Das Glück mit den Lamas

Hund, Katze, Maus: In Mönsheim zieht eine außergewöhnliche Herde die Blicke auf sich

Von Susanne Roth Erstellt: 23. Juli 2019, 11:41 Uhr
Das Glück mit den Lamas Tierisches Vergnügen: Katherine Bodenstein und Werner Renz auf dem Lerchenhof in Mönsheim mit einem Teil ihrer exotischen Truppe. Fotos: Roth

Mönsheim. „Oh, jetzt spuckt er gleich !“, vermutet Werner Renz. Doch „Balou“ bläst nur die Backen auf. Dafür hat „Tassilo“ gerade eine Ladung Richtung des Kameraden geschleudert und steht jetzt etwas belämmert da. Dem „Opfer“ fehlt nichts, aber aus irgendeinem Grund lässt der Urheber, der gerade ein Herdenmitglied in die Schranken gewiesen hat, danach selbst die Unterlippe hängen.

„Ich bin auch schon mal angespuckt worden, als ich einen auf die Weide rausgetrieben habe“, erzählt Werner Renz. „Schauen Sie mal an die Wand da.“ Ein dunkler Fleck ist zu sehen – Mageninhalt.

Werner Renz grinst. Wenn man Lamas liebt, dann erträgt man auch das. Er und seine Partnerin Katherine Bodenstein lieben aber nicht nur das, was ihre vier Lamas und zwei Alpakas vorne absondern, sondern auch das, was hinten rauskommt. Und die Mutter von Katherine Bodenstein auch, denn ihre Rosen erblühen umso prächtiger in Wiernsheim, seit sie die Hinterlassenschaften der aus der Familie der Kamele stammenden Tiere als Naturdünger nutzt. „Das riecht überhaupt nicht, hat auch den Vorteil, dass die Wurzeln nicht verbrennen“, sagt Katherine Bodenstein.

Der Stickstoff-, Kalium- und Phosphat-Gehalt ist genau richtig, um den Pflanzen im Garten und auf dem Balkon eine Freude zu machen. Dass Werner Renz und Katherine Bodenstein, die sich erst im vergangenen Jahr mit ihren Tieren auf dem Lerchenhof 1 eingemietet haben, mal Dünger abgeben und verkaufen würden, hätten sie nicht vermutet.

„Das hat sich alles irgendwie ergeben“, sagt Werner Renz, und beide erzählen, wie sie zu ihrer ungewöhnlichen Profession mit exotischen Tieren kamen. „Das hat Jahre gedauert“, sagt Katherine Bodenstein, die wie auch ihr Partner beruflich aus einem therapeutischen Ansatz kommt – er aus dem sozialen Bereich, sie aus dem medizinischen. Als Ergotherapeutin stieß sie eines Tages im Internet auf einen Film über die Therapie eines verhaltensauffälligen Kindes mit Hilfe eines Lamas; das Interesse war geweckt.

Erst fand sie die Tiere noch etwas komisch und vor allem die Alpakas leicht unproportioniert mit ihrem extrem langen Hals, aber je mehr sie sich damit beschäftigte und beim Trekking die Tiere kennenlernte, desto höher schlug ihr Herz. Und Werner Renz ? Er ging eines Tages mit auf Tour, übernahm einen als etwas kapriziös eingestuften Lama-Hengst namens „Toni“ und kam total entspannt und mit einem „fetten Grinsen“ (Katherine Bodenstein) im Gesicht zurück. „Wie der mich unterwegs angeschaut hat . . .“ Dann legte noch eine Lama-Stute nach einem weiteren Trekking den Kopf auf seine Schulter und ließ ein typisches Summen hören, da war es auch um ihn geschehen.

Für Katherine Bodenstein steht immer noch der Gedanke im Vordergrund, bald therapeutisch mit den Tieren zu arbeiten. Im Moment macht sie eine entsprechende Weiterbildung. Und natürlich haben Werner Renz und Katherine Bodenstein nicht nur entdeckt, dass man sogar den Mist zu Geld machen kann – was auf Messen und im neuen Gebrauchtwarenkaufhaus Pforzheim gut funktioniert –, sondern schauen auch danach, wie man die Fasern (so heißt das Fell) verwerten kann.

Trekking mit den Tieren bieten sie ebenfalls an, was man allerdings trainieren muss. Es muss klar sein, wer in der Kolonne vorausgehen darf und wie. Dem Paar ist klar, dass die Tiere jeden Tag Betreuung brauchen. Sie merken auch, wie sehr die Lamas und Alpakas an ihnen hängen. Und das Duo hat auch eine ganz andere Beobachtung gemacht: die Tiere zaubern Spaziergängern ein Lächeln ins Gesicht. Wo der Spaß aufhört, steht aber auch fest: An die Tomaten dürfen die Lamas und Alpakas nicht ran, denn an denen testet Katherine Bodenstein gerade ihren eigenen Dünger.

www.lamaglueck.com

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