Winzer bibbern: Frost zerstört Triebe

Winzer rechnen nach eisiger Nacht mit Ernteeinbußen – In manchen Lagen ist sogar ein „Totalausfall“ möglich

Von Lukas Huber Erstellt: 21. April 2017, 00:00 Uhr
Winzer bibbern: Frost zerstört Triebe Deutlich erkennbar: Am unteren Sauberg in Ötisheim sind nach der strengen Kälte in der Nacht zum Donnerstag viele Triebe abgestorben. Foto: Fotomoment, Huber

Auch in der Region leiden die Winzer unter der Kälte: In der Nacht auf Donnerstag hat der strenge Frost erhebliche Schäden angerichtet. Und es könnte sogar noch schlimmer werden, denn die Phase der eisigen Temperaturen ist wohl noch nicht überstanden.

Enzkreis. „Es ist grausig“, sagt Patricia Jaggy, die mit ihrem Mann in Schönenberg ein Weingut betreibt. „Bei uns ist schon einiges erfroren.“ Minus sieben Grad habe das Thermometer in der Nacht auf Donnerstag angezeigt. „Wir haben im Vorfeld gedacht, die Temperatur bleibt vielleicht bei Minus zwei, was noch in Ordnung gewesen wäre.“ Doch bei einer solchen Kälte hätten viele Triebe keine Chance gehabt.

Kalte Nächte können tödlich für Pflanzen sein. Lesen sie dazu ein Interview mit einem Experten des Landratsamts.

Ähnlich wie der Familie Jaggy ging es dem Schützinger Wengerter Sebastian Zaiß. „Ich war in der Nacht draußen, und das Thermometer hat in der Nähe des Waldes Minus sechs Grad angezeigt.“ Schäden sind also auch in dem Illinger Ortsteil nicht ausgeblieben. „Wie viel Einbußen wir am Ende haben werden, kann ich jetzt noch nicht sagen.“ Etwa ein Drittel bis zur Hälfte des Ertrags könnten ihm verlorengehen. Immerhin: Ganz so schlimm wie die Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen e. G., wo sich Zaiß am Tag darauf ein Bild von der Lage gemacht habe, sei es seinen Pflanzen nicht ergangen. Christian Kaiser, Geschäftsführer der Genossenschaft, sagt: „In manchen Lagen könnten wir einen Totalausfall haben.“ Davon spreche man, wenn 80 Prozent der Ernte zerstört seien. Besonders hart habe es die Sorte Lemberger, die schon weit entwickelt gewesen sei, getroffen. Beim Edelwein der Schwaben drohen herbe Einbußen. Und der nächste Nachtfrost habe sich bereits angekündigt, fügen sowohl Zaiß als auch Jaggy am Donnerstagnachmittag sorgenvoll hinzu. Das Schlimme sei, dass man nichts gegen die Kälte machen könne und dabei zusehen müsse, wie die Pflanzen vergingen, schildert Patricia Jaggy ihre Gemütslage: „Wir sind einfach machtlos.“

In manchen Regionen sind laut Medienberichten in der Nacht auf Donnerstag Hubschrauber eingesetzt worden, um mit den Rotoren die Kälte zu vertreiben. Alternativ habebn andere Winzer versucht, großflächig Fackeln zwischen Rebzeilen aufzustellen. Für die Wengerterfamilie aus Schönenberg kommen solche Methoden nicht in Frage. „Dort wo die Helikopter eingesetzt worden sind, sind die Flüge schnell wieder eingestellt worden, weil es zu kalt war.“ In solch einer Situation verwirble man die eisige Luft nur. Außerdem könne ein kleinerer Betrieb so eine Maßnahme finanziell nicht stemmen. Und vor dem Entzünden von Fackeln habe erst kürzlich der Weinbauverband gewarnt. Außerdem sei auch diese Methode sehr kostspielig. Die Fackeln dürften nicht ausgehen. Das bedeute, dass man die ganze Nacht durch die Weinberge laufen müsste, um sie zu kontrollieren. „Die Wirkung hingegen ist eher begrenzt.“ Außerdem seien Ruß und Qualm störend für Anwohner.

Wie gravierend sich die Schäden auf die Ernte auswirken, können die drei Winzer noch nicht sagen. „Wir hoffen, dass die Beiaugen kommen“, erklärt Jaggy. Dabei handle es sich um Triebe, die wachsen, wenn andere kaputtgegangen seien. Helfen könne auch noch ein guter, warmer Sommer. „Die Reben brauchen in der warmen Jahreszeit viel Sonne und pro Monat einen ausgiebigen Regentag, bei dem etwa 50 Liter pro Quadratmeter fallen.“ Unter diesen Voraussetzungen bestehe noch eine Chance, dass sich die Pflanzen wieder erholen.

Sollten am Ende an die 80 Prozent der Ernte zerstört sein, wäre laut Sebastian Zaiß der Erzeuger der größte Leidtragende. Man könne den Preis zwar etwas erhöhen und das auch beim Kunden mit heftigen Ernteausfällen begründen, „doch ich kann nicht um das Achtfache aufschlagen, da machen die Verbraucher nicht mit“. Erschwerend hinzu komme, wie Jaggy ergänzt, dass es nicht üblich sei, sich gegen Frostschäden zu versichern – in der Regel nur gegen Hagel.

Während die Kälte den Weinbauern derzeit Sorgenfalten bereitet, schlafen die Getreidelandwirte ruhig. „Solche Temperaturen, wie wir sie momentan haben, machen dem Getreide nichts aus“, sagt Ulrich Hauser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Die Pflanzen könnten bis Minus 15 Grad überleben.

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