Närrisches Treiben nimmt Fahrt auf

Eine ausgelassene Stimmung herrschte am Wochenende gleich auf mehreren Veranstaltungen –Organisatoren zeigten sich jeweils zufrieden

Von ulrike Stahlfeld, Norman Mummert und Tobias Rieger Erstellt: 24. Februar 2014, 00:00 Uhr
Närrisches Treiben nimmt Fahrt auf Helden deiner Kinderheit lautet das Motto der Faschingsparty in Zaisersweiher. Die Besucher finden offenbar Gefallen daran, denn die Halle ist ausverkauft. Foto: Stahlfeld/Mummert/Rieger

Nun ist es auch im östlichen Enzkreis so weit: Die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ hat begonnen – und bringt jede Menge Faschingsveranstaltungen mit sich.

Maulbronn-Zaisersweiher/Knittlingen/Illingen. Während das Mühlacker Tagblatt nach wie vor auf der Suche nach Faschingsanekdoten ist (siehe Infokasten: „Erinnerungen an Fasching“) beginnen in der Region die diesjährigen Kostümpartys für Jung und Alt.

Helden der Kindheit feiern ausverkaufte Party in Zaisersweiher

Zum siebten Mal mit „milesTone“, zum sechsten Mal ausverkauft: Besser kann es für den partyerfahrenen Förderverein der Spielvereinigung (SpVgg) Zaisersweiher nicht laufen. Unter dem Motto „Helden deiner Kindheit“ feierten am Samstag rund 600 Narren in der Turn- und Festhalle von Zaisersweiher. Die Partyband „milesTone“ mit Frontman Achim Dürr stand noch nicht einmal auf der Bühne, da legte Heiko Stoll vom sechs Security-Dienst bereits den Hebel um. Kein weiterer Narr kam mehr in die ausverkaufte Halle – da halfen selbst persönliche Beziehungen wenig.

„Wir veranstalten die Faschingsparty zum siebten Mal mit „milesTone“ und sind zum sechsten Mal ausverkauft“, so Jürgen Bregler vom Vorstandsteam der Spielvereinigung zufrieden. Nur bei der Premiere sei die Halle nicht ganz voll gewesen. Mittlerweile aber hat es sich längst rumgesprochen, dass man in Zaisersweiher ganz groß feiern kann an Fasching. Um dorthin zu kommen, hatte sich eine 15-köpfige Gruppe aus Knittlingen gar einen gelben Party-Bus, ausgestattet mit Bar und Barkeeper, gechartert. Auch die Obergrombacher Nashörner hatten schon einige Faschingsveranstaltungen im Gäu hinter sich und ließen es mit ihrer Guggamusik in Zaisersweiher lautstark ausklingen. Angesichts des „Helden deiner Kindheit“-Mottos feierte Biene Maja gleich in dutzendfacher Ausfertigung in der Halle. Auch ihr Freund Willi wurde gelegentlich gesichtet. Batman und Superman schauten ebenso vorbei wie Darth Vader und die legendären Panzerknacker. Die Schlümpfe scheinen auch in guter Erinnerung geblieben zu sein. Ganz in Blau zu feiern, war jedenfalls in Zaisersweiher modern.

„Es liegt vermutlich am Gesamtpaket“, so Bregler über das Zaisersweiher Erfolgsrezept. Die Band, die wechselnden Mottos aber auch das Getränke-Angebot seien entscheidend: „Wir lassen uns jedes Jahr etwas Neues einfallen.“ Apropos Getränke: Verena Wörsinger und drei weitere Damen der Zaisersweiher Frauengymnastik-Gruppe belegten in der Küche nicht nur fleißig Schnitzel- und Heringsweck zur Stärkung der Narren, sondern spülten nebenher noch gefühlte „Tausende“ von Gläsern.

Cowboys und „Star Wars“-Helden beim Kinderfasching

Cowboys und Revolverhelden scheinen Kinder noch immer stark zu faszinieren. Denn anders ist die Dichte an Kostümen dieses Genres nicht zu erklären. So glaubte der ein oder andere Besucher der Festhalle in Zaisersweiher vergangenen Samstagmittag er wäre tatsächlich im Wilden Westen angelangt. Unabhängig von der Kostümierung herrschte auch so fleißiges Treiben beim Kinderfasching. Prinzessinnen, Hexen, Superhelden, Ritter und jede Menge „Star Wars“-Charaktere ergaben eine bunte Mischung des nun zum achten Mal stattfindenden Kinderfaschings. Auch Harry Potter, Indiana Jones, ein Meisterkoch und Pippy Langstrumpf mischten sich unter das Volk. Die Organisatoren vom Förderverein der Spielvereinigung Zaisersweiher haben als Überraschungsgast einen Zauberer eingeladen. Auch die Eltern ließen sich den Spaß nicht nehmen und warfen sich bereits mittags in Schale. Superhelden durften natürlich auch nicht fehlen, so erfreuten sich Batman und Spiderman größerer Beliebtheit unter den Kleinen. Neben dem Westernthema dominierte die Sience Fiction Welt von „Star Wars“. Entsprechend wurde der ein oder andere Lichtschwerterkampf ausgetragen. So manchem Kind konnte man dann auf den ersten Blick nicht ansehen, was es darstellen wollte, war doch die Kombination aus Schminke, bunten Kleidern und Spielzeugpistolen zumindest auf den ersten Blick nicht unbedingt unter einen Hut zu bringen. Einen gewissen Sinn für Thematik bewiesen die Kinder dann doch, als sie einem Clown das Lichtschwert wegnahmen und ihm dafür lieber einen Luftballon in die Hand drückten.

Knutschfleck rockt mit Verkleideten in Knittlingen

Wenn sich in der Faschingszeit Drachen, Politessen, Hippies und Piratenbräute im Kellergewölbe des Cellariums in Knittlingen treffen, hat das einen guten Grund: die Band Knutschfleck. Als Adelsleute aus dem Zeitalter des Absolutismus verkleidet, schreitet Sänger Christian Fritz in Begleitung von Frontfrau Sammy auf die Bühne. Passend zu ihrer Kostümierung gibt die Band ihre Cover-Version von Falkos „Rock Me Amadeus“ zum Besten. Die Bandmitglieder, allen voran Fritz, präsentieren sich an diesem Samstagabend gut aufgelegt und haben sichtlich Spaß auf der Bühne. „Lasst mal ein bisschen die Knie wackeln!“, fordert Fritz den „bunt gemischten Haufen“ von rund 50 Gästen auf. „Ich finde es schön, mal wieder in einem Club zu spielen“, findet Gitarrist Sören Jordan. „Das ist man näher am Publikum und an den Mitmusikern. Das ist geil.“ Und um die Aufmerksamkeit ihres Publikums auf sich zu ziehen, lässt sich die Band einiges einfallen. Zum Song „König von Deutschland“ von Rio Reiser tritt der Frontmann der Band mit Plastikkrone und rotem Samtumhang als König Fritz, der Erste verkleidet, auf. „Die Leute sollen nicht das Gefühl bekommen, dass es woanders jetzt besser wäre“, erklärt Fritz. „Wir haben musikalisch nichts mehr zu beweisen. Wir wollen einfach nur die größtmögliche Party machen“, so der 41-jährige Sänger und fügt hinzu: „Wer uns kennt, weiß ja, was ihn erwartet.“ Nämlich ein Auftritt, bei dem auch mit Pyroeffekten nicht gegeizt wird. Zu „Ich will Spaß“ kommt Fritz in einem American Football-Trikot und einem Helm auf die Bühne. Auf den Helm hat er hinter der Bühne rasch zwei Tischfeuerwerke geklebt. Allerdings will nur eines zünden. Das andere wurde irrtümlicherweise verkehrt herum aufgeklebt. Der humorvolle Auftritt der Karlsruher Coverband verleitete das Publikum dazu, lauthals nach Zugaben zu verlangen. Da ließ sich die Band nicht zweimal bitten und verabschiedete sich unter anderem mit „Westerland“ von der Band „die Ärzte“ha.

Ein Schwarm Biene Majas feiert mit Illinger Schützen

Illingen als Faschingshochburg zu bezeichnen, mag etwas übertrieben zu sein. Doch die Stromberggemeinde gehört seit Jahren zu den Geheimtipps der Faschingsnarren in der Region. Auch dieses Jahr kamen 120 Gäste zum traditionellen Faschingsball in das Schützenhaus. Laut singend und klatschend ging es am Samstagabend mit der Polonaise durch das ansonsten so ruhig und beschaulich liegende Schützenhaus. „Wir sind sehr zufrieden“, schaute sich Vorsitzender Edgar Benz vom Schützenverein im Saal um, wo die „Top 3“ für die richtige Tanzmusik sorgten. Auch wenn Illingen den aus dem Kurpfälzischen stammenden Benz etwas an ein „Pietätsdorf“ erinnert, die Narren im Schützenhaus bewiesen ihm das Gegenteil. Ottmar Kurbel, Helmut Scheytt und Werner Wolff lockten mit einem speziellen Faschingsrepertoire gekonnt die Kostümierten aufs Tanzparkett. „Seitdem wir die haben, ist die Bude voll“, so der Vereinschef zufrieden. Mit einem harten Kern von zehn Helfern war er seit dem Vormittag auf den Beinen um den Saal zu schmücken und die Vorbereitungen zu treffen.

Ebenfalls schon traditionell wurden Wurstsalat und Schnitzel serviert. Für die Hartgesottenen, die bis nach Mitternacht durchfeierten, warteten zu später Stunde belegte Brötchen. Sabine Lehmann war gleich mit ihrer ganzen Geburtstagsgesellschaft gekommen. Gemeinsam wurde im Biene-Maja-Look gefeiert. Der Faschingsball der Illinger Schützen kann auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken und wurde in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar in der Stromberghalle gefeiert. Seit gut 15 Jahren findet er in einem etwas bescheideneren Rahmen im Schützenhaus statt.„In Illingen ist es klein und schnuckelig, so richtig familiär“, erzählte Josef Obert, warum er gerne mit Ehefrau Margit in das Schützenhaus kommt. Und die erinnert sich noch gut an die närrischen Zeiten in der Stromberghalle: „Da hat man kaum einen Platz gekriegt.“

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