Die Narren sind los!

Musik, Tanz und Gesang: Faschingsverrückte feiern in verschiedenen Gemeinden bis in die Morgenstunden

Von Volker Henkel, Ulrike Stahlfeld und Lukas Huber Erstellt: 4. März 2019, 00:02 Uhr
Die Narren sind los! Die Suttgarter Partyband „VIP’s“ heizt dem närrischen Publikum in der Enzberger Turn- und Festhalle des Mühlacker Stadtteils ordentlich ein.Fotos: Fotomoment (4), Stahlfeld (2), Huber.

Noch bis Dienstag regieren die Narren das Geschehen, ehe die fünfte Jahreszeit am Aschermittwoch vorbei ist. Am Wochenende war im Raum Mühlacker für Faschingsverrückte einiges geboten.

Enzkreis. „Schella Hopp, Schella Hopp, Schella Hopp, Hopp, Hopp!“ Aus über 400 Kehlen erklang am Samstagabend der Narrenruf des Frohen Faschingsclubs (FFC) Gerlingen durch die Kreuzbach-Halle in Iptingen. Die 26. Auflage der Prunksitzung war einmal mehr ausverkauft. Wer hätte das im Jahr 1994 geahnt, dass der Wiernsheimer Ortsteil eines Tages eine der Faschingshochburgen der Region sein würde. Damals hatte Siggi Mayer als Mitglied des SVI und FFC-Mitglied die Fasnet quasi auf die Platte gebracht.

2018 hat Mayer die Präsidentschaft an Udo Dölker abgegeben. Als Ehrenpräsident war er aber auch in diesem Jahr weiter tatkräftig in Amt und Würden. Der neue FFC-Chef durfte nahtlos an die Erfolgsgeschichte der Prunksitzung anknüpfen, rund 250 Aktive gestalteten ein närrisches Programm. Dabei war für einige der Gruppen Iptingen „nur“ eine Zwischenstation. Sie kamen vom Faschingsumzug in Waiblingen und verabschiedeten sich, nachdem sie mächtig auf die Pauke gehauen hatten, zur Sitzung nach Markgröningen. Zu den Stammgästen in Iptingen gehören die „Hochdorfer Fleggafetzer“. Sie brachten die Narren mit dem Welthit „The Lion Sleeps Tonight“ in Fahrt.

Auf die Prinzengarde des FFC folgten die Zumba-Tänzerinnen des SV Iptingen. Selbst die aktiven Kicker hatten einen Tanz vorbereitet. Mit einem Männerballett präsentierten sich die FFC-Dancers, zu denen auch der neue Präsident gehört. Dölker lebt in Reutlingen und arbeitet im Staatsministerium Baden-Württemberg. Er feiere Fasching, um den Kopf frei zu bekommen, sagte der Verwaltungsbeamte, der am Samstagabend als Vogelscheuche verkleidet war. Hübscher war da schon die diesjährige Prinzessin Jessi I. von Hohenstein anzusehen. Jessica Oertel ist Studentin in Hohenheim und trainiert die Garde und die Solisten. Als Solotänzerinnen waren unter anderem die Mariechen Cynthia Steiner und Sophie Hanelt zu bewundern. Außerdem hatten sich unter anderem die Waldhufenstromer aus Schömberg, die Gacho Grächzer aus Gechingen, die Staufer Funken von der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft und „D’Hoamerdenger Narra Obacha“ angekündigt. Doch nicht nur auf der Bühne war einiges geboten. Auch die Gäste hatten sich in närrische Schale geworfen. Kerstin Falz und Thomas Lämmle etwa hatten die Erneuerung der Brücke über den Kreuzbach und die damit verbundene Sperrung närrisch aufgriffen.

In Enzberg ließ zur gleichen Zeit die Suttgarter Partyband „VIP’s“ dem Publikum mit Pop- und Rocksongs, Schlagern und immer wieder Faschings-Hits keine Pause. „Walking on sunshine“ von Katrina & the Waves war eine der vielen Hymnen, die bei der Party des örtlichen Musikvereins den Saal zum Kochen brachten. Wie im Sonnenschein mussten sich die rund 550 Besucher in der ausverkauften Turn- und Festhalle gefühlt haben, die sich immer dicht vor der Bühne aufhielten. „Ich tanze den ganzen Abend“, sagte Maribel Hölzle, die mit Freundinnen gekommen war. Gemeinsam genossen sie sichtlich die gute Laune bei der Veranstaltung.

Stephan Pfau an der Kasse außerhalb der Festhalle bekam davon nicht so viel mit. „Alles ist gut“, meinte er trotzdem. Jeder Besucher sei mit guter Laune gekommen. „Wenn alle so gut drauf sind, da kann ich auch nur in Feierlaune sein“.

Lisa Rudolf, die in ein leichtes blaues Kleid gehüllt war, war in den letzten Jahren immer zur Faschingsparty des Vereins Turnkraftwerk nach Lomersheim gegangen. Weil es die Veranstaltung nun aber nicht mehr gibt, sei die Frage nach der Alternative schnell beantwortet gewesen, berichtete sie. Denn von der Feier des MV Enzberg habe sie nur Gutes gehört.

„Zicke, Zacke“ – mit diesen Worten startete Gerry Trecha, Sänger von den Tops, beim Faschingsball des FV Knittlingen in den Abend. Und postwendend erhielt er vom Publikum in der Festhalle ein lautes und überzeugendes „ei ei ei“ zurück.

Susanne Fuchs aus Pforzheim war eine der vielen tanzlustigen Besucher des Balls. Sie hatte keine Zweifel, dass in der Goldstadt ordentlich Fasching gefeiert wird., „aber da spielen nicht die Tops“. Sie hatte sich für diesen Abend ihr eigenes Kostüm gemacht. An ein schwarzes Hemd ihres Mannes waren viele Goldstreifen genäht. Bleiben wollte sie bis zum letzten Lied.

Während die Narren in der Fauststadt und in Enzberg tanzten, ging es im Vereinsheim des Musikvereins Illingen für die Gäste mehr darum, selbst für den guten Ton zu sorgen – beim Wirtshaussingen.

„Und jetzt Lied Nummer 45!“ Margarete Jung stand auf und hielt eine kleine Tafel in die Höhe, auf der sie die Zahl notiert hatte. Und schon begann das große Blättern im Liederbuch. Kurze Zeit später stimmen 120 Sänger das Lied vom Mädchen Marina an. „Bei Tag und Nacht denk‘ ich an dich, Marina, Du kleine zauberhafte Ballerina“, erklang es inbrünstig aus 120 Kehlen, und schon ging es weiter zum nächsten Lied. „38“ stand dieses Mal auf der Tafel von Margarete Jung. Und auch diesen Schlager schienen alle zu kennen: „Aber dich gibt’s nur einmal für mich…“ sangen die Besucher dann voller Elan, unterstützt von den Musikern Helmut Scheytt, Ottmar Kurbel und Heinz Ade von „Top 3 live“, die nächste Liebeserklärung an ein unbekanntes Mädchen.

Die Idee für das Wirtshaussingen, das es in Illingen immer wieder gibt, hatte Jung, als sie vor sechs Jahren an einem Aschermittwoch selbst bei einem Wirtshaussingen im Raum Karlsruhe dabei war. „Ich singe wahnsinnig gern“, sagte die Illingerin, die die Veranstaltung kurzerhand in ihre Heimatgemeinde importierte. Mit Erfolg: Am Samstag waren längst nicht nur Menschen aus der Umgebung zu Gast, den Autokennzeichen vor der Türe zufolge waren auch welche aus dem Raum Karlsruhe, Heilbronn und Ludwigsburg gekommen.

Auch einige Kilometer weiter, im Ortsteil Schützingen, wurde gefeiert, genauer: im Vereinsheim des Turnvereins, der zum närrischen Tanz geladen hatte. Ein bestimmtes Motto sei dafür nicht notwendig, sagte der Vorsitzende Sigi Nonnenmann, der sich über die entspannte Atmosphäre freute und den Fasching in der Ortschaft gerne mehr etablieren würde. Ihm schwebe schon seit Jahren vor, einen Faschingsverein zu gründen, verriet er am Rande der Veranstaltung am Samstag. Allerdings sei die Idee bislang noch nicht ganz entwickelt – und es fehle noch an Mitstreitern.

Den Bürgersaal in Sternenfels brachte die Band Realusion zeitgleich bei der Sandhasenfasnet zum Kochen. Für die Musiker Susanne Füschel-Rupp und Oliver Rupp war die Veranstaltung ein Heimspiel. „Musik und Fasching, das geht gar nicht anders“, sagte Oliver Rupp. Er spielt den Bass, seine Frau singt. Für die Band sei es das Größte, wenn das Publikum mitmacht. – und noch mehr, wenn man die Feiernden kenne. Besucher Wolfgang hatte sich für die Sandhasenfasnet eine Perücke mit rosa Haaren vom Dachboden geholt. „Die hat meiner Tochter gehört“, meinte der Sternenfelser. Das Kostüm vom letzten Jahr habe nicht mehr gepasst.“

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