„Projekt ist solide finanzierbar“

Verantwortliche informieren über Familienherberge Lebensweg – Spatenstich könnte bereits im kommenden Frühjahr sein

Von Maren Recken Erstellt: 19. Mai 2014, 00:00 Uhr
„Projekt ist solide finanzierbar“ Die Verantwortlichen der Herberge Lebensweg stellen sich den Fragen (v. li.): Frank Stangenberger „Hände für Kinder“ Hamburg, Martin Möhrmann, 2. Vorstand Förderverein, Dr. Udo Beller, Vorstand Förderverein und medizinischer Berater, Karin Eckstein, Initiatorin des Projekts, Stefanie Köppl-Rau, Stefan Weber, Susanne Kiefner (alle Vorstand Förderverein). Foto: Recken

Bei einem Infoabend in der Schützinger Festhalle referieren die Verantwortlichen der Herberge Lebensweg über den Stand der Planungen und stellen sich den Fragen der Besucher

Illingen-Schützingen. „Ich war Ski fahren. Dumm gelaufen. Sprunggelenk gebrochen, aber ich bin nicht unheilbar krank. Ich wurde operiert und hoffe, in den nächsten vier Wochen wieder hüpfen zu können“, findet Susanne Kiefner, Vorstandsmitglied im Förderverein Lebensweg und Moderatorin beim Infoabend, den richtigen Einstieg, um die zahlreichen Besucher für das Thema Familienherberge für schwerstkranke Kinder und deren Familien zu sensibilisieren. Im Gegensatz zu ihrer heilbaren Verletzung, so Kiefner, seien die Kinder in der geplanten Herberge Lebensweg unheilbar krank. Das beeinflusse den täglichen Alltag ihrer Eltern und Geschwister bis an die Grenzen der Belastbarkeit und mache Urlaubspläne oder spontanes Verreisen unmöglich. Um solchen Familien ein Heim auf Zeit, ein Ausspann-Domizil zu bieten, solle die Herberge Lebensweg realisiert werden.

Mit dem Infoabend sollte allen Förderern und Unterstützern, aber auch den eher skeptisch eingestellten Besuchern, die Möglichkeit gegeben werden, sich über die Ziele der Herberge Lebensweg sowie den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Außerdem konnten kritische Fragen gestellt werden. Beispielsweise wie der laufende Betrieb finanziert werden kann.

Als Botschafter hatte der Förderverein Frank Stangenberger eingeladen. Der Vater eines schwerstbehinderten Sohnes ist Mitbegründer von „Hände für Kinder“, einer Einrichtung ähnlich der geplanten Herberge Lebensweg, die im vergangenen Jahr in Hamburg eröffnet wurde. „Wir sind bisher deutschlandweit die einzige Einrichtung, die Familien komplett aufnimmt“, erläuterte Stangenberger. Er sei sehr froh, dass mit der Herberge Lebensweg bald eine zweite Einrichtung dieser Art hinzukäme. Eine, die nach dem gleichen Modell funktionieren soll wie „Hände für Kinder“ in Hamburg: Eine gemeinnützige GmbH soll die Einrichtung betreiben, der Förderverein Spenden und Sponsoren auftreiben. Dies sei erfolgreiches Modell, wie der Hamburger versicherte. Sein Fazit nach rund einem Jahr Betrieb: „Auch die laufenden Kosten können verlässlich gedeckt werden.“ Seine Einrichtung habe ein jährliches Finanzvolumen von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro für den laufenden Betrieb. Rund 70 bis 75 Prozent dieser Kosten könnten durch die Sozialträger, beispielsweise über die Eingliederungshilfe, gedeckt werden. Der Rest sei durch Spenden finanzierbar. Im Hamburger Fall sei der laufende Betrieb bereits bis Januar 2015 auf jeden Fall gesichert. Den jährlichen Finanzbedarf für das Schützinger Projekt schätze er in einer ähnlichen Größenordnung, und damit als realisierbar, ein.

Bevor es für die in Schützingen geplante Herberge Lebensweg primär um die Finanzierung des laufenden Betriebs geht, steht jedoch erst einmal der geplanten Neubau an. Zum derzeitigen Stand der Dinge erläuterte die Initiatorin Karin Eckstein, dass sich das Projekt im Übergang von der Geldsammel- in die Bauphase befände. Das Gelände, auf dem die Herberge entstehen solle, sei vermessen, die Konzeption würde nochmals überarbeitet und optimiert. Der Architekt sei beauftragt, den Bau mit einer seriösen Kostenberechnung abschnittsweise zu planen. In einem ersten Bauabschnitt solle eine Herberge für sechs Kinder realisiert werden. In einem zweiten Abschnitt soll dann die Erweiterung für die Unterbringung von zwölf Kindern folgen. Bisher sei der erste Spatenstich für 2015 geplant, wenn die Finanzierung für den ersten Bauabschnitt sowie die Betriebskosten für einen gewissen Zeitraum gesichert seien. „Es sieht alles danach aus, dass wir diesen Termin realisieren können“, berichtet Karin Eckstein.

Um Transparenz zu schaffen, betonten die Verantwortlichen der Herberge Lebensweg, dass bewusst die Geschäftsform einer gemeinnützigen GmbH gewählt worden wäre. Das bedeute die regelmäßige behördliche Überprüfung der Verwendung der Spendengelder, außerdem ginge der Hof, auf dessen Grundstück die Herberge entstehen soll, aus Privatbesitz in den Besitz der gGmbH über. Im Falle, dass das Projekt wider Erwarten doch noch scheitern sollte, gingen die bisher erhaltenen Spendengelder an den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Sterneninsel.

Unter den zahlreichen Gästen in der Gemeindehalle war auch Bürgermeisterstellvertreter Winfried Scheuermann, der die Unterstützung der Gemeinde in Sachen Baugenehmigung in seinen Begrüßungsworten zusicherte.

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