Mehr Einbrüche im Enzkreis

2015 gab es durchschnittlich einen Fall am Tag – Aufklärungsquote liegt bei 16,5 Prozent

Von Thomas Sadler Erstellt: 30. Januar 2016, 00:02 Uhr
Mehr Einbrüche im Enzkreis Aufgebrochener Safe – ein Tatortfoto aus dem Fundus des Polizeireviers Mühlacker. Foto: privat

Enzkreis/Pforzheim. Organisierte Einbrecherbanden verunsichern nach wie vor viele Menschen. Während die Zahl der Einbrüche in Wohnungen im vergangenen Jahr in Pforzheim gesunken ist, hat sie im Enzkreis zugenommen. Dies teilte das Polizeipräsidium Karlsruhe am Freitag mit.

Insgesamt sei es im gesamten Zuständigkeitsbereich des Präsidiums – Stadt- und Landkreis Karlsruhe, Pforzheim, Enzkreis und Landkreis Calw – gelungen, diese Art von Kriminalität einzudämmen und die Fallzahlen um 16,2 Prozent zu reduzieren, sagte Polizeipräsident Günther Freisleben. Ein Grund für diesen positiven Trend sei die Verstärkung der Präsenz-, Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen mit der Unterstützung des Polizeipräsidiums Einsatz.
In Pforzheim hat die Polizei 2015 insgesamt 207 Einbrüche in Wohnungen registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 403, was einen Rückgang von 48,6 Prozent bedeutet. 30 Tatverdächtige ermittelten die Fahnder. Die Aufklärungsquote beträgt 24,2 Prozent.

Im Enzkreis sieht die Entwicklung nicht so erfreulich aus. Hier schlugen Einbrecher 2015 genau 363-mal zu, deutlich öfter als 2014 (347 Fälle). Das ist ein Plus von 4,6 Prozent. Die Aufklärungsquote stieg um 5,3 Prozentpunkte auf 16,5 Prozent. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen – 20 wurden ermittelt – lag bei 60 Prozent (2014: 90,3 Prozent).

In der Stadt Mühlacker seien 17,8 Prozent der Einbrüche aufgeklärt worden, berichtet Karlheinz Lachstädter, Leiter des Senderstädter Polizeireviers, für das, einschließlich der dazugehörenden Posten, rund 80 Beamte tätig sind. Leider seien zwischen Januar und November vergangenen Jahres mit 45 Taten zwölf Einbrüche mehr festgestellt worden als 2014. Weitere Zahlen lägen noch nicht vor; die Auswertung für den gesamten Revierbereich laufe noch. „Wir schicken zu jedem Wohnungseinbruchsdiebstahl die Kriminaltechnik, wodurch sich die Qualität der Spurensicherung erhöht“, weist Lachstädter auf die forcierten Anstrengungen der Ermittler hin. Zudem seien Polizeistreifen mobil und zu Fuß verstärkt in gefährdeten Bereichen wie Wohngebieten unterwegs.

Unter den mutmaßlichen Tätern – statistisch gesehen agieren sie vor allem donnerstags, freitags und samstags zwischen 16 und 21 Uhr – befinden sich auch Georgier und Männer aus Balkanstaaten. Dass viele von ihnen nicht oder erst nach Jahren geschnappt werden, liege daran, dass die Einbrecher aus dem Ausland anreisen und nach der Tat sofort wieder verschwinden. Warum ist der Enzkreis derzeit gefährdeter als eine Großstadt wie Pforzheim ? Für Lachstädter ist das kein Mysterium. Da der Enzkreis viel größer sei als Pforzheim – allein der Revierbereich umfasst 40 mal 20 Kilometer – , sei das Risiko für Einbrecher, entdeckt zu werden, geringer. Hinzu gebe es im Landkreis mehrere willkommene, die Flucht erleichternde Autobahnanschlüsse. Und zudem, nennt er einen anderen Grund, fänden die Täter auf dem Land mehr alleinstehende Häuser vor, die einladend wirken. Vor allem dann, wenn die Bewohner leichtsinnig sind. Verbreitete Fehler: Schlüssel im Haustürschloss stecken lassen, unbeleuchtete Häuser in der dunklen Jahreszeit (sinnvoll sind Zeitschaltuhren), nicht abgeschlossene Garagentore und gekippte Fenster.

Die Befürchtung, wegen des Zustroms der Flüchtlinge explodiere die Zahl der Einbrüche, bestätigt Karlheinz Lachstädter nicht. Der Anteil der Flüchtlinge sei „nicht überproportional“. Allerdings „ist mit einem Anstieg der Asylbewerberzahl auch mit einem leichten Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen zu rechnen“. Zum Leidwesen der überwiegend ehrlichen Fremden gäben sich manche bandenmäßig strukturierte Einbrecher, zum Beispiel aus Georgien, als Asylbewerber aus, um unter diesem Deckmantel Straftaten zu begehen. Dies treffe freilich nicht nur für den Enzkreis zu, so Revierleiter Lachstädter, der sogleich hinzufügt, dass die Polizei über die Masche Bescheid wisse: „Wir haben das im Blick.“

Mit dem bereits umgesetzten „ganzheitlichen Ansatz“ der Polizei im Kampf gegen die Einbruchskriminalität solle erreicht werden, dass auch in den Landkreisen – im Kreis Calw stieg die Zahl der Fälle um 26,2 Prozent – weniger passiert, so Polizeipräsident Freisleben.

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