Alte Riesen fallen wie Zahnstocher

Gefahr am Wegesrand: Imposante Maschine fällt abgestorbene Bäume im Enzkreis – Holz wird nicht vermarktet

Von Lukas Huber Erstellt: 3. September 2019, 00:00 Uhr
Alte Riesen fallen wie Zahnstocher Die Zange des MB-Fällkrans greift den Stamm und sägt ihn in kürzester Zeit durch. Fotos: Huber

Nach wie vor leiden die Wälder unter den Folgen des trockenen Sommers 2018. Und morsche Äste, die jederzeit auf den Boden stürzen können, gefährden zunehmend Verkehr und Waldbesucher. Im Enzkreis werden dieser Tage kritische Bäume mit Hilfe eines imposanten Fällkrans entfernt.

Ötisheim/Enzkreis. Zwischen 170 und 190 Jahre alt sind die Buchen, denen der Fällkran der hessischen Firma MB Baudienste an diesem Montagmorgen im Wald bei von Ötisheim neben dem Eppinger Linienweg und am Nachmittag zwischen Enzberg und Kieselbronn zu Leibe rückt. Zunächst werden größere Äste mit der großen Metallzange abgetragen, die sie dann wie Zahnstocher auf den Boden des Waldes fallen lässt. Dann wird der Stamm gekürzt, so dass er danach nur noch einige wenige Meter in die Höhe ragt. Nur ein paar Minuten dauert es letztlich, bis ein Baum, der mehrere Generationen überdauert hat, zerteilt auf der Erde liegt.

Dass die Maschine, von der es deutschlandweit nur drei Exemplare gibt und die ihren Arm bis 24 Meter weit ausfahren und zwischen 100 bis 200 Bäume am Tag fällen kann, „recht martialisch aussieht“, ist Frieder Kurtz, Leiter des Forstamts im Landratsamt Enzkreis, bewusst. Und so werde sich mancher Beobachter sicherlich denken, bei der Maßnahme gehe es nur darum, möglichst schnell Profit aus der Ernte zu schlagen – doch laut Kurtz ist das mitnichten die Intention, die dahintersteckt. Zumal weder die Stämme noch die Äste vermarktet würden. Stattdessen bleibe alles an Ort und Stelle. „Das ist gut für den Boden, denn das Holz nimmt so seine Biotopfunktion noch jahrelang wahr.“ Und in den Stämmen könnten Vögel wie Spechte auch weiterhin Nahrung finden.

Doch warum müssen die Bäume überhaupt entnommen werden, lautet eine Frage, die sich der unbedarfte Bürger stellen dürfte. Dazu Kurtz: „Viele Bäume tragen kein Laub mehr und sind abgestorben, und Äste drohen herabzustürzen.“ Dabei zeigt er exemplarisch auf eine Buche, deren komplettes Blätterkleid infolge des trockenen Sommers 2018 braun gefärbt ist. Ein solcher Baum stelle neben Wegen, auf denen Wanderer unterwegs seien, oder unweit von Straßen eine große Gefahr dar. Schon ein leichter Windstoß könne ausreichen, um morsches Geäst zu Fall zu bringen. Daher sei ein rasches Handeln notwendig, was der MB-Fällkran erfüllen kann. Laut Kurtz hat er ein Arbeitsvolumen, das dem von zwölf Forstwirten entspricht. Außerdem sei die Arbeit mit der Motorsäge insbesondere unter abgestorbenen Buchen mit ihren großen Kronen gefährlich. Denn bei Vibrationen durch die Säge könnten Teile abbrechen.

Dass uralte Bäume gefällt werden müssen, lässt indes auch den Forstamtsleiter nicht gänzlich kalt. Doch die Maßnahme sei nach dem Hitzesommer absolut notwendig, wie er betont. Die lange Trockenheit wirke sich deutschlandweit „bedrohlich“ aus – und so auch in der Region. Von Februar bis Dezember 2018 lag die Niederschlagsmenge im Enzkreis, wie ein Diagramm der Wetterstation Diefenbach zeigt, deutlich unter dem Mittel der Jahre zuvor. Und auch die Temperatur war überdurchschnittlich hoch. Das Resultat schildert Dominik Saladin, Trainee im höheren Forstdienst des Enzkreises, der von einer aktuellen Bodenfeuchte von etwa zehn Prozent in einer Tiefe von knapp zwei Metern spricht. Im Durchschnitt liege dieser Wert bei 65 Prozent. Insbesondere Nadelbäume und alte Buchen bekämen so zu wenig Wasser ab, könnten Schädlinge oft nicht mehr abwehren und seien nicht mehr zu retten. Diese Entwicklung ist allerdings nicht überall gleich. Sie hängt nach Angaben von Frieder Kurtz von verschiedenen Faktoren wie etwa der Bodenbeschaffenheit oder der Lage ab. Besonders dramatisch äußere sie sich im nordöstlichen Enzkreis, etwa in Wiernsheim, Maulbronn, Ötisheim oder zwischen Illingen und Schützingen, wo viele Bäume tot seien. Andernorts wie zum Beispiel in Neulingen sei die Lage entspannter.

Letztlich sei eines wichtig, betont Kurtz: „Der Wald stirbt nicht, er verändert sich.“ Wenn Naturliebhabern am Rande eines Weges mehr lichte Stellen als früher auffielen, so sei das nicht unbedingt dramatisch. Wichtig sei es in Zukunft, den Forst an den Klimawandel anzupassen. Das bedeute einen Abschied von Monokulturen und die Fokussierung auf Mischwälder.

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