Seltene Krankheit trifft Kindergarten

Fünfjähriges Mädchen in Wiernsheim leidet an einer Meningokokken-Infektion – Gesundheitsamt informiert bei Elternabend

Erstellt: 31. Januar 2018, 00:00 Uhr

Eine Meningokokken-Infektion, die bei einem fünfjährigen Mädchen festgestellt wurde, sorgt im Wiernsheimer Kindergarten „Regenbogen“ für Aufregung. Das Gesundheitsamt, heißt es in einer Mitteilung, habe rasch reagiert.

Wiernsheim/Enzkreis (pm). Das Kind, meldete am Dienstag die Pforzheimer Behörde, sei an einer schweren Meningokokken-Infektion erkrankt. Um die Gefahr weiterer Erkrankungen zu minimieren, habe das Gesundheitsamt alle Eltern und Beschäftigten der Einrichtung über die präventive Behandlung der Kinder und Erzieherinnen mit einem Antibiotikum informiert. Auf diese Weise sollten weitere Erkrankungen im engen Umfeld und bei nahen Kontaktpersonen – also Ansteckung und Ausbreitung – verhindert werden.

Der Wiernsheimer Kindergarten war am Dienstag zwar geöffnet, doch viele Eltern hatten vorsorglich ihre Kinder zu Hause behalten oder den Tag für Arztbesuche genutzt. „Es sind nur wenige Kinder da“, berichtete auf Nachfrage Martina Lehner, die Leiterin des evangelischen Kindergartens, den normalerweise in vier Regelgruppen an die 100 Kinder besuchen. Im Laufe der Woche, hoffte die erfahrene Erzieherin, die in ihren 30 Jahren im Dienst noch keinen ähnlichen Fall erlebt hat, werde sich der Betrieb mutmaßlich wieder normalisieren. Für Dienstagabend hatten das Gesundheitsamt und der Kindergarten kurzfristig zu einem Elternabend eingeladen, um über die Hintergründe und Folgen der Infektion zu informieren.

Meningokokken sind laut Gesundheitsamt Bakterien, die weit verbreitet sind; nahezu jeder dritte Mensch habe sie im Nasen-Rachen-Raum. Allerdings führten sie nur in sehr seltenen Fällen zu einer Erkrankung, teilte die Behörde mit. Übertragen werden Meningokokken meist als sogenannte Tröpfcheninfektion, sie gelangen beim Sprechen, Husten oder Niesen in kleinsten Speichel-Tröpfchen in die Luft und können eingeatmet werden. Da sie außerhalb des Körpers schnell absterben, sei für eine Ansteckung normalerweise ein sehr enger Kontakt notwendig, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsamts.

Meningokokken könnten eine eitrige Hirnhautentzündung verursachen, die sogenannte Meningitis, in sehr seltenen Fällen auch eine Blutvergiftung. „In Deutschland kommen Meningokokken-Erkrankungen glücklicherweise ausgesprochen selten vor, es gibt jährlich nur etwa fünf Fälle auf eine Million Menschen, meist in den Wintermonaten“, sagt Facharzt Dr. Michael Junius vom Gesundheitsamt. Warum nur ganz wenige einzelne Personen erkranken und andere nicht, sei nicht bekannt.

Auf eine Meningokokken-Hirnhautentzündung können Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Lichtempfindlichkeit und eine getrübte Bewusstseinslage hindeuten. „Ein typisches Zeichen ist die schmerzhafte Nackensteifigkeit, oft kombiniert mit morgendlichem Erbrechen oder Zeichen eines Kreislaufversagens“, erklärt Fachärztin Angelika Edwards. Bei der Meningokokken-Blutvergiftung würden die Bakterien in den gesamten Körper ausgeschwemmt, dadurch werde die Blutgerinnung gestört. Punktförmige oder flächige Einblutungen auf der Haut und den Schleimhäuten könnten auf eine solche Erkrankung hindeuten.

„Bei Erkrankung auf jeden Fall zum Arzt gehen“, rät Angelika Edwards. Es sei möglich, sich gegen Meningokokken Typ C impfen zu lassen, was von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut auch empfohlen werde. „Allerdings ist der Bakterientyp, der die akute Erkrankung bei der Fünfjährigen verursacht hat, noch nicht bekannt“, so Edwards. Eine schnelle und rasch durchgeführte Antibiotikagabe könne jedoch Schlimmeres verhindern.

Für weitere Fragen steht das Gesundheitsamt zudem unter Telefon 07231/308-9732 oder per E-Mail an Gesundheitsamt@enzkreis.de zur Verfügung.

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