Paukenschlag beim Paulus-Prozess

30-jähriger Italiener beschuldigt 42-jährigen Mitangeklagten, den Büchsenmacher Simon Paulus getötet zu haben

Von Ekart Kinkel Erstellt: 13. Juli 2019, 00:00 Uhr

Karlsruhe/Enzkreis. Es war der Paukenschlag vor der vierwöchigen Sommerpause im Mordprozess Simon Paulus: In einer kurzfristigen und für zahlreiche Verfahrensbeteiligten überraschenden Einlassung hat der 30-jährige Hauptangeklagte behauptet, dass nicht er, sondern der 42-jährige Mitangeklagte den 50-jährigen Büchsenmacher Simon Paulus in den Abendstunden des 29. August durch mehrere Faustschläge und Fußtritte ins Gesicht getötet habe. „Wie genau er ihn umgebracht hat, habe ich wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht gesehen“, sagte der 30-Jährige am Freitagnachmittag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe. Allerdings glaube er nicht, dass der 42-jährige Kampfsportlehrer ein Mörder sei. Höchstwahrscheinlich habe er Simon Paulus dank seiner Erfahrung in diversen Kampfsportarten mit wenigen gezielten Schlägen kampfunfähig gemacht und aus Versehen getötet.

Laut der Einlassung des Hauptangeklagten wollte der 42-Jährige am Tatabend einige Waffen von Simon Paulus kaufen. Weil er sowohl den Kampfsportlehrer als auch den Büchsenmacher schon länger kannte, habe er den Deal eingefädelt und den 42-Jährigen zu seinem ehemaligen Wohnungsnachbarn in den Birkenfelder Ortsteil Gräfenhausen gebracht. Zunächst einmal hätten die drei Männer die Waffen begutachtet und verpackt. Nachdem der 42-Jährige dann aber gesagt habe, dass er die Waffen erst nach einer eingehenden Prüfung bezahlen könne, sei Simon Paulus verärgert gewesen. „Erst ist die Diskussion immer wütender geworden, und dann gab es einen Faustkampf und eine Rangelei“, beschrieb der 30-Jährige seine Sicht der Dinge.

Als er auf die Terrasse trat, sei Simon Paulus schon leblos auf dem Boden gelegen. Der 42-Jährige habe ihn daraufhin überredet, den Leichnam in Malerfolie einzuwickeln und anschließend in den Kofferraum seines Autos zu verfrachten. „Ich war mit der Situation komplett überfordert“, sagte der 30-Jährige. Und erst als er den 42-Jährigen nach Hause gebracht habe, sei ihm allmählich klar geworden, dass er eine Leiche im Kofferraum seines eigenen Autos liegen habe und das Problem nun alleine lösen müsse.

Also habe er sein Abendprogramm wie geplant weitergeführt, seinen 27-jährigen Bekannten besucht und diesen nach und nach zur Mithilfe bei der Beseitigung der Leiche gebeten. Anschließend seien die beiden Männer in ein Waldstück gefahren, hätten gemeinsam ein Loch gegraben und die Leiche hineingelegt. „Irgendwann wurde mir klar, dass meine Spuren fast überall gefunden werden können“, sagte der 30-Jährige. Deshalb habe er sein Auto auch nach Italien gebracht und dort verkauft.

In den Wochen nach der Tat habe er sich immer wieder mit dem 42-Jährigen über die Ermittlungen im Mordfall Simon Paulus unterhalten. „Ich habe nichts getan, was mit dem Tod von Simon Paulus zu tun haben könnte“, sagte der 30-jährige Italiener. Dass die Mitangeklagten unter dem Ermittlungsdruck teilweise gelogen hätten, könne er zwar sehr gut nachvollziehen, betonte er, aber dabei hätten sie ihm zu Unrecht die alleinige Schuld am Tod von Simon Paulus in die Schuhe geschoben.

Der Prozess wird am 12. August um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Karlsruhe fortgesetzt.

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