Video gibt Einblicke in die Familienherberge Lebensweg

Mit einem Festakt wird die Einrichtung eingeweiht – Redner betonen Einzigartigkeit und Bedeutung der Einrichtung

Von Frank Goertz und Isabel Hansen Erstellt: 5. Mai 2018, 00:00 Uhr
Video gibt Einblicke in die Familienherberge Lebensweg Steffen Schumann von einer ähnlichen Einrichtung in der Nähe von Hamburg gratuliert Karin Eckstein, nachdem er in einem bewegenden Grußwort den Gästen bei der Einweihungsfeier deutlich gemacht hat, was es heißt, ein schwerstkrankes Kind zu pflegen.

Vor sechs Jahren ist Karin Eckstein im Gespräch mit unserer Zeitung mit ihrer Vision einer Herberge für Familien mit schwerstkranken Kindern an die Öffentlichkeit gegangen. Gestern Abend war es so weit: In einem Festakt wurde die Herberge eingeweiht.

Illingen-Schützingen. „Es lohnt sich, Träume zu haben“, stellte Karin Eckstein in ihrer Begrüßung fest, „und wenn sich die richtigen Menschen finden, lassen sich solche Träume verwirklichen.“ Das sei wichtig für die Gesellschaft, betonte die Initiatorin der Herberge Lebensweg.

Wie wichtig eine solche Einrichtung ist, machte Steffen Schumann deutlich. Der Hamburger ist Vater von drei Kindern, das jüngste schwerstbehindert. „In einer guten Nacht werden wir nur dreimal vom Monitor, der die Vitalfunktionen überwacht, geweckt. In einer schlechten Nacht achtmal“, berichtete Schumann. Er wisse auch, was es bedeutet, wenn man den beiden älteren Kindern sagen muss: „Wir können nie in den Urlaub fahren.“ Die Sehnsucht nach Entlastung sei in den Familien, die sich sieben Tage in der Woche rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr um ihr krankes Kind kümmern, riesengroß, weiß Schumann. Deshalb habe er – ähnlich wie Karin Eckstein – eine Vision gehabt und Anfang 2012 den Neuen Kupferhof bei Hamburg übernommen. Seit Mai 2013 sei das vom Konzept her ähnliche Haus in Betrieb. „Und jetzt gibt es zwei solcher Häuser in Deutschland“, freute sich Schumann gemeinsam mit den Gästen des Eröffnungsabends der Familienherberge Lebensweg, den Achim Dürr moderierte und der vom Akkordeonorchester Dieter Wenzel musikalisch begleitet wurde.

Weitere Unterstützung für die Familienherberge Lebensweg versprachen auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast und die Grünen-Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann, wobei Seemann betonte, dass Karin Eckstein einen Bereich in die öffentliche Wahrnehmung gerückt habe, der sonst kaum Beachtung finde – die Situation von Familien mit schwerstkranken Kindern.

„Wir sind stolz auf das, was Sie geleistet haben“, zog auch Illingens Bürgermeister im Namen des Gemeinderats und dem Großteil der Illinger Bürger seinen Hut vor dem Engagement Ecksteins.

Aber natürlich ist es nicht nur die Leistung Karin Ecksteins, hinter ihr steht auch ein Team, etwa der Förderverein mit 720 Mitgliedern oder der Beirat, dessen Vorsitzender Andreas Kohm und seine Gattin Ute Kohm im Bekanntenkreis selbst eine Familie mit einem schwerstkranken Kind haben. „Vielleicht haben wir auch deshalb spontan entschieden: Denen helfen wir“, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter des Versandhauses Klingel. Und auch Angelika Miko vom ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Sterneninsel bekannte in ihrem Grußwort, dass sie sich von Anfang an von der Begeisterung Ecksteins habe anstecken lassen. Miko hat nicht nur den direkten Draht zu betroffenen Familien und ist eine Wegbegleiterin der ersten Stunde, sie unterstützt die Familienherberge mit ihrem Wissen auch als Gesellschafterin.

Nicht nur die Sterneninsel, auch das Kinderzentrum Maulbronn ist Kooperationspartner der Familienherberge. Deren ärztlicher Leiter, Professor Dr. Rainer Blanc, zeigte sich gestern „tief bewegt“ und erklärte: „Professionelle Hilfe für die Kinder ist das eine, aber die Entlastung der Familien ist mindestens genauso wichtig.“ Leider reiche die staatliche Unterstützung für Einrichtungen wie die Familienherberge oder das Kinderzentrum nicht aus.

Architekt Andreas Kiefner betonte bei der Schlüsselübergabe: „Am Anfang konnte uns keiner sagen, was wir hier eigentlich bauen – eine Klinik, ein Hotel oder einer Einrichtung für Kinder und Familien.“ Die Einzigartigkeit der Familienherberge rückte auch Helmut Bäuerle aus der Sicht des Steuerberaters in den Fokus, der kostenlos für das Projekt arbeitet.

Lesen Sie einen Artikel zum Veranstaltungswochenende in der Familienherberge.

Das besondere Konzept der Familienherberge hat auch zwei finanzstarke Geldgeber überzeugt. „Dietmar Hopp war so beeindruckt, dass er die Zuwendung von den beantragten 30000 Euro spontan auf 250000 Euro aufgestockt hat“, berichtete Dr. Ingrid Rupp im Namen der Hopp-Stiftung. Die Veronika-Stiftung steuert ihrerseits 430000 Euro bei, mit denen ein Großteil des Defizits aus dem laufenden Betrieb der ersten drei Jahren gedeckt werden soll. „Die Philosophie der Familienherberge passt zum Motto unserer Stiftung: Die Hand zum Leben reichen“, findet Stiftungsvorstand Robert Antretter.

Unternehmensberater Ralf Elsner, der die Familienherberge seit Jahren unterstützend begleitet, verwandelte sein Grußwort in eine Publikumsperformance und demonstrierte, wie es klingt, wenn kleine Menschen etwas Großes schaffen.

„Wir sind noch nicht auf dem Mount Everest, haben aber immerhin das Basislager erreicht“, gab derweil Dieter Wenzel zu bedenken. „Aber Bergsteigen macht Spaß“, deutete der Vorsitzende des Fördervereins die Richtung an: „Wenn Sie noch nicht Mitglied des Fördervereins sind, denken Sie darüber nach, ihm beizutreten.“

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