Antragsflut im Paulus-Prozess

Anwalt des Hauptangeklagten scheitert mit verschiedenen Forderungen

Erstellt: 11. September 2019, 00:00 Uhr
Antragsflut im Paulus-Prozess Spurensuche in dem Waldstück, in dem Simon Paulus’ Leiche entdeckt wurde. Foto: Archiv

Karlsruhe/Birkenfeld (weg). Der gestrige Prozesstag vor dem Schwurgericht in Karlsruhe wegen des Mordes am Jäger und Büchsenmacher Simon Paulus war von Unterbrechungen geprägt. Entgegen der Zusicherung der Verteidiger am letzten Verhandlungstag, dem 27. August, es seien wohl keine Anträge mehr zu erwarten, gab es deren mehrere. Denn an jenem Tag hatte Verteidiger Ulrich Sommer gefehlt. Dieser forderte nun sogar, den Vorsitzenden Richter des Schwurgerichtes, Leonhard Schmidt, wegen Befangenheit abzulehnen. Sommers weitere Anträge hatten die Richter zuvor abgewiesen.

Das erste Anliegen des Anwalts war, seinem Mandanten, dem Hauptbeschuldigten, der in Untersuchungshaft sitzt, möge ein unbewachtes Gespräch mit zwei der Mitangeklagten ermöglicht werden. Schließlich könnten sich ja die anderen Angeklagten, die sich auf freiem Fuß befinden, ebenfalls untereinander verständigen. Der Antrag wurde abgelehnt. Weiterhin bezweifelte Sommer die gefilmte Vergewaltigung der Ehefrau seines Mandanten unter Betäubungsmitteln. Darauf müsse sich die Verteidigung ebenso einstellen wie auf das Mordmerkmal „Habgier“, das die Schwurgerichtskammer in Bezug auf den Diebstahl der Waffen von Paulus erwähnt hatte. Weshalb Verteidiger Sommer einen Aussetzungsantrag stellte oder eine dreiwöchige Verhandlungspause beantragte.

Beides lehnten die Richter gemäß dem Antrag von Staatsanwältin Christine Roschinski ab. Die Tatsachen seien alle bekannt gewesen bis auf die Nennung der Tatorte der Vergewaltigungen. Was Sommer „falsch“ fand. Sein nächster Antrag bezweckte, den Vorsitzenden Richter Schmidt wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Denn: Es habe keine Aktennotizen über Gespräche zwischen Staatsanwaltschaft und Richtern gegeben. Dennoch habe Schmidt aus einem „Aktenkonvolut“ bei Nachfrage gleich die richtige zur Hand gehabt. Das lege den Verdacht nahe, es habe doch Gespräche gegeben.

Nebenklägerin Stephanie Vogt, die die Ehefrau des 30-jährigen Hauptangeklagten vertritt, trat dem Antrag entgegen. Er sei „ins Blaue hinein gestellt“. Denn am Ende des letzten Verhandlungstages im August seien Beschlüsse der Kammer angekündigt worden. Kein Wunder also, dass die Akten griffbereit lagen.

Zur Erinnerung: Am 31. August vergangenen Jahres wurde Simon Paulus in seinem Haus in Birkenfeld-Gräfenhausen getötet. Wochen später fanden Waldarbeiter seine notdürftig verscharrte Leiche im Wald nahe des Tierparks in Pforzheim. Vier Männer sind angeklagt. Den Mann getötet zu haben, wirft die Staatsanwältin dem 30 Jahre alten Italiener vor. Möglicherweise handelte er aus Habgier, um Paulus‘ Waffen zu bekommen. Beim Abtransport des Toten und der Waffen soll der 42-jährige Kampfsportler geholfen haben. Den Toten vergraben hatte laut Anklage ein 27-Jähriger. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft den geplanten Mord an einer 60-Jährigen in Maulbronn, deren Geliebter der vierte Angeklagte, ein 26-Jähriger, war. Außerdem sollte ihr hochwertiges Fahrzeug gestohlen werden.

Ein Tatgeschehen, wie es kaum vielfältiger in einem Krimi dargestellt werden kann. Der Italiener schiebt die Tötung des Jägers in Gräfenhausen wiederum auf den Kampfsportler. Der hatte in der Verhandlung im August erklärt, er habe aus finanzieller Not heraus gehandelt, aber den Büchsenmacher nicht umgebracht. Die beiden anderen äußern sich gar nicht.

Die Verhandlung wird an diesem Mittwoch um 13.30 Uhr fortgesetzt. Mit den Plädoyers könnte gerechnet werden. Allerdings finden sie voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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