Illinger wird Opfer von Internetbetrügern

73-Jähriger aus Illingen wird Opfer von Internetbetrügern – Vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter verlangen über 300 Euro

Von Lukas Huber Erstellt: 25. Oktober 2016, 00:00 Uhr
Illinger wird Opfer von Internetbetrügern Nachdem Ulrich Krüger in die Fänge von Internetbetrügern geraten ist, muss er seinen Computer und seine Internetverbindung vorerst vom Netz nehmen. Foto: Huber

Die Verbraucherschützer warnen dringend vor angeblichen „Service-Anrufen“ der Firma Microsoft. Am Montagmorgen haben Betrüger den Illinger Ulrich Krüger mit einem perfiden Trick aufs Glatteis geführt und die Daten auf seinem privaten Computer ausgespäht.

Illingen. Es ist immer wieder dieselbe Masche, die die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite beschreibt: Das Telefon klingelt, und am anderen Ende der Leitung erklärt ein angeblicher Mitarbeiter von Microsoft, es gebe ein Problem mit dem Computer – und das meist in englischer Sprache. Was sich nach einem guten Service anhört, sei aber in Wahrheit ein perfider Trick, die Leute um ihr Geld zu bringen. Das Ziel sei zunächst, den Computer des Nutzers mit einem Trojaner zu vergiften, um ihn später zu erpressen.

Eine solche Erfahrung machte am Montag der Illinger Ulrich Krüger gemacht, nachdem er den Hörer abgenommen hatte. „Am Apparat war zuerst eine Person, die angab, Praktikant bei Microsoft in den USA zu sein. Dann bin ich mit einem Martin Ferguson verbunden worden, der sagte, meine Windows-Lizenz sei abgelaufen“, schildert der 73-Jährige. Der Anrufer habe von der Ferne aus auf seinen PC zugreifen wollen, seine IP-Adresse habe er bereits gewusst. „Ich war zwar misstrauisch und habe ihn in dem über zweistündigen Gespräch mit Fragen durchlöchert, doch der Anrufer hatte immer gleich eine Antwort parat. Alles klang so plausibel für mich.“ Also habe er dem angeblichen Experten den Zugang zu seinem Computer gewährt.

Der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter habe dann aufgerechnet, dass die neue Lizenz für seinen PC sowie das Notebook seiner Frau insgesamt 393 Euro koste, berichtet Krüger. Das Geld solle er sofort überweisen, habe der Unbekannte gefordert. „Er hat mich regelrecht dazu gedrängt.“ Ihm sei auf dem Bildschirm sogar gezeigt worden, wo die nächste Bank sei. „Den Betrag sollte ich auf ein Konto in Bangalore in Indien überweisen mit dem Betreff ‚persönlich‘.“ Aber warum Indien? Die Antwort des Anrufers sei gewesen, dass das steuerliche Gründe habe.

„Ich habe Herrn Ferguson erklärt, ich sei Rentner und könne eine solche Summe nicht so einfach aufbringen“, so Krüger. Daraufhin habe der Unbekannte – „aus Sympathie, wie er sagte“ – die Summe auf 300 Euro reduziert. „Das hat mich stutzig gemacht, so dass ich mit meinem Handy parallel die Illinger EDV-Expertin Brigitte Grausam angerufen habe.“ Ihre dringende Anweisung sei gewesen: Sofort alle Stecker ziehen – und zwar von sämtlichen PCs im gesamten Hausnetzwerk. Betroffen sein könnten nämlich auch Smartphones, Tablets und andere PCS, habe sie Alarm geschlagen. Nachdem er die Anweisung befolgt habe, hätte noch einmal einer der Betrüger angerufen, schildert der Illinger. Und der habe plötzlich gedroht: „Wenn ich meinen Computer nicht wieder anschalte und das Geld nicht bezahle, würden sie mir mein System komplett lahmlegen und ich könnte nie wieder Produkte von Microsoft verwenden.“

„Herr Krüger hat bei dem Anruf sozusagen alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, erklärt Brigitte Grausam, die in Illingen ein Informatik-Unternehmen betreibt. „Alleine mit solchen vermeintlichen Microsoft-Mitarbeitern zu reden, ist schon zu viel, denn das Unternehmen würde sich generell nie per Telefon melden.“ Der nächste Fehler sei dann passiert, als Krüger dem Anrufer gestattet habe, auf den PC zuzugreifen. Damit habe er ihm sozusagen Tür und Tor geöffnet.

Dem Rechner sei nun nach dem Hackerangriff nicht mehr zu trauen, so Grausam. Bevor das Betrugsopfer ihn wieder verwenden könne, müsse das Gerät grundlegend gesäubert werden. Schließlich sei damit zu rechnen, dass die Gauner sämtliche Daten des Illingers ausgespäht hätten. Von Passwörtern für beispielsweise die E-Mail-Adresse über Kontonummern bis hin zu Kreditkartendaten.

Ulrich Krüger hat indes aus dem Vorfall gelernt. „Auch, wenn es eine schmerzliche Erfahrung für mich war, werde ich meine Lehren daraus ziehen“, sagt er. Das Schlimmste sei für ihn nicht der Schaden am Computer. „Man verliert dadurch doch das Vertrauen in die Mitmenschen, wenn einem so etwas passiert.“

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