Tag des Notrufs: Einblicke in die Integrierte Leitstelle Pforzheim

Der 11. Februar ist der Europäische Tag des Notrufs – Einblicke in die Arbeit der Integrierten Leitstelle in Pforzheim

Von Maren Recken Erstellt: 11. Februar 2019, 00:02 Uhr
Tag des Notrufs: Einblicke in die Integrierte Leitstelle Pforzheim Tag des Notrufs: Einblicke in die Integrierte Leitstelle Pforzheim

An diesem Montag, 11. Februar, ist der Europäische Tag des Notrufs. Damit will die EU auf die europaweite Gültigkeit des Notrufs 112 – die Zahl, die im Datum des heutigen Tages steckt – aufmerksam machen. Wenn diese wichtige Nummer gewählt wird, ist in Pforzheim auch die Integrierte Leitstelle gefordert.

Pforzheim/Enzkreis. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst. Was ist denn passiert?“ Ruhig fragt Marco Faas die Fakten ab. Und beginnt bereits, während er mit dem Anrufer spricht, die benötigten Rettungskräfte zu alarmieren. Gemeinsam mit drei weiteren Kollegen hat der Disponent heute Dienst in der Integrierten Leitstelle in Pforzheim. Je zwei Disponenten pro Schicht gehören dem DRK an, je zwei der Feuerwehr. Dies entspricht dem Konzept der Integrierten Leitstelle, die für die Alarmierung von Feuerwehr und DRK im Enzkreis und in Pforzheim zuständig ist.

Wer sich laut bimmelnde Telefone und Mitarbeiter, die bei jedem Notruf hektisch Anweisungen geben, vorstellt, wird rasch eines Besseren belehrt: Es herrscht professionelle Ruhe in dem großen Raum mit den vielen Computerarbeitsplätzen. Jeder der Disponenten trägt ein Headset, über das er die eingehenden Notrufe abwickelt, und hat mehrere Bildschirme vor sich. Dort stehen unter anderem die Daten der Anrufer, und eine Karte zeigt das Gebiet, in das die alarmierten Rettungskräfte geschickt werden müssen. Auf die große Wand an der Stirnseite ist der Blick von jedem Disponentenplatz aus möglich. Auf einem der sechs großen Bildschirme dort laufen nonstop Nachrichten. Auf den anderen gibt es Infos zu den aktuellen Einsätzen.

„200 bis 250 Einsätze wickeln wir an einem normalen Tag, mit vier Disponenten pro Schicht, ab“, erzählt Alexander Müller, der Leitstellenleiter der Feuerwehr. Lediglich bei extremen Wetterlagen, die allerdings immer häufiger vorkämen, seien bis zu 16 Disponenten in der Integrierten Leitstelle vor Ort, um der dann gehäuft eingehenden Notrufe Herr zu werden. „Dann müssen auch Kollegen auf ihre Freizeit verzichten und in die Leitstelle kommen“, so Müller.

„Wo sind Sie? Sind sie selbst beteiligt? Wir kommen gleich. Dafür ist ein Besuch beim Hausarzt besser. Einen Rettungswagen brauchen Sie dafür nicht. Bleiben Sie ganz ruhig, die Feuerwehr ist bereits unterwegs.“ Immer wieder erhascht der Besucher in der Integrierten Leitstelle einen Teil der Konversation mit den Anrufern. „Wir arbeiten mit Notfallgeschehen, das sind quasi Bilder, die ein Szenario abbilden“, erklärt Sebastian Stieglbauer, der Leitstellenleiter des DRK, wie die Disponenten vorgehen. Hinter diesen Bildern stünden die Einsatzmittelketten, also die Rettungswägen oder Feuerwehrfahrzeuge, die passend zum jeweiligen Einsatzszenario alarmiert werden müssen.

Damit die Disponenten auch bei unklaren Anrufen erkennen, ob es sich um einen tatsächlichen Notfall handelt und wie weiter vorgegangen werden muss, haben sie eine 20-monatige Schulung durchlaufen, je zur Hälfte in der Landesschule des DRK in Pfalzgrafenweiler und in der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Um zu diesem Lehrgang überhaupt zugelassen zu werden, ist Berufserfahrung bei der Feuerwehr oder beim DRK Pflicht.

Weil es heute relativ ruhig zugeht, haben Sebastian Stieglbauer und Alexander Müller Zeit aus dem Leitstellenalltag zu erzählen. „Grundsätzlich gilt, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen“, sagt Stieglbauer und kommt dann auf ein Phänomen zu sprechen, das aus den überfüllten Notaufnahmen der Krankenhäuser bekannt ist und das auch in der Integrierten Leitstelle ankommt.

„Leute, die sich vor 20 Jahren noch einen Ingwertee gekocht hätten, brauchen heute bei einem Schnupfen einen Rettungswagen. Am liebsten gleich den Hubschrauber im Garten“, stellt er etwas überspitzt die Situationen dar, in denen die Disponenten den Anrufern dann erklären müssen, dass sie kein Fall für den Notarzt, sondern für den Hausarzt sind.

„In solchen Fällen wünschen wir uns, dass die Anrufer auf die Qualifikation und die Erfahrung der Disponenten vertrauen und darauf, dass diese in der Lage sind, die richtige Entscheidung zu treffen“, sind sich beide Leiter der Integrierten Leitstelle in Pforzheim einig.

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