Gefährliche Fahrt zum Einsatzort

Fahrer von Rettungsfahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn müssen viele Regeln beachten – Sonderrechte und Sorgfaltspflichten

Von Frank Goertz Erstellt: 13. Februar 2018, 00:00 Uhr
Gefährliche Fahrt zum Einsatzort Glimpflich ist der Unfall auf der B10 ausgegangen, bei dem am Freitagabend ein Feuerwehrauto, das mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg zu einem Einsatz war, mit einem Pkw zusammengestoßen ist. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt – und bei derartigen Zusammenstößen oft besonders knifflig. Foto: Fotomoment

Ein Feuerwehrauto ist am Freitagabend während einer Einsatzfahrt mit Blaulicht und Martinshorn auf der B10 zwischen Mühlacker und Illingen mit einem Pkw zusammengestoßen (MT berichtete). Ein Einzelfall, der zeigt, wie gefährlich solche Fahrten sein können und wie knifflig sie für die Fahrer sind.

Mühlacker/Enzkreis. Detaillierte Statistiken über Unfälle bei Blaulichtfahrten führt die Polizei nicht, allerdings spricht der ADAC davon, dass das Risiko, in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt zu werden, bei Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn fast viermal so hoch sei wie bei üblichen Fahrten. Sogar 17-mal so hoch soll das Risiko sein, in einen Unfall verwickelt zu werden, der „nur“ mit einem Blechschaden endet. „Diese Risikoabschätzung scheint mir realistisch zu sein“, sagt Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehr im Polizeipräsidium Karlsruhe.

Der Unfall, an dem die Feuerwehr Mühlacker am Freitag beteiligt war, ist noch vergleichsweise glimpflich ausgegangen. Die Polizei schätzt den Blechschaden auf 10000 Euro. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Sowohl der Feuerwehrmann als auch der Unfallgegner geben an, die Ampel an der Kreuzung B10 mit der Kreisstraße aus Richtung Mühlhausen sei für sie grün gewesen.

Unter dem Strich war der Unfall für alle Beteiligten trotzdem nur ein ärgerlicher Bagatellfall. Nicht immer enden solche Kollisionen vergleichsweise harmlos. So hat zum Beispiel im Oktober ein Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Streifenwagen in Teltow (Brandenburg) zwei Menschenleben gekostet. Ein 70-jähriger Autofahrer und seine 60-jährige Begleiterin starben noch auf der Kreuzung, auf der sie mit einem Streifenwagen zusammengestoßen waren, der als Verstärkung zu einer Rangelei mit einem Betrunkenen angefordert worden war, der bereits drei Polizisten verletzt hatte. Die beiden Beamten, 24 und 26 Jahre alt, im Streifenwagen kamen allerdings nicht am Einsatzort an. Sie mussten nach dem tragischen Unfall mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

„Fahrer von Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn sind immer einem ganz besonderen Risiko ausgesetzt“, sagt Zwirner. „Sie haben zwar Sonderrechte und dürfen auch bei Rot über eine Ampel fahren, aber ganz so einfach wie in US-amerikanischen Krimis ist die Rechtslage dann doch nicht. Martinshorn und Blaulicht sind auch kein Freifahrschein für wilde Raserei. Wenn es kracht, bleibt am Ende meistens was am Fahrer hängen, und er bekommt eine Mitschuld am Unfall.“

Die Rechtsprechung verlangt nämlich, dass die Fahrer von Einsatzfahrzeugen sich davon überzeugen müssen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer ihr Martinshorn und ihr Blaulicht wahrgenommen haben. „Deshalb dürfen sie nicht einfach blindlings bei Rot über eine Kreuzung rasen, sondern müssen sich langsam in den Kreuzungsbereich tasten und im Idealfall auch noch Sichtkontakt zu den anderen Verkehrsteilnehmern aufnehmen – was bei Dunkelheit natürlich alles andere als einfach ist“, so Zwirner. „Bei einem Streit oder einem Gerichtsverfahren nach einem Unfall gilt die Beweislastumkehr. Nicht der Unfallgegner muss dem Fahrer einen Fehler nachweisen, sondern der Fahrer des Einsatzfahrzeugs muss beweisen, dass er alles richtig gemacht hat.“

Andererseits, so Zwirner, mache die Straßenverkehrsordnung auch klare Angaben darüber, wie sich andere Verkehrsteilnehmer zu verhalten haben, wenn sich ihnen ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn nähert. „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“, zitiert Zwirner Paragraf 38 der Straßenverkehrsordnung. „Damit haben manche Autofahrer ihre Schwierigkeiten, etwa, wenn sie eine Rettungsgasse auf der Autobahn bilden sollen“, bedauert der Leiter des Referats Verkehr im Polizeipräsidium Karlsruhe. Überhaupt seien Blaulichteinsätze auf der Autobahn nicht so ganz ohne. „Es kommt immer wieder vor, dass Autofahrer aus Unaufmerksamkeit in einen Streifenwagen rasen, der mit Blaulicht eine Unfallstelle absichert“, berichtet Zwirner, dass seine Kollegen hier ganz besonderen Risiken ausgesetzt seien.

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