Caritas-Projekt: „Die Alternative ist keine Alternative“

Vor dem Bürgerentscheid in Illingen: Kreistagsfraktionen der SPD und der Grünen unterstützen die Caritas

Von Frank Goertz Erstellt: 11. Oktober 2018, 00:00 Uhr

Sonntag entscheiden die Illinger Bürger, ob die Caritas im Wiesental ein Heim für Menschen mit Behinderungen bauen kann. Die Kreistagsfraktionen der SPD und der Grünen stärken in dieser Woche der Caritas noch einmal den Rücken.

Illingen/Enzkreis/Pforzheim. Gestern Nachmittag hat sich der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Hans Vester, das Grundstück im Wiesental ebenso angesehen wie das von den Gegnern des Projektes als Alternative ins Spiel gebrachte Gewerbegrundstück an der Luigstraße. Vesters Fazit fällt eindeutig aus: „Das Gewerbegrundstück brächte große Probleme bei der Umgestaltung mit sich. Außerdem liegt es in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Industriegebiet. Hier wären Konflikte durch die völlig unterschiedlichen Nutzungsarten vorprogrammiert.“

„Wenn wird das Gewerbegebiet auf dem Ezel-Areal an der Luigstraße auflösen würden, bräuchten wir – bei allen Unwägbarkeiten –, bis es baureif ist, mindestens genauso lange wie für das Luigareal“, macht Klaus Kluge, SPD-Sprecher im Illinger Gemeinderat, deutlich. „Das Ezel-Areal liegt mitten in einem Gewerbegebiet. Hier ist eine Wohnbebauung ausgeschlossen. Einzelne Flächen können nicht einfach per Ratsbeschluss in Wohngebiete umgewandelt werden.“ Außerdem sei die Frage nach möglichen Altlasten auf dem Gelände ungeprüft, erklärt Kluge weiter. Und nicht zuletzt gelte es, den Fortbestand und die Zukunft der bestehenden Gewerbebetriebe zu sichern. Schließlich hätten diese auch Rechte.

Die beiden Sozialdemokraten, Kluge und Vester, sind sich einig: „Die von den Gegnern des Caritaswohnheims im Wiesental ins Spiel gebrachte angebliche Alternative ist keine Alternative.“

Dabei wird dem Geschäftsführer der Caritas, Frank-Johannes Lemke, die Aussage unterstellt, er habe das Ezel-Areal anfangs für nicht ausgeschlossen gehalten. Er habe bei einer Besichtigung des Geländes den Satz fallenlassen: „Warum habe ich diesen Vorschlag nicht schon früher gesehen.“ Diesen Satz will Lemke im Gespräch mit unserer Zeitung auch nicht bestreiten. Mit ihm habe er aber nur seine Verwunderung ausdrücken wollen, warum die Bürgerinitiative erst auf dem letzten Drücker einen angeblichen Alternativvorschlag aus dem Hut zaubert. Jetzt werde er ihm aber so ausgelegt, als habe er das Gelände gutgeheißen. „Hier wird mit allen Tricks gearbeitet“, bedauert Lemke. Dazu gehöre auch die Behauptung, die Caritas würde mit dem geplanten Wohnheim im Wiesental Profitinteressen verfolgen. „Dabei weiß doch alle Welt, dass die Caritas gemeinnützig ist“, betont Lemke. „Wir dürfen zwar einen Überschuss erwirtschaften, müssen diesen aber wieder in unsere caritative Arbeit zurückführen.“

Wie diese Arbeit speziell in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen aussieht, davon hat sich die Kreistagsfraktion der Grünen beim Besuch des Kappelhofs in Pforzheim ein eigenes Bild gemacht. Auf Nachfrage von Dr. Peter Pförsich aus Illingen führte Frank-Johannes Lemke aus, dass es zu Beginn sehr wohl kritische und verunsicherte Nachbarn gegeben habe. „Wir haben sie von Anfang an eingeladen. So gelang es uns schnell, die Vorbehalte zu überwinden, und heute ist das Zusammenleben mit den Anwohnern problemlos“, erklärte Lemke.

Interessiert nahmen die Kreisräte das Konzept des Hauses zu Kenntnis. Es beinhaltet Wohnen und die Beschäftigung in einer Tagesförderstätte unter einem Dach für die teilweise mehrfach behinderten Menschen. So können sie den Tag sinnerfüllt verbringen. Dieses Konzept ist auch in Illingen mit 24 Plätzen vorgesehen.

„Im Gespräch mit den Bewohnern und dem Personal wurde die ganz Bandbreite der Schicksale deutlich“, erklärt Dr. Pförsich sichtlich beeindruckt. Oft seien die Menschen durch Unfälle oder Krankheiten von einem Moment auf den anderen pflegebedürftig geworden und haben im Kappelhof ein neues Zuhause gefunden. Auch das Personal zeige trotz der oft schwierigen und belastenden Arbeitssituation viel Geduld und Motivation. „Die Zufriedenheit der Bewohner ist für uns ein Ansporn“, erklärte eine Kappelhof-Mitarbeiterin. „Wir bilden selbst aus und können so auch in diesen schwierigen Zeiten Personal gewinnen“, berichtete Heimleiter Joachim Becht.

Kreisrat Joachim Wildenmann erkundigte sich nach der aktuellen Situation für behinderte Menschen im Enzkreis. „Sie ist sehr angespannt, es gibt eine lange Warteliste, zurzeit werden viele Menschen bundesweit verschickt, und dieser Zustand ist untragbar“, machte Lemke deutlich, wie dringend ein neuer Standort benötigt wird. „Falls sich am Sonntag die Mehrheit gegen den Bau des Heimes für behinderte Menschen am geplanten Standort ausspricht, wird in Illingen kein Heim gebaut, und die mühsame Suche geht auf dem Rücken der behinderten Menschen von vorne los“, so Dr. Peter Pförsich „Wir sind als Landkreis in der Pflicht, diese Menschen würdig in unserer Mitte unterzubringen.“

 

Nachdem die SWR-Landesschau in dieser Woche über den Streit um das Caritaswohnheim in Illingen berichtet hat, greift der Sender am heutigen Donnerstag um 20.15 Uhr im Rahmen der Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ das Thema ein zweites Mal auf.

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