Goodbye Arkansas, goodbye Amerika !

Jenny Joy Schumann, Junior-Botschafterin aus Enzberg, berichtet letztmals für die Leser des Mühlacker Tagblatt vom Alltag in den USA

Erstellt: 19. Juni 2017, 00:01 Uhr
Goodbye Arkansas, goodbye Amerika ! Abschied von den USA. Foto: privat

Knapp ein Jahr ist es her, seit ich mit einem großen Koffer hier in Arkansas angekommen bin. Nun ist meine Zeit um, und ich werde mit zwei großen Koffern wieder zurück nach Deutschland fliegen. Was ich von dem Jahr als Junior-Botschafterin in den USA in die Heimat mitbringe, ist aber weit mehr, als in zwei Koffer passt.

Ein Rückblick: Wir wurden auf dieses Jahr in Amerika wirklich gut vorbereitet. Mehrmals trafen wir uns in Weimar und Leonberg, um von ehemaligen Austauschschülern möglichst viel über Land und Leute zu erfahren. In Workshops bereiteten wir Vorträge vor und einigten uns auf ein nahezu einheitliches Bild, wie wir uns Deutsche im Ausland präsentieren wollten und sollten.
Aber schon bald war klar, dass alle Theorie der Wirklichkeit nicht standhalten würde. Ich kann mich da an die eigene Nase packen: Auch ich bin mit einer großen Zahl an Vorurteilen im Handgepäck gestartet. Mir war klar, dass Amerikaner sich nur von Fast Food ernähren und den ganzen Tag fernsehen. Wie ich zu der Annahme kam, weiß ich bis heute nicht.

Beeinflusst werden wir tatsächlich durch amerikanische Spielfilme, die uns vorgaukeln, einen Blick in den amerikanischen Alltag zu werfen. Vor Serien wie „Desperate Housewives“ sei an dieser Stelle gewarnt. Ganz so ist es nicht. Aber so ganz widerlegen konnte ich einige Vorurteile auch nicht. Tatsächlich bleibt im amerikanischen Alltag wenig Zeit für ausgiebiges Kochen und gesunde Ernährung. Und für meine Begriffe wird auch sehr viel ferngesehen. Vielleicht, weil es unendlich viele spezialisierte Fernsehkanäle gibt. Einzelne Kanäle zeigen rund um die Uhr Serien eines bestimmten Genres, andere senden den ganzen Tag Börsennachrichten und Newsticker. Oder haben sich die Fernsehmacher der Nachfrage angepasst ?

Mein Bild von den Amerikanern und ihrer Lebensweise hat sich verfeinert. Aber ist es mir gelungen, das Bild der Deutschen zu verbessern ?
Die häufigsten Irrtümer, denen ich in vielen Gesprächen und Vorträgen begegnet bin, liegen darin begründet, dass Bayern bildhaft für ganz Deutschland steht. So denken oder dachten viele, dass das Oktoberfest ein nationaler Feiertag ist, wir Deutschen in Tracht herumlaufen und mindestens jeder zweite Thomas heißt. Warum Bayern das Bild der Deutschen so nachhaltig prägt, wurde mir schnell klar: Viele Amerikaner haben tatsächlich im Rahmen einer Europareise schon Station in Deutschland gemacht. Vorzugsweise konnten Sie München vom Bus aus erkunden und wurden durch Schloss Neuschwanstein geführt.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Paris.
Ich habe es auf jeden Fall geschafft, dass meine Gesprächspartner und Zuhörer nun mit der Erweiterung ins Feld ziehen, dass Deutschland sich nicht auf Bayern reduzieren lässt und deutlich vielfältiger ist. Gerührt war ich, als meine Gasteltern mir verkündeten, dass sie schon im kommenden Jahr eine Reise nach Europa antreten wollen. Eine Woche wollen sie nach Irland, weil dort ihre Wurzeln liegen, und eine Woche wollen sie durch Deutschland reisen. Sie sind auch der Meinung, dass ein Tag in München nicht ausreichen wird, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Ganz nach amerikanischer Manier werde ich eine Hop-on-hop-off-Tour für sie zusammenstellen – von der Ostsee bis zu den Alpen. Vom Empfinden her ist die Distanz von rund 1000 Kilometern für sie nicht mehr als ein erweitertes Disney Land.

Meine Gasteltern wollen die Vielfältigkeit unseres Landes erkunden; von dem platten Land im Norden bis zu den Alpen. Sie wollen Brezeln essen und natürlich schauen, ob der Hefezopf so schmeckt wie die, die ich sonntags oft für die Familie gebacken habe. Sie wollen Berlin und Hamburg und natürlich München sehen. Sie wollen sich davon überzeugen, ob es wirklich an jeder Ecke Aldi-Discounter gibt, und sie wollen auf einem typischen Wochenmarkt einkaufen. Und sie wollen testen, ob Mc Donald´s wirklich das gleiche Angebot bietet wie in Arkansas.

Auch für sie wird die Deutschland-Tour die eine oder andere Kuriosität bereithalten. Ähnlich wie es mir erging, als meine Gastmutter die eigens für unseren deutschen Familienabend gekauften Bratwürste im Ofen zubereitet hat. Heiß sind sie allemal geworden. Ich denke, sowohl die amerikanische als auch die deutsche Lebensweise haben ihre Eigenheiten. Und nach einem spannenden Jahr in Amerika bin ich der Meinung, es ist auch gut so.

Letzte Grüße aus Arkansas,

Jenny Joy Schumann

Weiterlesen

TSV Knittlingen II gewinnt sein Spiel gegen Pforzheim

Knittlingen (pm). In der einzigen Begegnung der Handball-Kreisliga Pforzheim hat sich der TSV Knittlingen II 23:21 (15:10) gegen die TG 88 Pforzheim durchgesetzt. Die Mannschaft aus der Fauststadt steht jetzt… »