Der Auenhof in Neulingen: Ort zum Leben und Lernen für Behinderte

Der Auenhof bei Neulingen ist für Erwachsene mit kognitiver Einschränkung Arbeitsplatz und teilweise auch Wohnstätte.

Von Maren Recken Erstellt: 4. Januar 2017, 00:00 Uhr
Der Auenhof in Neulingen: Ort zum Leben und Lernen für Behinderte In der Vorbereitungsküche kümmern sich die Behinderten um das selbst angebaute Gemüse.

Neulingen. Ein Ort zum Leben und Arbeiten bietet der Auenhof am Rande von Neulingen vielen Menschen mit Behinderung. Die Einrichtung für Wiedereingliederungshilfe unterstützt beispielsweise diejenigen, deren Einschränkung ihnen nicht erlaubt, selbstständig zur Arbeit zu kommen.

„Diese Menschen haben hier ihren Lebens- und Sozialraum“, erklärt Stefan Finscher, Geschäftsführer des Auenhofs. Die vertraute Umgebung und der nur innerhalb des Geländes zurückzulegende Weg zum Arbeitsplatz ermöglichen den Leuten ein relativ selbstbestimmtes und selbstständiges Leben. Ohne Begleitung zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, bedeute für die meist Mitte Zwanzigjährigen eine Aufwertung ihrer Lebensqualität.

Verschrieben hat sich der Auenhof der Betreuung der Behinderten nach anthroposophischem Ansatz. Das sei etwa in den Werkstätten sichtbar, erklärt Finscher. Die Arbeitsprozesse seien so gestaltet, dass die Bewohner sie von Anfang bis Ende nachvollziehen könnten. In der Vorbereitungsküche zum Beispiel seien Mitarbeiter nicht nur dabei, wenn Gemüse gewaschen, geputzt und für den Verkauf verpackt werde. Sie könnten auch sehen und miterleben, wie es angebaut werde und wachse. „Aus diesen nachverfolgbaren Gesamtprozessen heraus entsteht ein Verantwortungsgefühl, das nicht künstlich beigebracht werden muss.“ So lernten die Menschen die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit.

Vier Werkstattbereiche gehören zum Auenhof. In der Wäscherei wird für Privat- und Geschäftskunden gewaschen und gebügelt. Im sogenannten Grünen Bereich wird unter anderem Gemüse biologisch-dynamisch angebaut. In der Vorbereitungsküche wird es dann gewaschen, geputzt und küchenfertig verpackt. Einer der Kunden der Vorbereitungsküche ist ein Bio-Caterer. Was in der Warmküche hergestellt wird, kommt aber auch auf den hauseigenen Mittagstisch des Auenhofs. 80 Essen bereiten die Behinderten dort täglich gemeinsam mit ihren Betreuern zu.

 

„Rührei aus 200 Bioeiern aus eigener Hühnerhaltung und Kohlrabigemüse stehen heute auf dem Speiseplan“, erklärt der gelernte Koch, Heilerziehungspfleger und Werkstattleiter Daniel Lorenz, während die von ihm betreuten Auenhof-Bewohner Kohlrabi in feine Streifen schneiden. Was dem einen routiniert von der Hand geht, schaffen andere nicht gleich auf Anhieb. Am Ende gelingt es aber jedem, die Kohlrabiknolle in Schnitze zu schneiden. In der Küche wird wie in den anderen Werkstätten das Vermitteln von Alltagsfähigkeiten in den Arbeitsablauf integriert.

Für Martina bedeutet dies heute, zählen zu üben. Konzentriert nimmt sie ein Ei nach dem anderen aus einer Kiste, zählt sie und legt sie in einen zweiten Behälter. So werden die Zahlen von eins bis 200 geübt. Auch wenn es manchmal etwas dauert, bis Martina auf die richtige Zahl kommt, oder dies ohne fremde Hilfe nicht schafft. Die Werkstätten werden als Zweckbetrieb geführt, das heißt, was in den Werkstätten erwirtschaftet wird, fließt den Behinderten wieder zu.

Neben den internen Werkstätten betreut der Auenhof auch Behinderte, die auf Außenarbeitsplätzen, beispielsweise in der Gastronomie oder der Dienstleistung, tätig sind. Und zu den vier Wohngruppen auf dem Gelände kommen dort gelegene Trainingswohnungen dazu. Dort können die Menschen mit geistiger Behinderung, die den Schritt in eine ambulant betreute Außenwohngruppe schaffen, lernen, allein zu wohnen – unter dem schützenden Dach des Auenhofs.

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