Konzept überzeugt den Kommissar

Kurzbesuch in Schützingen: Günther Oettinger lobt digitales Schaufenster der Gewerbetreibenden

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 11. April 2016, 00:00 Uhr
Konzept überzeugt den Kommissar „Illingen hat’s“: Davon müssen Martin Schmid (v.re.) und Sebastian Zaiß Günther Oettinger nicht lange überzeugen.Foto: Stahlfeld

Illingen-Schützingen. „Illingen hat’s!“ Das weiß seit Samstag auch Günther Oettinger. Bei einem Kurzbesuch auf dem Weingut Zaiß in Schützingen informierte sich der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft über die gleichnamige Online-Plattform der Illinger und Schützinger Gewerbetreibenden und zeigte sich sofort vom Konzept überzeugt.

Seit Herbst 2015 ist der regionale Marktplatz online, und mittlerweile präsentieren sich hier 55 der knapp über 100 aktiven Mitglieder des Illinger Gewerbevereins mit einem Brancheneintrag oder darüber hinaus mit einem Webshop. Den Illinger digitalen Marktplatz gibt es auch als App, wie Sebastian Zaiß, Vorsitzender des Gewerbevereins, mitteilte, als er das Projekt in kleiner Runde Günther Oettinger vorstellte. Das digitale Schaufenster mit Shopsystem verfüge, so der für die Programmierung zuständige Martin Schmid, selbst über ein Warenwirtschaftssystem und eine revisionssichere Kassenlösung. Schmid gehört wie die ebenfalls anwesende Angelika Blessing zur Vorstandschaft des Gewerbevereins.

„Eure Arbeit wird digitalisiert, oder ihr geht unter. Ihr müsst noch zehn Jahre parallel arbeiten, dann ist es gelaufen“, ließ der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg keine Zweifel daran aufkommen, dass man in Illingen den richtigen Weg eingeschlagen habe. Er regte an, die Plattform zu erweitern und unter anderem Vereine und Betriebe außerhalb von Illingen einzubinden. Einig war sich die Runde, dass ein Ziel ein regionales Schaufenster für den Wirtschaftsraum sein müsse. „In zehn Jahren wird das die Norm sein“, zeigte sich Oettinger sicher. „Ihr könnt die Kaufkraft hier halten“, wusste er um die Vorteile. „Das sichert das Überleben der kleinen Händler“, bekräftigte Klaus Schneider vom Landesverband des Bundes der Selbständigen.

Auch wenn in diesem Pilotprojekt viel ehrenamtliche Arbeit steckt, so fallen doch Ausgaben an. Nach rund 25000 Euro an Investitionskosten sind nun jährlich 15000 bis 18000 Euro fällig, und so nutzte die Runde die Chance, Oettinger nach Fördermöglichkeiten zu befragen. „Wir bekommen keine Fördermittel“, so Brigitte Grausam, langjährige Vorsitzende des Illinger Gewerbevereins. Oettinger regte Gespräche mit Geldinstituten und Möglichkeiten der indirekten Unterstützung an.

Auch an einer weiteren Stelle drückt der Schuh. So sind laut einer EU-Verordnung ab dem 13. Dezember 2016 Nährwertangaben auf Lebensmitteln verpflichtend. Das aber, so machte Zaiß deutlich, stelle den kleinen Händler vor große Probleme. Für den Bäcker etwa werde es teuer, wenn er Lebensmittel über das Internet verkaufen wolle. Das widerspreche dem Anspruch, regionale Erzeuger stärken zu wollen. „Wir haben Druck vom Verbraucher, der fordert Transparenz“, warb Oettinger für Verständnis, versprach aber gleichzeitig, in Zukunft für das Illinger Projekt werben zu wollen: „Sie können eine E-Mail schicken, wenn ich etwas helfen kann.“

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