Teststation auch in Heimsheimer Gefängnis

Neues Corona-Labor für sensible Einrichtungen

Erstellt: 3. August 2020, 05:02 Uhr
Teststation auch in Heimsheimer Gefängnis Im Gefängnis Heimsheim wäre ein Corona-Ausbruch ein großes Problem. Deshalb ist Prävention wichtig. Foto: Archiv Foto: Kollros

Heimsheim (md/lsw). Eine mobile Corona-Teststation ist am Freitag im Mannheimer Gefängnis in Betrieb gegangen. „Das sogenannte CoVLAB soll an Corona-Brennpunkten im ganzen Land zum Einsatz kommen“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Das Labor ist in einem 40-Tonner-Sattelzug eingebaut. Damit sollen mehrere Hundert Menschen an einem Tag getestet werden können.

„Die Ergebnisse werden noch am Tag der Abnahme übermittelt – im Einzelfall können wir den gesamten Prozess von der Probenentnahme und Laboranalyse in weniger als 60 Minuten abwickeln“, sagte Michael Neumaier, der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des CoVLAB. Bei den ersten Tests mit Bediensteten im Mannheimer Gefängnis war auch Justizminister Guido Wolf (CDU) dabei. Pro Tag sind derzeit 384 Tests im CoVLAB möglich, geplant sind mehr als 500.

Gefängnisse gehören zu den Einrichtungen, die durch einen Infektionsausbruch besonders empfindlich getroffen werden könnten. „Raumkapazitäten sind begrenzt, konsequentes Abstandwahren ist kaum möglich“, sagte Wolf. Neue Gefangene werden daher zunächst isoliert untergebracht. „Mit der mobilen Corona-Teststation haben wir nun auch die Möglichkeit, die Bediensteten einer Anstalt schnell und direkt vor Ort testen zu lassen.“

Das Labor wird auch von Dr. Frank Jansen, Leiter der Justizvollzugsanstalt Heimsheim (JVA), begrüßt. „Es ist geplant, dass die Teststation auch zu uns kommt. Die Bediensteten sind sehr dankbar, dass es sie gibt. Viele haben signalisiert, dass sie sich freiwillig testen lassen“, sagt Jansen auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Besuch des mobilen Labors soll übrigens keine einmalige Sache sein. „Sie soll Heimsheim immer wieder ansteuern“, sagt Jansen.

Bis jetzt gab es in der JVA laut Jansen bisher noch keinen Covid-19-Fall unter den Gefangenen. Auf den Ausbruch der Pandemie hatte die Einrichtung mit einem umfangreichen Präventionskonzept reagiert (wir berichteten). So wurden etwa Besuche von Gefangenen ausgesetzt, Transporte von Insassen auf ein Minimum reduziert.

Seit Ende Juni können die Gefangenen wieder Besuch empfangen – in Corona-konformen Räumen. „Wir haben die Räume entsprechend umgebaut und umgestaltet“, sagt Jansen.
Auf das „Runterfahren“ des Anstaltslebens folgten „wie draußen auch“ Lockerungen. Ab Mitte August dürften Ehrenamtliche wieder ihre Arbeit in der JVA aufnehmen – „natürlich unter besonderen Vorkehrungen“, so Jansen. Die Ehrenamtlichen bringen den Insassen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen nahe. So gibt es im Gefängnis eine Mal- und Theatergruppe, Sprachkurse oder Yoga gehören zum Angebot.

Doch auch wenn die Zeit für Lockerungen gekommen ist, betont Jansen: „Wir sind weiterhin acht- und wachsam.“ Die größte Gefahrenquelle seien mit Blick auf eine Einschleppung des Virus wegen ihrer Außenkontakte die Bediensteten der Anstalt. Auch Gefangene, die neu hinzukämen, stünden im Fokus. „Neuzugänge, die von der Polizei zugeführt werden, müssen zwei Wochen in Quarantäne“, erklärt Jansen.

Insgesamt hat die JVA rund 250 Mitarbeiter. Zwischen 400 und 440 Gefangene sind in Heimsheim aktuell untergebracht. Die Bedrohung durch das Virus und die damit einhergehenden Maßnahmen seien eine große Belastungssituation im Vollzug, macht Jansen deutlich. „Wir haben bisher unser Bestes gegeben und werden dies auch weiterhin tun. Das kostet Kraft und Zeit, und ein Restrisiko bleibt immer“, so der Anstaltsleiter. Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, haben wir unsere Bediensteten mit Blick auf Corona erneut sensibilisiert.

Und inwieweit haben die Einschränkungen während des Lockdowns bei den Insassen auf die Moral gedrückt ? „Die Gefangenen haben die Einschränkungen akzeptiert und mitgemacht“, so der Eindruck von Jansen. „Natürlich sind sie, was das anfängliche Besuchsverbot anging, unruhig geworden.“ Doch auch in diesem Bereich habe man reagiert – etwa mit virtuellen Besuchen per Skype. „Das setzen wir für die Insassen, die im Eltern-Kind-Projekt sind, fort.“

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