Fahnder stürmen Haus in Knittlingen

Verdacht auf organisierte Schwarzarbeit – 45-Jähriger verhaftet – Razzien in vier Bundesländern

Von Lukas Huber Erstellt: 16. Februar 2019, 00:00 Uhr

Knittlingen/Wiesbaden. Großeinsatz in Knittlingen: Bewaffnete Beamte haben am frühen Donnerstagmorgen ein Wohn- und Geschäftshaus gestürmt und dabei einen 45-Jährigen verhaftet. „Die Maßnahmen richteten sich gegen eine Tätergruppierung, der Hinterziehung von Sozialabgaben und Steuern in großem Umfang vorgeworfen wird“, teilte die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit Wiesbaden des Hauptzollamts Darmstadt mit, die die Razzia, die sich über vier Bundesländer erstreckte, gemeinsam mit der dortigen Staatsanwaltschaft in die Wege geleitet hatte. Verhaftet wurde neben dem Mann in Knittlingen auch ein 46-Jähriger in Wiesbaden. Bei dem Duo mit türkischer Staatsbürgerschaft handelt es sich laut den Behörden um die mutmaßlichen Drahtzieher.

Allein in Knittlingen seien 30 bewaffnete Kräfte im Einsatz gewesen, die mit Unterstützung des Hauptzollamts Karlsruhe die Festnahme vollzogen hätten. Dem Vernehmen nach soll die Aktion, bei dem die Fahnder ein Wohn- und Geschäftshaus stürmten, an der Lüßstraße abgelaufen sein. Dies wollte Olaf Scheffler, Sprecher des Hauptzollamts Darmstadt, jedoch nicht offiziell bestätigen; „aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie er sagte.

Dass nicht die Behörde in Karlsruhe, sondern das Hauptzollamt Darmstadt federführend war, hatte seinen Grund. „Die Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft Wiesbaden geführt hat, haben ergeben, dass sich der Täterkreis auf mehrere Bundesländer verteilt“, verwies Scheffler auf die überregionale Dimension. Deshalb seien auch alle Beweismittel, die an diesem Tag sichergestellt wurden, überstellt worden. Ob der in Knittlingen verhaftete Mann ebenfalls nach Hessen gebracht wurde, war dem Sprecher nicht bekannt.

An der großangelegten Durchsuchungsaktion gegen die organisierte Schwarzarbeit in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren mehr als 250 Einsatzkräfte des Zolls beteiligt, berichtete Scheffler. Wobei der Schwerpunkt auf dem Rhein-Main-Gebiet gelegen habe. Zugeschlagen hätten die bewaffneten Beamten überall zeitgleich gegen 6 Uhr. Die frühe Stunde sei bewusst gewählt worden, um sicherzustellen, dass die Verdächtigen, bevor sie an ihren Arbeitsplatz aufbrechen, zu Hause angetroffen werden. Auch der Umstand, dass die Aktion an jedem Schauplatz zur selben Zeit begonnen habe, sei kein Zufall gewesen. So sei sichergestellt worden, dass niemand aus dem Kreis der Beteiligten andere Verdächtige habe warnen können.

In den 17 durchsuchten Objekten seien unter anderem Papiere, elektrische Daten, Computer und Handys sichergestellt worden, die nun näher untersucht werden müssten, sagte Scheffler. Für Furore hätten zwei hochwertige Fahrzeuge, eine teure Uhr und 200000 Euro in bar gesorgt. Was konkret in Knittlingen gefunden wurde, konnte der Sprecher nicht beantworten.

Den Tätern werde vorgeworfen, dass sie die Mitarbeiter ihrer Firmen zusätzlich zum offiziell abgerechneten Stundenlohn mit weiteren Schwarzgeldzahlungen in bar entlohnt hätten, heißt es in einer Mitteilung der Darmstädter Behörde. Dies sei unter Verwendung von Schein- beziehungsweise Abdeckrechnungen erfolgt, denen keine tatsächliche Leistungserbringung entgegengestanden sei und die so als Eingangsrechnungen Einfluss in die Buchhaltung gefunden hätten. „Mit dem dadurch generierten Bargeld wurden die Schwarzlohnzahlungen getätigt.“ Den Sozialkassen und dem Fiskus seien nach Schätzungen Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Höhe von insgesamt fast einer Million Euro vorenthalten worden.

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