Böller, Brände und Betrunkene

Polizeipräsidium Pforzheim meldet 219 Einsätze in der Silvesternacht – Feuerwerkskörper richten vielerorts großen Schaden an

Von Frank Goertz Erstellt: 1. Januar 2020, 17:00 Uhr
Böller, Brände und Betrunkene 700000 Euro Schaden entstehen in der Silvesternacht bei einem Brand in Keltern. Foto: myro

Pforzheim/Enzkreis. Die erste Silvesternacht im neuen Zuständigkeitsbereich verlief nach Angaben des Polizeipräsidiums Pforzheim „weitestgehend ruhig“. Insgesamt seien in den acht Polizeirevieren 112 Polizisten im Einsatz gewesen, die 219 Einsätze zu bewältigen hatten.

Dabei hatten sie es kurz vor 1 Uhr in Ötisheim auf der Maulbronner Straße mit einem rabiaten 42-jährigen Mann aus Italien zu tun, der einen Polizisten leicht verletzte. Der Betrunkene sollte ursprünglich nach einem Sturz auf den Kopf durch Rettungskräfte des Roten Kreuzes versorgt werden. Hierbei verhielt er sich sofort aggressiv und trat um sich. Er verbrachte den Rest der Nacht im Polizeigewahrsam. Das neue Jahr beginnt für ihn mit einer Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Nach Angaben der Pressestelle des neuen Polizeipräsidiums wurden in der Silvesternacht, neben dem Widerstandsdelikt in Ötisheim, ein Raub, drei Diebstähle, vier Körperverletzungen und fünf Sachbeschädigungen angezeigt. Dazu kommen sechs Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz, in neun Fällen mussten die Beamten Platzverweise aussprechen und sich mit zehn Ruhestörungen beschäftigen.

In Pforzheim hatte die Polizei bereits am frühen Abend starke Präsenz gezeigt. Zwischen 23.30 Uhr und 0.30 Uhr versammelten sich rund 600 Menschen auf dem Leopoldplatz, der Großteil davon mit Migrationshintergrund.

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel wurde im Bereich des Leopoldplatzes ein 24-jähriger Deutscher aus einer Gruppe heraus mit Feuerwerkskörpern beworfen. Als er sich darüber beschwerte, gingen ihn drei Männer an, schlugen ihn und verletzten ihn leicht. Zwei Tatverdächtige, 19 und 23 Jahre alt, beide aus dem Irak, konnte die Polizei sofort festnehmen. Da sich der 23-Jährige auch auf der Polizeiwache aggressiv verhielt, durfte er über Nacht gleich in der Zelle bleiben, während der 19-Jährige nur einen Platzverweis für die Innenstadt erhielt.

Balkonbrände durch Feuerwerkskörper hielten kurz nach Mitternacht die Feuerwehr auf Trab. So setzte vermutlich eine Rakete Bastmatten und einen Kunstrasen auf dem Balkon eines Hauses an der Östlichen Karl-Friedrich-Straße in Brand. Die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen auf das Gebäude übergriffen.

Fast zur selben Zeit brannte es auf einem Balkon an der Bodelschwinghstraße, wo Böller Mobiliar entzündet haben. Die Bewohner waren nicht zu Hause. Auch hier konnte die Berufsfeuerwehr einen größeren Schaden verhindern.

Schwere Verletzungen an der linken Hand durch einen Böller erlitt um 0.30 Uhr ein 27-Jähriger in Remchingen-Wilferdingen. Die eingesetzten Polizisten des Reviers Neuenbürg übernahmen bis zum Eintreffen des Rettungswagens die erste Wundversorgung. Der Mann wurde mit einem Rettungshubschrauber zur weiteren Behandlung in eine Spezialklinik geflogen.

Zwei Mädchen im Alter von zehn und zwölf Jahren wurden auf der Oberen Rodstraße gegen 1.20 Uhr durch einen Böller ebenfalls an den Händen verletzt. Zwei unbekannte Männer hatten der Zehnjährigen einen bereits entzündeten Böller in die Hand gedrückt. Als ihre zwölfjährige Schwester zur Hilfe eilen und den Böller wegwerfen wollte, explodierte dieser. Beide Mädchen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden.

Vermutlich durch Feuerwerkskörper brannte um 0.57 Uhr eine Kehrmaschine an der Enzstraße in Neuenbürg völlig aus. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Der schlimmste Schaden in der Silvesternacht ereignete sich um 2 Uhr in Keltern-Weiler, wo aus bislang unbekannter Ursache eine Scheune in Brand geriet. Die Flammen griffen auf einen Transporter und das Wohnhaus über. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der Sachschaden soll mindestens 700000 Euro betragen. Die Freiwillige Feuerwehr Keltern sowie benachbarte Feuerwehren waren mit über 100 Mann vor Ort. Die Löscharbeiten zogen sich bis in die frühen Morgenstunden.

Frank Goertz

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