Windkraft löst steife Brise der Kritik aus

Hans-Ulrich Rülke wirft dem Landratsamt unkritische Unterstützung einer Lobby vor – Landrat-Vize Herz weist Behauptungen zurück

Von Thomas Sadler Erstellt: 31. Oktober 2015, 00:05 Uhr
Windkraft löst steife Brise der Kritik aus Eine steife Brise der Kritik schlägt dem Landratsamt entgegen. Foto: Fotolia

Darf der Landkreis für die Windenergie werben ? Scharfe Kritik übt Dr. Hans-Ulrich Rülke, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, am Landratsamt. Sein Vorwurf: Die Enzkreis-Verwaltung betreibe eine „unkritische Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Windkraft-Lobby“. Landrat-Stellvertreter Wolfgang Herz weist die Angriffe entschieden zurück.

Enzkreis. Es ist eine steife Brise der Kritik, die dem Landratsamt entgegenschlägt. Auslöser für Hans-Ulrich Rülkes Unmut ist die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Abfallwirtschaft & Klimaschutz im Enzkreis“, die vom Landratsamt Enzkreis herausgegeben wird. Darin würden Bürgerwindräder als gute Geldanlage angepriesen, beanstandet der Abgeordnete. „Nach einer Auswertung im Auftrag des Bundesverbands Windenergie e.V. von 1150 Windpark-Jahresabschlüssen haben die Anleger aller untersuchten Windparks in den Jahren 2002 bis 2011 Ausschüttungen von durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr erhalten“, zitiert er aus der Publikation. „Dass der Anlegerbeirat dieses Bundesverbandes ermittelt hat, dass 37 Prozent der sogenannten Bürgerwindparks rote Zahlen schreiben, und dies vor allem auf unwirtschaftliche Windräder im windarmen Süddeutschland zurückführt, wird hier mit keiner Silbe erwähnt“, moniert Rülke.

Anstoß nimmt er auch an den „interessanten Fakten über Windkraft“, die im Blatt des Landratsamtes unkritisch unter Angabe der Quelle „Bundesverband Windenergie“ übernommen würden. Die Behauptung, Windenergie sei ein Jobmotor für den Industriestandort Deutschland, sei „ein alter Hut, den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung schon 2010 mit einer Studie widerlegt hat“. Tatsächlich führten die milliardenschweren Windkraft-Subventionen am Standort Deutschland durch die Belastung von Verbrauchern und Unternehmen zu einem Kaufkraftverlust und zu Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland.

„Man muss endlich aufhören, den Leuten Sand in die Augen zu streuen“, so Rülke. „Dass die Windräder in Baden-Württemberg bislang nur etwa ein Prozent zur Bruttostromversorgung unseres Landes beitragen, liegt daran, dass die mittleren Windgeschwindigkeiten im Südwesten so niedrig sind wie in keinem anderen Land der Republik. Und Zufallsstrom, der nur dann und wann verfügbar ist, hilft dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg rein gar nichts.“ Abschließend mahnt der Politiker, ein Landratsamt müsse „seine Neutralität wahren“.

Die so attackierte Kreisverwaltung weist die Angriffe entschieden zurück. „Dass man uns unterstellt, wir würden sozusagen das Geschäft Dritter besorgen, ist an den Haaren herbeigezogen“, lautet die Reaktion von Landrat-Vize Wolfgang Herz. Auch treffe es nicht zu, dass das Landratsamt Windräder als Geldanlage anpreise. „Das ist abstrus“, wehrt Herz ab. Bei den Aussagen zur Windkraft seien in der Veröffentlichung von „Abfallwirtschaft & Klimaschutz im Enzkreis“ die jeweiligen Quellen genannt worden. Pro und contra zur Windkraft aufzustellen, sei an dieser Stelle nicht Aufgabe der Magazinmacher gewesen. Es sei klar, dass es unterschiedliche Positionen zur Windenergie gebe. Die Publikation des Landratsamts solle keine einseitige Werbung für Windkraftnutzung sein, sondern lediglich „ein Beitrag zur Klimawende“, betont der stellvertretende Landrat gegenüber unserer Zeitung.

Windkraft ist auch – unabhängig von der Auseinandersetzung zwischen Hans-Ulrich Rülke und dem Landratsamt – ein Thema für die Stadtwerke Mühlacker (SWM). „Wir bekennen uns zu erneuerbaren Energien“, so SWM-Prokurist Matthias Bosch. In Bezug auf die Windkraft legten die SWM großen Wert darauf, dass die Anlagen, an denen die Stadtwerke und die Genossenschaft Bürger-Energie Region Mühlacker beteiligt sind, „an windertragreichen Standorten errichtet werden“. Die SWM und die Bürger-Energie setzten auf Diversifizierung. Sie beteiligten sich mit kleineren Anteilen an verschiedenen Windparks, „um Chancen und Risiken beim Ertrag zu streuen“, sagt Bosch.

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