Tierschützerin sucht neues Domizil

Die Tage des Gnadenhofs in Illingen scheinen gezählt zu sein – Suche nach einem neuen Zuhause ist extrem schwierig

Von Frank Goertz Erstellt: 19. Juni 2015, 00:00 Uhr
Tierschützerin sucht neues Domizil Felicia Ruhland mit dem zehnmonatigen Mischlingshund Linda, den sie aus einer ungarischen Tötungsstation gerettet hat. Jetzt sucht sie für Linda neue Besitzer. Foto: Goertz

„Die Zerrissenheit zermürbt“, sagt Felicia Ruhland vom Gnadenhof Animal Hope in Illingen. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf – auch wenn sie sich manchmal so fühlt, als befinde sie sich im freien Fall. Der Besitzer will den Hof verkaufen – Felicia Ruhland und ihre Tiere sind nur noch geduldet.

Illingen. Jederzeit kann es passieren, dass Ruhland den Hof räumen muss. Eine Alternative ist nicht in Sicht. Der letzte langfristige Pachtvertrag ist Ende 2014 ausgelaufen. Seit langem sucht der Verein Animal Hope eine neue Bleibe, was aber alles andere als einfach ist. „Unser neues Domizil muss abseits von stark befahrenen Straßen und Wohnbebauung sein“, sagt Ruhland. „Die Esel schreien, die Hunde bellen, die Katzen stromern – das führt selbst in Ortsrandlagen zu Konflikten.“

Sie habe in den letzten Monaten schon mehrere Objekte in der weiteren Umgebung von Illingen besichtigt, aber es sei enorm schwierig, einen Hof zu finden, der für eine Gnadenpension für Tiere, die sonst keiner mehr haben will, geeignet ist.

Und wie wäre es, wenn sie ihren Suchradius deutlich über den bisherigen 50-Kilometer-Radius hinaus erweitert? Felicia Ruhland winkt ab. „In der Fremde müsste ich ganz von vorne anfangen. Hier hingegen kennen mich die Menschen. Hier habe ich ein Netzwerk, das mich unterstützt. Dazu zählen auch Landwirte und Tierärzte.“ Ein solches Netzwerk könne man nicht von heute auf morgen in einem völlig unbekannten Umfeld neu aufbauen.

Sie habe dem Besitzer des Hofes in Illingen auch schon ein Kaufangebot gemacht, berichtet Ruhland. Immerhin habe eine Erbschaft über 100000 Euro dem Verein Animal Hope etwas Spielraum verschafft. „Mit Kreditaufnahmen bekommen wir vielleicht 250000 Euro zusammen“, rechnet Ruhland vor. „Aber die Preisvorstellungen des Besitzers bewegen sich in anderen Dimensionen.“

Felicia Ruhland ist die ewige Zitterpartie leid. Der erste Pachtvertrag lief über zehn Jahre, wurde dann nach langem hin und her noch einmal um fünf Jahre verlängert. Dieser Vertrag ist Ende 2014 ausgelaufen. Jetzt genießt sie noch eine Gnadenfrist bis Dezember 2015. „Ich würde doch auch gerne gehen“, sagt Ruhland. „Aber wohin?“

„Ich kann nur hoffen, dass die Menschen erkennen, welche Perle der Gnadenhof ist“, sagt Ruhland. Sie sei stets zur Stelle – etwa, wenn das Veterinäramt zwischenzeitlich Tiere unterbringen muss, wenn Polizei oder Feuerwehr nicht wissen, wohin sie mit herrenlosen Tieren sollen, oder einfach auch nur, wenn entlaufene Tiere gesucht werden. Außerdem würde sie dem Staat Geld sparen, weil sie im Rahmen des Projektes „Schwitzen statt Sitzen“ Straftätern ermögliche, eine Freiheitsstrafe durch gemeinnützige Arbeit abzuwenden. „Wenn die Menschen stattdessen ins Gefängnis gehen, kostet das die Gesellschaft viel Geld“, weiß Ruhland.

Auf ihrem Hof leben momentan 58 Tiere: Ziegen, Schweine, Pferde, Esel, Hunde, Katzen und sogar ein Leguan. „Wenn es den Hof nicht gäbe, wären sie schon längst getötet worden“, so Ruhland. Aber der Tod sei auch auf dem Hof allgegenwärtig. „Er gehört zum Leben“, findet die 45-Jährige, die aber nicht akzeptieren kann und will, wenn Tiere getötet werden, nur weil sie alt, gebrechlich oder einfach nur im Weg sind. So wie etwa die zehn Monate alte Linda, ein Mischlingshund, in dem Schnauzer-, Border- und Dackelblut fließt. „Sie kommt aus einer ungarischen Tötungsstation“, berichtet Ruhland. Generell habe sie ihr Engagement für Tiere aus Tötungsstationen aus Kapazitätsgründen zurückfahren müssen. Aber manchmal erreichten sie Mails mit Hilferufen, die sie nicht einfach in den Papierkorb verschieben könne.

Während der Gnadenhof für die meisten Tiere die letzte Station ist – sozusagen ein Hospiz für Tiere, in dem sie artgerecht leben und würdevoll sterben können –, soll der Hof für Linda und ihre Schwester Lupinchen nur eine Durchgangsstation sein. „Ich hoffe, sie möglichst schnell vermitteln zu können“, sagt die Tierschützerin.

Vielleicht findet sich ja bereits am kommenden Wochenende ein neuer Besitzer für Linda oder Lupinchen. Am Sonntag lädt der Gnadenhof von 12 bis 18 Uhr zu seinem Sommerfest ein. Dabei gibt es nicht nur Hofführungen und Informationen über die Tiere, sondern auch Livemusik mit dem Akkordeon-Orchester Knittlingen. „Die Feste sind für uns sehr wichtig“, berichtet Ruhland, die sich freut: „Trotz der jahrelangen Schwierigkeiten, halten die Menschen immer noch zu mir.“ Nur durch die Spendenbereitschaft, Patenschaften für Tiere und einer regelmäßigen Unterstützung durch den Bund deutscher Tierfreunde könne sie die Pacht für den Hof und die Unterhaltskosten für die Tiere bezahlen. Die Rahmenbedingungen für einen Gnadenhof seien also durchaus gegeben, nur: Wenn der Hof verkauft wird oder der Verein Animal Hope nicht doch noch einen langfristigen Pachtvertrag bekommt, fehlt schlicht und einfach ein Zuhause für Felicia Ruhland und ihre Schützlinge.

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