Firma plant Neubau im Hakenwald

Avantec will Produktion und Verwaltung an einem Standort zusammenlegen – Bäume werden bald gerodet

Von Frank Goertz Erstellt: 20. Dezember 2013, 00:00 Uhr
Firma plant Neubau im Hakenwald Avantec stellt in Illingen Fräswerkzeuge her und vertreibt sie weltweit. Die Firma wurde vor zwei Jahren als „Glanzlicht der Region“ geehrt. Foto: Goertz

24000 Quadratmeter Wald – das entspricht der Fläche von fünf Fußballfeldern – sollen im Hakenwald nahe der Spedition Mosolf gerodet werden. Die Firma Avantec plant einen Neubau für Produktion, Verwaltung und Vertrieb.

Illingen. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend die Weichen für den Umzug des Unternehmens, das seit 1995 in Illingen ansässig ist, gestellt. Wie Geschäftsführer Uli Werthwein im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, würde der Spezialist für die Herstellung von Fräswerkzeugen momentan noch an der Wilhelmstraße produzieren, während Verwaltung und Vertrieb vom Industriegebiet Schweichling aus gesteuert würden. „Wir wollen die beiden Standorte zusammenlegen und planen deshalb eine neue Produktionsfläche und ein Verwaltungsgebäude“, erklärt Werthwein und beziffert die Investitionssumme auf knapp sechs Millionen Euro. Für das Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern sei nur ein neuer Standort im Enzkreis infrage gekommen. Nachdem im Mühlacker Gewerbegebiet Waldäcker für Avantec geeignete Flächen erst ab 2015 frei würden und diese Option damit ausgeschieden sei, sei er sehr froh, dass Illingen ein geeignetes Grundstück habe anbieten können.

Ökologische Maßnahmen sollen Verlust des Waldes kompensieren

Die Gemeinde hatte die Planungen für Gewerbeflächen im Hakenwald – konkret am Ende der Wilhelmstraße kurz vor der Einmündung in die Kleinglattbacher Straße – schon seit über zehn Jahren in der Schublade. Damals war die Fläche für die Spedition Mosolf im Gespräch. Dort ist man jetzt über die neue Entwicklung überrascht. „Wir suchen Erweiterungsflächen, und dabei ging es auch immer um den Hakenwald“, sagt Niederlassungsleiter Bertram Galm im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dann haben wir zufällig mitbekommen, dass hier ganz andere Gespräche laufen. Jetzt ist uns diese Möglichkeit der Erweiterung verwehrt“, bedauert Galm.

Derweil treibt Avantec mit Hochdruck die Planungen für den Firmenumzug voran. Nachdem der Kaufvertrag für das Grundstück so gut wie in trockenen Tüchern ist, soll spätestens im Frühjahr der Spatenstich sein. Vorher muss die Gemeinde die Fläche noch roden – und hier drängt die Zeit, denn die Vegetationsperiode, in der keine Bäume gefällt werden dürfen, beginnt am 1.März. Wie Rainer Scheible vom Illinger Liegenschaftsamt allerdings auf Nachfrage im Gemeinderat erklärte, gehe er fest davon aus, dass die Zeit reiche, um die letzten Formalitäten zu klären, damit die Fläche rechtzeitig gerodet werden kann. Den Verlust des Waldes muss die Gemeinde durch Ausgleichsmaßnahmen kompensieren. Dazu will sie unter anderem Punkte vom Ökokonto verwenden, die sie etwa für die Renaturierung des Erbbachs bekommen hat. Außerdem sollen mehrere zusammenhängende Flächen neu aufgeforstet werden.

Auch durch die Planungen im Hakenwald selbst soll der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten werden. So wird die Fläche beispielsweise durch Trockenmauern so terrassiert, dass der Landschaftsverbrauch minimiert werden kann. Auch den Belangen des Artenschutzes werde Rechnung getragen. Die Bodenflächen, auf denen sich geschützte Pflanzen befinden, werden separat ausgehoben und woanders wieder eingebaut.

Avantec ist einer der größten Gewerbesteuerzahler

Außerdem wird die zu rodende Fläche nach Winterquartieren von Fledermäusen abgesucht, und gegebenenfalls werden dann die entsprechenden Stammstücke an geeignete Stellen versetzt. Für die Außenbeleuchtung an dem neuen Avantec-Firmensitz sollen zudem insektenfreundliche Leuchtmittel mit geringem UV-Anteil vorgeschrieben werden, und der Zaun, der das Gelände vom restlichen Wald trennt, soll so angelegt werden, dass ihn Kleintiere, auch Igel, problemlos passieren können.

Trotz aller ökologischen Maßnahmen bedauerte Grünen-Sprecher Peter Pförsich: „Es tut schon weh, wenn fast drei Hektar Wald abgeholzt werden.“ Pförsich forderte, der Gemeinderat müsse sich Gedanken machen, wo er mit seiner Flächen- und Gewerbeentwicklung hin wolle.

Der Forderung nach einem Flächen- und Gewerbekonzept stimmt CDU-Sprecher Eric Schach im Grundsatz zwar zu, gibt im Fall Avantec allerdings zu bedenken: „Hier bieten wir einem innovativen Betrieb weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Und das ist gut so.“ Schließlich würden auch wertvolle Arbeitsplätze am Ort erhalten bleiben. Außerdem erinnerte Schach daran, dass die Entwicklung in der Gemeinde nicht unwesentlich von der Gewerbesteuer abhinge. Nach MT-Informationen ist Avantec einer der größten Gewerbesteuerzahler der Gemeinde und hat seit seiner Gründung vor 24 Jahren als kleiner Familienbetrieb mit sechs Mitarbeitern eine fulminante Erfolgsgeschichte geschrieben. Avantec ist mittlerweile ein weltweit bekannter Markenhersteller von Fräswerkzeugen, die von Illingen sowie den Niederlassungen in den USA, Italien und Österreich weltweit verkauft werden.

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