„Arbeit ist mehr als Broterwerb“

Minister Hubertus Heil spricht beim Neujahrsempfang der SPD in Pforzheim – Lob für Bundestagsabgeordnete Katja Mast

Von Stefan Friedrich Erstellt: 20. Januar 2020, 00:00 Uhr
„Arbeit ist mehr als Broterwerb“ SPD-Gruppenbild mit Dame (v.li.): Katja Mast, Bundestagsabgeordnete für Pforzheim und den Enzkreis, Paul Renner, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Enzkreis, Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, und Kreisrat Hans Vester. Foto: Harry Rubner

Über Arbeit als Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt hat Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, am Samstag im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim gesprochen. Er war zu Gast beim Neujahrsempfang der SPD. Es war der einzige, den er in Baden-Württemberg besucht hat, herzliche Worte für seine Parteifreundin und Bundestagsabgeordnete Katja Mast inklusive.

Pforzheim/Enzkreis. Noch nie sind so viele Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs beschäftigt gewesen wie derzeit: Für Arbeitsminister Hubertus Heil ist das ein großer Erfolg, über den aber auch diejenigen nicht zu vergessen seien, die davon nichts haben. Statistiken werden schließlich immer dann interessant, wenn sie auf die Realität treffen. Vor allem die Langzeitarbeitslosen dürfe man nicht vergessen, mahnte Heil.

Er erzählte dabei von einem Mann, den er kennengelernt habe: „Er hat bei einem Autounfall beide Eltern verloren“; das habe ihn aus der Bahn geworfen, Arbeit und Wohnung waren weg. „Wir wollen Menschen, die lange draußen waren, wieder eine Chance geben“, betonte Heil. So wie bei jenem Mann, der jetzt Hausmeister in einer Grundschule ist. „Für mich ist er das lebende Beispiel dafür, dass für die meisten Menschen in Deutschland Arbeit mehr ist als Broterwerb; es ist Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, erklärte Heil. Deshalb müsse auch mehr darüber gesprochen werden, welchen Beitrag Arbeit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leiste.

Die Politik wolle jedenfalls Brücken für den Fall einer konjunkturellen Delle bauen und Qualifizierung fördern. Gerade im Dienstleistungsbereich gebe es reichlich Bedarf, in der Altenpflege etwa. Dort müsse allerdings auch für bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne gestritten werden.

Zuvor hatte der Vorsitzende der Pforzheimer SPD, Dr. Christoph Mährlein, mit Blick auf die Bundespolitik in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass man „nicht zu oft den Cheftrainer wechseln“ sollte, wenn zwar die Substanz, nicht aber die Performance stimmt. Vielmehr komme es dann darauf an, „dass man seine Mannschaft zusammenhält“. Da sieht Mährlein seine Partei inzwischen auf einem guten Weg. „Wir haben nicht nur wichtige Akteure zum Teil wieder eingefangen, sondern auch den Kader erweitert“, betonte er. Auch wenn in Pforzheim 2019 ein Austritt zu verzeichnen war – der ausgeschiedene Genosse sei mit der neuen Doppelspitze nicht einverstanden gewesen –, so gab Mährlein doch als Ziel aus, in diesem Jahr für die hiesige SPD 50 neue Mitglieder zu gewinnen. Zugleich forderte er, dass die Wähler ein neues Angebot bräuchten, auch wenn „viele wichtige Reformen“ auf den Weg gebracht worden sind. „Erneuerung und Wertschätzung des Erreichten sollen sich dabei nicht ausschließen.“

Die Frage nach dem Wandel in seinen ganz unterschiedlichen Facetten beschäftigte auch die SPD-Bundestagsabgeordnete für Pforzheim und den Enzkreis, Katja Mast. „Wir sind in einer Zeit, die eine Dynamik hat, die noch nie da war“, stellte sie fest. Dabei alleine nur einzelne Bereiche für sich zu betrachten, wie beispielsweise den Klimawandel oder den Wandel durch die Digitalisierung, hält sie für falsch: Es müsse das große Ganze im Blick behalten werden. „Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass wir in der Zeit des Wandels sind, und es muss darum gehen, dass wir den Wandel in dieser Gesellschaft gestalten“, so Mast. Genau aus diesem Grund sei die SPD vor zwei Jahren auch in die Große Koalition eingetreten. An der Seite von Hubertus Heil habe sie „in unserer Herzkammer, dem Arbeitsmarkt, unheimlich viele Gesetze“ durchbringen können, meinte Mast.

Dass Arbeitsminister Hubertus Heil innerhalb von Baden-Württemberg nur den Pforzheimer Neujahrsempfang besucht hat, hat sicherlich auch mit der gegenseitigen Wertschätzung zu tun. Katja Mast, so hatte es Heil eingangs seiner Rede betont, sei „ein Glücksfall für das Parlament und die Sozialdemokratie“. Sie sei zwar nicht die lauteste, dafür aber eine der fleißigsten Parlamentarierinnen. „Du hast Herz und Verstand“, lobte der prominente Gast.

Dass sie dabei für ihre Überzeugung kämpft, hat sie nicht zuletzt am Samstag gezeigt. Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse – Schüsse auf das Büro eines Abgeordneten-Kollegen – hat sie die Besucher des Neujahrsempfangs dazu aufgefordert, gegen Hass und Respektlosigkeit einzutreten. „Seien sie mit uns gemeinsam ein Team!“, rief sie den Bürgern im Kulturhaus Osterfeld zu.

Das Wort ergriff auch Paul Renner, Vorsitzender der Enzkreis-SPD. Er hielt einen Rückblick auf 2019 und bedankte sich unter anderem für den Einsatz der Kandidaten bei der Kommunalwahl.

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