DNA-Spuren bestätigen: Wolf hat Reh bei Wiernsheim gerissen

Erstellt: 5. Februar 2018, 15:43 Uhr

Nun ist es amtlich: Auch im Enzkreis war ein Wolf aktiv. Dabei handelt es sich laut einer Mitteilung des Landratsamts Enzkreis höchstwahrscheinlich um ein und dasselbe Tier, das in Sersheim Anfang Januar eine Ziege gerissen hatte.

Enzkreis (pm/lh). Jahrzehntelang galt der Wolf in der Region als ausgestorben, doch in Baden-Württemberg hatte es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Sichtungen von Wölfen gegeben – nicht aber im Enzkreis. Das hat sich nun geändert, wie das Landratsamt am Montag mitteilte. Das zumindest habe die Analyse von DNA-Spuren an einem toten Reh im Wald bei Wiernsheim gezeigt, das dort am 8. Januar gerissen worden sei. Am selben Tag habe ein Jäger in der Nähe von Iptingen das Raubtier aus seinem Auto heraus – aus 80 bis 100 Metern Entfernung – gesichtet und die Beobachtung an den Landesjagdverband gemeldet. Ob sich der Wolf aktuell noch immer in der Gegend aufhalte, sei nicht bekannt.

Eines sei laut der Behörde aber geklärt: Die Analyse des Senckenberg-Instituts habe ergeben, dass das Exemplar, das das Reh in der Heckengäu-Kommune gerissen hatte, aus der „Italienischen Linie“, also der Alpenpopulation, stamme. Und wegen der räumlichen Nähe sei es nach der Ansicht der Experten der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg (FVA) wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Wolf um dasselbe Tier handle, das Anfang Januar in Sersheim eine Ziege getötet habe und vor gut zwei Wochen in Korntal-Münchingen nachgewiesen worden sei.

Wolfsangriffe auf Menschen seien äußert selten, sagt Dietmar Gretter vom Naturparkzentrum Stromberg-Heuchelberg. Lesen Sie den Artikel dazu.

Es sei damit nicht identisch mit dem Räuber, das im Laufe der letzten Wochen mehrfach im Nordschwarzwald nachgewiesen worden sei und in Bad Wildbad im November mehrere Tiere gerissen habe, so das Landratsamt. Wie berichtet, hatte eine Analyse von Speichelresten ergeben, dass es sich bei diesem Wolf um einen Rüden aus einem Rudel in Niedersachsen handelt. Welches Geschlecht der im Enzkreis nachgewiesene Wolf aus der Alpenpopulation hat und aus welchem Rudel genau er stammt, lässt sich nach aktuellem Kenntnisstand der Experten noch nicht sagen. „Die Analyse muss mit den vorhandenen Daten in der Schweiz abgeglichen werden, das wird noch einige Wochen dauern“, sagt die Dr. Hilde Neidhardt, Dezernentin für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung im Landratsamt.

Halter jedenfalls sollten geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Nutztiere ergreifen, rät Neidhardt den Betroffenen. Kurzfristig könnten sie über die FVA vom Umweltministerium bereitgestellte Zaunsets ausleihen. „Hundebesitzer sollten ihre Tiere im Wald immer an der Leine führen.“ Auf keinen Fall sollten Wölfe angelockt oder gar angefüttert werden.

Für den Fall, dass ein Wolf ein auffälliges Verhalten zeige, dass er sich zum Beispiel ohne Scheu Menschen nähere, könne das Tier gefangen oder sogar geschossen werden. „Derartige Maßnahmen können auf Basis des Bundesnaturschutzgesetzes unverzüglich umgesetzt werden“, betont die Enzkreis-Dezernentin – und hofft gleichzeitig, dass dies nicht notwendig sein wird: „Die Rückkehr des Wolfes ist ja zunächst ein gutes Zeichen. Es bedeutet nämlich, dass wir in einer naturnahen und vielgestaltigen Kulturlandschaft leben, die sorgsam gepflegt und entwickelt wird.“ Sonst nämlich „wäre sie nicht attraktiv für Arten, die sich in menschenärmere Gebiete Europas zurückgezogen hatten“.

Wer einen Wolf gesichtet zu haben glaubt, kann sich an die FVA wenden unter Telefon 0761/4018-274. Infos zu Verhaltensweisen und mehr enthält die Broschüre „Die Rückkehr des Wolfes“ des Ministeriums für Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Sie ist online einsehbar auf den Seiten des Ministeriums und denen des Enzkreises (Suchstichwort „Wolf“).

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