Serviceangebot mit Fallstricken

Mobilitätsgarantie des VPE wird kaum in Anspruch genommen – Stadtbahnen oft unpünktlich

Von Ramona Deeg Erstellt: 7. Juni 2017, 00:00 Uhr
Serviceangebot mit Fallstricken Kommt ein Bus massiv zu spät oder fällt aus, gibt es unter Umständen einen Taxi-Zuschuss durch die Mobilitätsgarantie – doch diese wird nur selten genutzt. Foto: Hansen

Mühlacker/Enzkreis. Am Anfang waren die Bedenken groß: Was kommt da auf uns zu? Was wird uns das kosten? Hinzu kam das Wissen, dass man nach Einführung der Mobilitätsgarantie keinen Rückzieher mehr machen kann, denn dann würde man den Kundenservice ja wieder verschlechtern – und das wäre nur schwer erklärbar. Inzwischen gibt es die Mobilitätsgarantie im Verkehrsverbund Pforzheim/Enzkreis (VPE) seit mehreren Jahren. In Anspruch genommen wird sie allerdings nur selten – zwölf- bis 20-mal im Jahr, wie VPE-Chef Axel Hofsäß sagt. Oder noch genauer: 78 Fälle seit 2010. Diese Zahl geht aus einer CDU-Kreistagsanfrage an Landrat Karl Röckinger hervor.

Die geringen Zahlen führt Hofsäß unter anderem darauf zurück, dass es im Pforzheimer Stadtverkehr eine enge Taktung gibt. Sprich: „Wenn ein Bus ausfällt, kommt wenige Minuten später wieder einer.“ Auf den Regionalstrecken sieht das unter Umständen anders aus. „Aber dafür haben wir ja die Mobilitätsgarantie“, so Hofsäß. Diese sei keine „Geld-zurück“-Aktion, sondern ein „Wir bringen Sie ans Ende Ihrer Reisekette“-Versprechen. Dieses Versprechen gilt aber nur für die Besitzer einer Monats- oder Jahreskarte für Erwachsene. Wenn einer dieser Kunden 30 Minuten zu spät am Ziel ankommen würde, könnte er sich ein Taxi rufen und sich auf Antrag bis zu 50 Euro vom VPE erstatten lassen. Voraussetzung ist, dass keine höhere Gewalt – beispielsweise Unwetter, Bombendrohungen, Streik und Suizid – oder angekündigten Maßnahmen wie etwa Straßensperrungen Auslöser für die Verspätung oder den Ausfall des Busses waren. Hofsäß schätzt, dass der Stammkundenkreis, der potenziell Anspruch auf die Mobilitätsgarantie hätte, rund 40000 Personen umfasst.

Der VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb äußert sich auf Nachfrage unserer Zeitung skeptisch zur Mobilitätsgarantie: „Das hört sich zwar gut an, aber im Detail kennt der Fahrgast ja normalerweise nicht den Grund der Störung. Und wenn er dann ein Taxi nimmt, ist unsicher, ob der Verbund wirklich zahlt, denn es könnte ja ein Suizid gewesen sein.“ Lieb folgert daraus, dass viele Fahrgäste, sofern sie überhaupt von diesem Kundenrecht wissen, die Inanspruchnahme scheuen.

Zudem sieht Lieb ein weiteres Problem: Auf weiteren Strecken – etwa nach Bad Wildbad – fährt die Stadtbahn einmal in der Stunde. Wenn man diese aufgrund einer Bus- oder Bahnverspätung verpasst und die Taxi-Regelung in Anspruch nimmt, wird der volle Fahrtpreis nicht erstattet. Denn das Taxi sei teurer als die maximale Erstattung. „Insofern stellt sich die Frage, ob die Mobilitätsgarantie wirklich dem Fahrgast nützt oder ob es nur eine Garantie auf dem Papier ist“, so Lieb.

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) hat seine Mobilitätsgarantie vor wenigen Wochen ausgeweitet. „Der KVV erstattet neuerdings pauschal 1,50 Euro bei einer Verspätung von mehr als 30 Minuten und bezieht bei Ausfall der letzten Verbindung des Betriebstages auch Einzelfahrscheine und Tageskarten ein“, heißt es in der CDU-Mitteilung. Eine solche pauschale Erstattung kann sich Hofsäß nicht vorstellen: „Ich frage mich, wo da der Kundennutzen ist.“ Schließlich müsste man für diese Erstattung ein Formular ausfüllen und dann vier bis fünf Tage warten, bis man das Geld zurückerstattet bekommt. Aus Sicht des Verkehrsverbundes müsste dann noch ein Mitarbeiter überprüfen, ob der Ausfall tatsächlich einen erstattungsfähigen Grund gehabt habe. „Nehmen wir Mühlacker: Da kostet ein Ticket 1,30 Euro“, so Hofsäß, „dann kann ich nicht 1,50 Euro erstatten.“ Und wegen einer Erstattung von eventuell maximal 80 Cent würde wohl kein Kunde den Weg zum Kundenservice auf sich nehmen.

Landrat Röckinger erklärte in seiner Antwort an die CDU zudem, dass ein Großteil der Beschwerden – rund 59 Prozent –, die den VPE erreichen, auf die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft zurückzuführen sei. Leider sei es ihr bisher nicht gelungen, die Pünktlichkeit ihrer Stadtbahnen so zu verbessern, dass ihr Beschwerdeanteil an den Gesamtbeschwerden im Verkehrsverbund Pforzheim/Enzkreis geringer würde. Der Landrat weiter: „Der VPE wird dessen ungeachtet weiterhin sein Augenmerk auf eine hohe Pünktlichkeit richten und bei Bedarf die Mobilitätsgarantie anpassen.“

Ramona Deeg

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