Sonnenbrand macht Trauben zu schaffen

Trotz einiger Klimakapriolen rechnen die Wengerter der Region mit einem guten Jahrgang 2019

Von Norbert Kollros Erstellt: 14. August 2019, 00:00 Uhr
Sonnenbrand macht Trauben zu schaffen Eineinhalb Monate haben die Rebstöcke noch Zeit, um schön ausgereifte Trauben entwickeln zu lassen. Aber leider haben einige den Sonnenbrand von Ende Juli nicht überstanden. Fotos: Kollros

Dass viele Menschen angesichts hochsommerlicher Temperaturen anfällig sind für einen Sonnenbrand, ist eine Binsenweisheit. Eher weniger bekannt sein dürfte, dass ein Zuviel des „Von der Sonne verwöhnt“ auch manchen Traubensorten im Weinberg negativ zusetzen kann. Was an den extremen Hitzetagen Ende Juli an heimischen Rebhängen auch tatsächlich geschah.

Enzkreis. Vor allem der Trollinger, des Schwaben bevorzugter Vierteles-Wein, aber auch gerne mit der Lemberger-Traube zur Spezialität verschnitten, litt unter der Sonneneinstrahlung, die an einigen Tagen für an die 40 Grad im Schatten verantwortlich war, im Weinberg bei Dauerbestrahlung aber eine noch viel höhere Hitze bewirkte. Durch ihre dünne Haut ist die Trollinger-Traube deutlich anfälliger für derartige „Backofen-Verhältnisse“, und die Beeren schrumpelten regelrecht zusammen, boten einen Anblick wie Rosinen, fielen dann auch meistens ab – und waren nicht mehr zu gebrauchen.

Den Ertragsausfall beim Trollinger schätzt Walter Dibo, Betriebsleiter und Kellermeister im Gündelbacher Weingut Sonnenhof, auf 20 bis 25 Prozent ein. Er sagt aber auch, dass selbst hitzeverträglichere Sorten, wie Burgunderweine, unter der extremen „Höhensonne“ litten. Die Crux: Da gehe man an den Rebstöcken lehrbuchmäßig vor, schneide Laub – eigentlich Schattenspender – heraus, um Feuchtigkeitsschäden zu unterbinden, und dann werde mit dem Sonnenbrand exakt das Gegenteil bewirkt.

Im vergangenen Jahr hat die Weinlese so früh wie wohl noch nie begonnen. Lesen Sie einen Artikel dazu.

Ungeachtet dieser hochsommerlichen Wetterkapriolen meint der Kellermeister vom „Sonnenhof“: Die Qualität sei „vielversprechend in Richtung sehr gut“, der Ertrag hingegen etwas geringer als im vorigen Rekordhebst, was man vor diesem Hintergrund den Rebstöcken zur Regeneration aber auch zubilligen müsse. Gleichwohl habe man die erneut geringe Wasserhaltung in den Böden zur Kenntnis nehmen und deshalb wieder künstlich bewässern müssen. Dibo rechnet mit dem Beginn der Lese in fünf bis sechs Wochen.

Eine ähnliche Zeitschiene hat auch Christian Kaiser, Geschäftsführer der Lembergerland-Kellerei in Roßwag, vor Augen. Auch seine Wengerter mussten das Phänomen „Sonnenbrand“ in den Trollinger-Lagen mit punktuellen Ernte-Ausfällen hinnehmen. Ansonsten sei der Behang gut, der üppige Regen der vergangenen Woche sei „zum richtigen Zeitpunkt“ gekommen, also bevor die Beeren richtig weich werden und die Schalen anfälliger für Feuchtigkeit. „Gemächlich“ werde man Mitte September an der Mühlhäuser und der Roßwager Halde mit der Lese der Grundweine für Sekt, konkret Riesling und Spätburgunder, starten, weil für die prickelnde Genussdelikatesse das Ausgangsprodukt etwas mehr Säure aufweisen sollte, um dann im Oktober die Haupternte folgen zu lassen.

Auch Gerd Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Amthof 12, in der sich vor zwei Jahren die Wengerter von der Oberderdinger Kupfer- und der Knittlinger Reichshalde zusammengefunden haben, ist zuversichtlich, mit „guten Erträgen“ rechnen zu können. Jetzt folge noch das Ausdünnen jener Reben, die für das Premium-Segment der Genossenschaft bestimmt seien, also „der letzte Feinschliff unseres Qualitätswein-Bestrebens“. Dazu gehöre auch, stellenweise aufgetretenen Mehltau-Befall zu beseitigen, der Ausfluss einer naturnahen Bewirtschaftung sei. „Entspannt“ sei man zum jetzigen Zeitpunkt, was den Lesebeginn betreffe, der sei definitiv später als vergangenes Jahr.

Zuversicht auf einen zufriedenstellenden Herbst versprüht auch Sebastian Zaiß vom gleichnamigen Weingut am Schützinger Heiligenberg. „Es sieht gut aus“, meint der Weingutbesitzer, größere Unwägbarkeiten seien eigentlich nicht mehr zu erwarten. Auch in Schützingen habe es Sonnenbrand-Ausfälle ergeben, trotzdem verspreche der 2019er, ein mengenmäßig durchaus normaler Jahrgang auf hohem Niveau zu werden.

„Wir haben durchaus noch Arbeit vor uns“, betont Frank Jaggy vom gleichnamigen Weingut in Ötisheim-Schönenberg und meint damit das Ausdünnen des Behangs, um auch hier die Qualität weiter zu steigern. Dies gelte nicht nur für die heimische Sauberg-Lage, sondern insbesondere auch für den Maulbronner Klosterweinberg, den man für ein noch höheres Qualitätsniveau pflege. „Wunschgemäß“ sei vergangene Woche auch ausreichend Regen gefallen, was den Reben auf den ausgetrockneten Böden gutgetan habe. „Wir sind jedenfalls sehr zuversichtlich, was diesen Jahrgang betrifft“, sagt Jaggy.

Christian Häußermann, Chef des Weinguts am Diefenbacher König, reiht sich ein in die zuversichtlichen Bewertungen seiner Kollegen: „Es sieht sehr gut aus.“ Auch bei ihm steht aktuell die Reduzierung des Behangs an – eben mehr Klasse als Masse. Aus heutiger Sicht rechne er mit einer qualitativ und quantitativ guten Ernte, die zuletzt durch ausreichend Niederschläge begünstigt werde. Jetzt sollte in der Phase bis zur Ernte im September/Oktober eben noch ein „normales Klima“ vorherrschen, so Häußermanns Hoffnung.

„Wir dürfen mit dem bisherigen Verlauf der Vegetation rundum zufrieden sein“, bestätigt auch Stefan Exner, Vorstandsvorsitzender der Sternenfelser Genossenschaft. Die jüngsten Regenfälle hätten den Reifeprozess nochmals unterstützt. Fortan sollte freilich wieder eine trockene Phase statt anhaltender Feuchtigkeit vorherrschen, „das würde uns freuen“. Der Sonnenbrand sei auch am Sternenfelser König Thema gewesen, aber kein großflächiges. Persönlich wünscht sich Exner vollends „stressfreie Wochen“ bis zum Lesebeginn, und auch seine Wengerter würden sich nunmehr darauf konzentrieren, durch gezieltes Ausdünnen der Reben der Qualität zu einem letzten Schub zu verhelfen.

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