bauhofchef einen Teil des Portfolios auf, zu dem sich immer wieder die Unterstützung von Veranstaltungen und – im Winter – der Kampf gegen Eis und Schnee hinzugesellen.

Nicht alles, was den Multitalenten täglich begegnet, ist vergnügungssteuerpflichtig, verweist Kurt Veit auf Vandalismusschäden, wilde Müllablagerungen oder – ganz aktuell – einen dreisten Diebstahl: Eben erst montiert, sei ein neues Schild, das an der Wetterkreuzstraße Verkehrsteilnehmer in Richtung Schule und Friedhof lenke, bereits verschwunden.

Nicht abhandengekommen sei indes die Motivation der Mitarbeiter, die sich beim Umzug engagiert eingebracht hätten, lobt der Chef, der auf ein gutes Miteinander mit den neuen Nachbarn von Feuerwehr und DRK hofft. Synergieeffekte ergäben sich beispielsweise in Form der gemeinsam genutzten Waschhalle, die sich in einem der Schuppen gegenüber dem Hauptgebäude befindet. Wer einen Blick in die angrenzenden Abteilungen wirft, gewinnt einen Eindruck von der Aufgabenfülle des Bauhofteams: Da warten Absperrbaken und Verkehrsschilder ebenso auf ihren Einsatz wie eine Art überdimensionale Thermoskanne für Asphalt. Christbaumständer harren der Dinge unweit der Plastik-Dekoration des Osterbrunnens und jener Vorrichtung, die beim Befüllen von Sandsäcken im Hochwasserfall genutzt wird. Im Hauptgebäude wiederum befinden sich außer der Fahrzeughalle unter anderem verschiedene Werkstätten, Büros, Sozial- und Schulungsräume, eine Kantine, Umkleide- und Sanitärbereiche und Regale für Utensilien von der Schutzkleidung bis zur Weihnachtsbeleuchtung.

„Wir haben hier keinen Luxus beantragt, sondern nur die Voraussetzungen, um vernünftig arbeiten zu können“, betont Kurt Veit. Das alte Domizil auf einem Areal, dessen künftige Nutzung von den Bürgern mitentwickelt werden soll, habe nur mit Ölöfen beheizt werden können. Um für den Winterdienst benötigte Fahrzeuge zu reparieren, „lagen wir schon mal im Schnee“. Doch ein Lamento stimmt Veit im Rückblick nicht an. Das läge dem Pragmatiker mit eineinhalb Jahrzehnten Erfahrung als Bauhofchef ohnehin fern: Zu viele Aufgaben gilt es anzupacken, von denen das „besenreine Verlassen“ des alten Bauhofs nur einen Punkt darstellt.

Vom neuen Domizil können sich Interessierte bei einem Tag der offenen Tür am 2. Juli ein Bild machen. Bewirtet wird die Veranstaltung von den Knittlinger Floriansjüngern, die am selben Tag ihr Feuerwehrfest feiern.

Carolin Becker

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