Skateboard als Energiespender für Akkus

Tüftler denken bei „Jugend forscht“ um die Ecke – Mädchen lassen Raumschiff verschwinden – Bewegungsmelder erkennt die Zukunft

Von Isabel Hansen Erstellt: 20. Februar 2016, 00:01 Uhr
Skateboard als Energiespender für Akkus Skateboard lädt Handyakku auf: Jonas Moosavi (li.) aus Mühlacker und Tobias Kühner nutzen die Energie sinnvoll und holen den ersten Preis bei „Schüler experimentieren“. Fotos: Hansen

Ein Bewegungsmelder, der in die Zukunft sieht; ein Raumschiff, das unsichtbar ist; ein Skateboard, mit dem sich das Handy laden lässt: Tüftler aus Mühlacker und Maulbronn haben in Pforzheim auf dem Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ für Mittelbaden/Enz Ideen zwischen alltagspraktisch und Science-Fiction-Vision gezeigt.

Pforzheim/Enzkreis. Draußen unterwegs, und der Handy-Akku läuft leer – das geht gar nicht, dachten sich Jonas Moosavi aus Mühlacker und Tobias Kühner aus Königsbach, als sie nach einem Projekt für „Jugend forscht“ suchten, das Elektronik und Sport verbindet. Schnell rückte Jonas’ Skateboard als potenzielle Handyladestation ins Blickfeld der 14-Jährigen. Die technische Seite war mit einem Fahrraddynamo, der an den Rollen anliegt, und einem Stromrichter, der den Wechselstrom in einen Gleichstrom von sechs Volt umwandelt, schnell gelöst. Mehr Kopfzerbrechen bereitete den Forschern eine praxistaugliche Befestigung. „Wir können Skatern ja nicht zumuten, Löcher in ihre Decks zu bohren. Schließlich haben wir Klettverschlüsse entdeckt. Die sind klasse: richtig fest und stabil“, erzählen Moosavi und Kühner.

Dynamo, Stromrichter, Kabel, Handy – alles hängt wie eine Klette an der Unterseite des Boards. Das Vertrauen der beiden in den festen Halt war so groß, dass Jonas Moosavi für eine energiegeladene Testfahrt sogar sein eigenes Handy einsetzte. Und ? „Nach einer halben Stunde war die Akku-Ladung ein Prozent höher“, berichtet er. Das Prinzip funktioniert also. Der Skater sollte allerdings eine ordentliche Kondition mitbringen, aber dafür muss er nicht schnell sein. „Ein Tempo zwischen fünf und 20 km/h verbessert die Effizienz nicht. Für eine volle Ladung müsste man 20 Stunden unterwegs sein. Der Dynamo hat halt nur einen Wirkungsgrad von 20 Prozent“, erklären die Tüftler. Nicht gerechnet hatte das Duo dagegen damit, dass die Jury ihre Arbeit – für die es auch den Sonderpreis „Umwelttechnik“ gibt – mit dem ersten Platz in der Kategorie Technik auszeichnet. „Die Ästhetik ist bei uns nicht so klasse. Hier gibt es viele tolle Sachen“, würdigten sie ihre Mitbewerber. Allerdings bedeute der Erfolg auch Hausaufgaben für die Gymnasiasten. Die Sieger haben sich in der Juniorsparte „Schüler experimentieren“ für Teilnehmer bis 14 Jahre automatisch für den Landeswettbewerb qualifiziert, der vom 14. bis 15. April in Balingen stattfindet. Um dort zu bestehen, ist noch Entwicklungsarbeit gefragt.

Intelligenter Bewegungsmelder
leuchtet zum richtigen Zeitpunkt

Das Thema Energie hat auch Fabian Klotz aus Maulbronn, Benjamin Stamm aus Straubenhardt und Jonas Burkard aus Pforzheim bewegt. Wenn Bewegungsmelder nur zum richtigen Zeitpunkt aufleuchten, könnte das viel Energie sparen, hofften die Gymnasiasten. Dafür statteten sie einen Bewegungsmelder mit zusätzlichen Ultraschallsensoren aus, die laufend die Distanz zu einer Person messen. „Aus der Geraden zwischen zwei Messpunkten lässt sich die Richtung, in die jemand voraussichtlich läuft, berechnen“, erklären die 15-Jährigen ihre Idee. „Die Tür soll nurdann automatisch aufgehen, die Lampe soll sich nur dann anschalten, sobald jemand tatsächlich auf eine Tür zugeht.“ Der Videobeweis zeigt: An der Schranke der Märklin-Eisenbahn funktioniert das System. Dafür gingen die Tüftler bei „Jugend forscht“ mit einem Sonderpreis der IHK Nordschwarzwald nach Hause.

Schülerinnen lassen
Raumschiff verschwinden

Dass Ilka Bretschneider aus Mühlacker, Patricia Schweizer aus Pforzheim und Lara Fix aus Königsbach-Stein die TV-Serie Star Trek kennen und mögen, überrascht angesichts ihres Projektes nicht. Es ist dann mal weg. In der Serie verschwindet Captain Kirks Raumschiff auf Knopfdruck vom Bildschirm. Nur Science-Fiction ? Die 14- und 15-jährigen Forscherinnen haben versucht, den Traum der perfekten Tarnung mit Hilfe von Prismen, die das Licht reflektieren, wahr werden zu lassen. Sie haben die Dreiecke sternförmig um eine zehn Zentimeter große Enterprise angeordnet. Die Täuschung ist dabei eine Frage der Perspektive. Tatsächlich ist das Modell nur von oben zu erkennen. Auf Augenhöhe verschwindet der Gegenstand hinter dem Milchweiß der Prismenwand. Zwar haben die drei Mädchen einige Ideen, was sie immer schon gerne mal verschwinden lassen wollten, doch für den großen Einsatz ist die Technik zu teuer. „20 Prismen kosten 300 Euro. Das hätten wir nicht gedacht.“

So wird auch die Hoffnung eines Besuchers des Regionalwettbewerbs von Jugend forscht – „Könnte ich nur Müll verschwinden lassen“ – ein Wunschtraum bleiben. Das Team erhielt trotzdem den Sonderpreis „Zerstörungsfreie Prüfung“.

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