Klinik kämpft um jede Pflegekraft

Neue gesetzliche Anforderungen machen die Rahmenbedingungen für Krankenhaus-Holding nicht unbedingt einfacher

Von Frank Goertz Erstellt: 10. Januar 2019, 00:00 Uhr

Neben den Plänen für einen Gesundheitscampus am Krankenhaus Mühlacker, der Neuorganisation der Notaufnahme, dem Umbau des Kreißsaals und der Erweiterung der Kurzliegerstation beschäftigen die Verantwortlichen der Regionalen Kliniken-Holding vor allem auch Änderungen der gesetzlichen Vorgaben für das Pflegepersonal.

Enzkreis/Mühlacker (pm). „Die Pflege war bislang in den Fallpauschalen enthalten, jetzt wird sie durch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz ausgegliedert“, hat Professor Dr. Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionalen Klinikenholding, in dieser Woche bei einer Pressekonferenz erklärt. Grund: „Die Gelder, die in die Pflege fließen, sollen auch in der Pflege ankommen.“ Generell begrüße er diesen Ansatz.

Professor Dr. Martin macht jedoch darauf aufmerksam, dass nach den Vorgaben des neuen Gesetzes nur noch examinierte Pflegekräfte finanziert würden und gleichzeitig der Gesetzgeber Pflegepersonal-Untergrenzen vorschreibe – von einem Pfleger je 2,5 Patienten in der Tagschicht der Intensivmedizin bis einem Pfleger je 24 Patienten in der Nachtschicht der Kardiologie. Die große Aufgabe der Kliniken sei es, diese Standards künftig einzuhalten.

„Ab 2020 soll für jedes Krankenhaus das Verhältnis zwischen der Zahl der Pflegekräfte und dem anfallenden Pflegeaufwand errechnet und veröffentlicht werden. Unterschreitet ein Krankenhaus eine bestimmte Personalgrenze, drohen Honorarkürzungen“, teilt der AOK-Bundesverband auf seiner Internetseite mit.

„In Deutschland sind 60000 Pflegestellen offen“, macht Professor Dr. Martin gleichzeitig auf eine Lücke zwischen dem Anspruch des Gesetzgebers und der gesellschaftlichen Realität aufmerksam. Was die Enzkreis-Kliniken betreffe, sei die Personalsituation jedoch ausreichend. Wenngleich Professor Dr. Martin auch zugeben muss, dass bei besonderen Situationen, etwa einem schweren Zugunfall in der Region, die Zahlen, die der Gesetzgeber vorschreibt, nicht eingehalten werden könnten. „Wir müssten die Leute dann abweisen“, sagt der Mediziner, macht aber gleichzeitig deutlich, dass in Ausnahmefällen die Gesundheit der Patienten vorgehe.“ Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung.

Wobei die Enzkreis-Kliniken selbst nichts unversucht ließen, dem Pflegenotstand entgegenzusteuern. So seien vor einigen Jahren qualifizierte Pflegekräfte aus Spanien angeheuert worden. „Dieses Modell hat sich nicht bewährt“, zieht Professor Dr. Martin einer ernüchternde Bilanz. „Von den 25 Pflegekräften sind 24 wieder in Spanien, und eine ist im Mutterschutz.“ Bleibt noch der Weg, selbst auszubilden. „Wir starten jedes Jahr zwei Ausbildungsgänge zum Gesundheits- und Krankenpfleger mit zehn bis zwölf Plätzen“, berichtet Dominik Nusser, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken. „Insgesamt haben wir 60 Auszubildende in diesem Bereich.“

In diesem Zusammenhang macht Rolf Leo, Fraktionschef der Freien Wähler in Mühlacker und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Enzkreis-Kliniken, darauf aufmerksam, dass auf dem neuen Gesundheitscampus an der Klinik in Mühlacker auch bezahlbarer Wohnraum für Pflegeauszubildende geschaffen werden sollte. „Das ist ein Anreiz, sich für die Enzkreis-Kliniken zu entscheiden, der nicht zu vernachlässigen ist“, weiß Leo, dass aktuell die Kliniken um jeden Auszubildenden kämpfen müssen. Deutschlandweit sind zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt.

An den Enzkreis-Kliniken gesellen sich zu den 60 Ausbildungsplätzen für Gesundheits- und Krankenpfleger noch zehn Plätze für eine verkürzte Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. Diese Kräfte sollen die examinierten Pflegekräfte unterstützen und ihnen bestimmte Basisausgaben abnehmen. Wie Professor Dr. Martin erklärt, könnten mit diesen Stellen aber nicht die vorgeschriebenen Pflegepersonaluntergrenzen erfüllt werden, weil die Krankenpflegehelfer nicht als examinierte Pflegekräfte zählen. Gleichzeitig werde der Pflegezuschlag von bundesweit 500 Millionen Euro für die Förderung solcher „einfachen“ Pflegestellen ab 2020 auf 200 Millionen Euro abgeschmolzen. Für die Regionale Kliniken-Holding bedeute dass, dass sie ab 2020 aus diesem Topf nur noch 1,2 Millionen Euro statt wie bisher etwas über knapp drei Millionen Euro erhalte.

Dennoch könnte der Ausbildungsgang zum Krankenpflegehelfer einen Beitrag gegen den Pflegenotstand leisten, weil die Pflegeassistenten eine Weiterbildung zur examinierten Pflegekraft anschließen können. Und damit soll künftig noch lange nicht Schluss sein. Professor Dr. Martin schwebt auch eine Akademisierung der Pflege vor, mit dem das Berufsbild attraktiver gestaltet werden soll. Diese studierten Fachkräfte sollen später in einem Team eng mit den Ärzten zusammenarbeiten. Grundsätzlich soll der Qualifikationsmix in den Pflegeteams also noch größer werden. Wobei auch für die studierten Pflegekräfte gelte, dass der Schwerpunkt ihres Arbeitsplatzes am Bett der Patienten sei.

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