Zahl der Briefwähler steigt immer weiter

Schon 3200 Bürger von rund 16600 Wahlberechtigten haben in Mühlacker Briefwahlunterlagen beantragt

Von Frank Goertz Erstellt: 19. September 2017, 00:00 Uhr
Zahl der Briefwähler steigt immer weiter Viel Arbeit kommt auf den Briefwahlausschuss zu. Immer mehr Menschen geben ihre Stimme schon vor dem eigentlichen Wahltag ab. Ausgezählt wird aber erst am Sonntag. Unser Foto stammt von der Landtagswahl 2016. Archivfoto: Sadler

Mühlacker/Enzkreis. Eigentlich sind die Bürger ja erst am kommenden Sonntag dazu aufgefordert, den neuen Bundestag zu wählen. Aber viele Wähler haben schon ihre Kreuzchen gemacht und per Briefwahl abgestimmt. „Wir haben bislang 3200 Briefwahlanträge bearbeitet“, sagt Ulrich Saur, Leiter des Mühlacker Bürger- und Ordnungsamts. „Bis Freitag werden wohl noch einige dazukommen.“

Saur bestätigt, dass auch in Mühlacker immer mehr Wähler die Briefwahl nutzen. „Bei der Bundestagswahl 2013 hatten wir 2674 Briefwahlanträge, von denen 2559 dann auch tatsächlich mit einem Stimmzettel zurückgeschickt wurden.“ Das Plus von bislang fast 20 Prozent in Mühlacker bei den Briefwählern ist kein Ausreißer. Bundesweit steigt die Zahl der Menschen, die diesen Service nutzen.

Bei der Bundestagswahl 2013 gab es rund 10,7 Millionen Briefwähler, fast jeder Vierte hat auf diesem Weg seine Stimme abgegeben. Bei der Wahl 1957, als die Möglichkeit der Briefwahl eingeführt wurde, lag der Briefwähleranteil bei nur 4,9 Prozent. Seitdem steigt ihre Zahl kontinuierlich – und bereitet den Kommunen einen nicht unerheblichen Arbeitsaufwand. „Wir haben uns extra personell verstärkt, um die Briefwahlanträge zu bearbeiten“, berichtet Saur.

Mittlerweile mehren sich Stimmen von Verfassungsrechtlern und Politikwissenschaftlern, die den hohen Briefwähleranteil kritisch sehen, weil nicht gesichert sei, dass der Briefwähler unbeeinflusst sein Kreuzchen macht und vor allem weil die Stimmabgabe nicht gleichzeitig, also nicht am Wahlsonntag, erfolgt. Dies könne das Ergebnis verfälschen, weil immer wieder neue Entwicklungen die Wahl beeinflussen können und Briefwähler dann ihre Stimme schon unwiderruflich abgegeben haben.

Lothar Frick, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, glaubt hingegen nicht, dass die Möglichkeit der Briefwahl das Wahlergebnis maßgeblich beeinflusst. Im Gespräch mit unserer Zeitung weist er darauf hin, dass die Briefwahl zu einer höheren Wahlbeteiligung führt. „Immer mehr Menschen haben die Gelegenheit, mehrmals im Jahr Urlaub zu machen, und sind dann auch im September unterwegs. Außerdem steigt der Anteil der gebrechlichen Menschen und der Menschen, die am Wochenende arbeiten müssen.“ Und natürlich, räumt Frick ein, gebe es auch die Bequemen, denen der Weg ins Wahlbüro zu beschwerlich sein könnte, und die deshalb die Briefwahl nutzen.

Die Parteien werben mittlerweile ganz offensiv für die Briefwahl, die CDU auf Großflächenplakaten mit dem Slogan „Falls am Wahltag was dazwischenkommt“, während die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt getwittert hat: „Frei wählen zu können, ist ein Geschenk. Wer am 24. September ausschlafen, brunchen, Serien schauen will: Jetzt die Briefwahl beantragen.“

Lothar Frick und Ulrich Saur hingegen wissen schon genau, was sie am Sonntag machen: Sie geben ihre Stimme im Wahllokal ab. „Ich bin am Sonntag beruflich sehr eingespannt“, sagt Saur. „Aber ich gehe persönlich zur Wahl und nehme meine Kinder mit, weil ich ihnen zeigen will, wie eine Wahl abläuft. Das kenne ich auch so aus meiner Kindheit.“

Frank Goertz

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