Mosolf und die verschwundenen Schilder

Grünen-Fraktionssprecher Dr. Peter Pförsich bringt ein Fundstück aus dem Wald mit – Dauerbrenner sorgt im Rat für Bürgerfragen

Von Frank Goertz Erstellt: 1. März 2019, 00:00 Uhr
Mosolf und die verschwundenen Schilder Nein, das Schild soll nicht bedeuten, dass vor der Verwaltungsbank bei Sitzungen im Illinger Ratssaal ein absolutes Halteverbot herrscht. Es ist vielmehr ein Fundstück von Dr. Peter Pförsich aus dem Wald nahe der Spedition Mosolf. Foto: Goertz

Das Thema Mosolf bleibt Dauerbrenner in Illingen und hat in der Ratssitzung am Mittwochabend für kritische Nachfragen von Bürgern gesorgt. Das Bonmot des Abends lieferte allerdings Grünen-Fraktionssprecher Dr. Peter Pförsich am Ende der öffentlichen Sitzung.

Illingen. Noch während die letzten – unstrittigen – Tagesordnungspunkte abgenickt wurden, verschwand Pförsich aus dem Sitzungssaal und kam kurze Zeit später mit einem Parkverbotsschild in der Hand zurück und löste fragende Blicke aus, auf die er, kaum waren auch die Spenden an die Gemeinde als letzter Tagesordnungspunkt genehmigt, die Antwort lieferte. Im gewissen Sinne war Pförsichs Parkverbotsschild auch eine Spende an die Gemeinde, wobei sich die Frage stellt, ob man jemandem etwas spenden kann, das ihm eigentlich gehört. Insofern war das Schild mehr ein Fundstück. „Wir haben uns vor kurzem mit der grünen Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann die Situation bei Mosolf angeschaut“, setzte Pförsich zur Erklärung an. Offenbar ist er mit der Landtagsabgeordneten auch zwischen den Bäumen verschwunden. „Das Schild haben wir zwei Meter abseits der Straße im Wald gefunden und wollen es Ihnen zurückgeben“, sagte Pförsich in Richtung Bürgermeister Harald Eiberger, als wisse dieser nicht sowieso schon, was mit den Parkverbotsschildern geschieht, die die Gemeinde dort aufgestellt hat. Sie werden einfach entsorgt – wo kein Schild steht, gilt auch kein Parkverbot.

Auch wenn die Firma Mosolf sich jüngst bei den Bürgern und der Gemeinde für das Chaos entschuldigt und Maßnahmen angekündigt hat, um lange Lkw-Staus vor den Toren zu verhindern, trauen viele Bürger dem Frieden nicht. So wollte Bernd Bruckner wissen, ob die Verkehrsschau bei Mosolf mit Vertretern des Landratsamts schon stattgefunden habe, falls nein, ob sie öffentlich sei, und falls ja, ob die Bürger über die Ergebnisse informiert würden. Wie Hauptamtsleiter Sven Holz erläuterte, habe die Verkehrsschau bereits stattgefunden. Grundsätzlich sei diese Veranstaltung nichtöffentlich.

Wie er denn erfahre, welche Ergebnisse die Expertenrunde gebracht habe, hakte Bruckner nach. Leichtes Zögern auf der Verwaltungsbank. Der Gemeinderat werde informiert, lautete dann die Antwort. Das könne aber dauern. Manchmal auch Monate. „Wir haben bislang noch nicht einmal ein Protokoll der Verkehrsschau“, machte Holz deutlich, dass der Ball im Feld des Landratsamts liegt.

Walter Schwerdtle wollte hingegen wissen, wem das Waldgrundstück zwischen Mosolf und der Firma Avantec gehört. Hintergrund seiner Frage war wohl, dass es immer wieder Gedankenspiele gibt, Mosolf wolle dort erweitern und den Wald roden. Schwerdtles Frage ließ sich ganz einfach beantworten: Das Grundstück ist im Besitz der Gemeinde. Außerdem wollte Schwerdtle wissen, welche Veränderungen Mosolf auf seinem Betriebsgelände plane und wie die Bürger informiert würden. „Wenn es Veränderungen gibt, muss die Firma einen Bauantrag einreichen, der dann vom Gemeinderat in öffentlicher Sitzung behandelt wird“, erläuterte Bürgermeister Harald Eiberger das Prozedere. Aber schon vor der Antwort war angeklungen, dass Schwerdtle diese Form der indirekten Transparenz nicht ausreicht. Er hatte zuvor nämlich vorgeschlagen, ob die Gemeinde „Herrn Mosolf nicht mal einladen kann, damit er selbst erklärt, wie die Lkw-Staus verhindert werden können“. Eigentlich ein simpler Vorschlag, trotzdem brauchte Bürgermeister Harald Eiberger eine Schrecksekunde, um zu reagieren. „Ja, diesen Wunsch können wir gerne an das Unternehmen weiterleiten“, presste der Schultes dann schließlich hervor.

Ein ganz anderes Thema sprach Thomas Hanisch an, der wissen wollte, was die Gemeinde gegen die Schlaglöcher auf der Wilhelmstraße zu tun gedenke, über die der Schwerlastverkehr rollt und damit die Probleme im wahrsten Sinne des Wortes größer macht. Ob es Pläne gebe, die Straße grundlegend zu sanieren. Wie Matthias Meinhardt vom Bauamt einräumen musste, gibt es solche Pläne derzeit nicht. „Wir können nicht alles sofort sanieren“, machte er darauf aufmerksam, dass auch andere Straßen kaputt seien. Also werde der Bauhof auf der Wilhelmstraße erst einmal nur die Schadstellen regelmäßig reparieren. Eine Sanierung sei zudem sehr kostspielig, weil unter der Straße auch Kanäle lägen, die ebenfalls nicht in bestem Zustand seien. „Und es macht ja keinen Sinn, die Straße zu sanieren und sie in ein paar Jahren wieder aufzureißen, um die Kanäle in Angriff zu nehmen“, erklärte Meinhardt, dass alles andere als eine gleichzeitige Sanierung von Straße und Kanälen ein Schildbürgerstreich sei.

Frank Goertz

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