Oberschiedsrichter Karsten Roller: „Ich habe keine Lust auf Diskussionen“

Der Lomersheimer Karsten Roller ist als Oberschiedsrichter des Württembergischen Tennis-Bundes der Chef auf dem Platz

Von Silas Schüller Erstellt: 5. Juli 2018, 11:09 Uhr
Oberschiedsrichter Karsten Roller: „Ich habe keine Lust auf Diskussionen“ Auf oder neben der Linie? Karsten Roller muss als Oberschiedsrichter bei Meinungsverschiedenheiten auf dem Tennisplatz eine Entscheidung treffen. Foto: privat

Weil er ständig mit Gästeteams Diskussionen führen musste, hat TC-Sportwart Karsten Roller im vergangenen Jahr die B-Oberschiedsrichterlizenz erworben. Nun kann ihm regeltechnisch niemand mehr so schnell etwas vormachen.

Mühlacker-Lomersheim. Tennis ist ein einfacher Sport. Es gibt ein Spielfeld mit Netz, zwei Akteure mit Schläger und einen kleinen, gelben Filzball. Mehr braucht es eigentlich nicht, jedenfalls nicht in den Gefilden, in denen sich die acht Senioren-Mannschaften des TC Rot-Weiß Lomersheim bewegen. Dass diese Vorstellung jedoch gänzlich an der Realität vorbeigeht, sieht Sportwart Karsten Roller bei nahezu jeder Heimpartie seiner Vereinskameraden. Seit Jahren sind dem 46-Jährigen die Diskussionen, die sich Spieler immer wieder liefern, ein Dorn im Auge. Dabei gehe es in vielen Fällen nicht einmal um den Sport an sich: „Schon kurz nach der Ankunft der Gäste-Teams wird uns des Öfteren mitgeteilt, dass wir zwei Plätze zur Verfügung stellen müssen, weil das im Regelwerk stehe“, erzählt Roller, der fast an jedem Spieltag, den der Lomersheimer Club ausrichtet, vor Ort ist. So sei das Verhältnis zwischen den Teams bereits vor dem ersten Aufschlag belastet, was sich im Anschluss negativ auf die einzelnen Partien auswirken könne.

2017 traf der Lomersheimer dann den Entschluss, seine Fach- und Regelkenntnisse aufzubessern. Er erwarb die Schiedsrichterlizenz. „Es ging mir bei der Ausbildung nicht darum, den Schlaumeier geben zu können, sondern diesen unsäglichen Diskussionen einen Riegel vorzuschieben“, betont der 46-Jährige. Für die Lizenz büffelte er im Selbststudium mehrere Wochen, um sich dann bei einem zweitägigen Lehrgang in Stuttgart-Stammheim den letzten Schliff für die beiden einstündigen Prüfungen zu holen. Nun darf sich Roller seit vergangenem Jahr B-Oberschiedsrichter des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) nennen. Jetzt kann das Lomersheimer Tennis-Urgestein die Aufsicht bei Spielen der höchsten Verbandsklassen übernehmen. Wobei damit nicht nur eine Berechtigung einhergeht, sondern gleichzeitig eine Pflicht: Um die Lizenz auf Dauer behalten zu können, muss Roller mindestens einmal im Jahr ein Ligaspiel als Oberschiedsrichter leiten. So geschehen am vorletzten Sonntag bei der Stuttgarter Tennisgesellschaft Geroksruhe, wo ein Verbandsspiel mit sechs Einzel- und drei Doppelmatches auf dem Programm stand. Bis alle Partien absolviert sind, vergehen erfahrungsgemäß mehrere Stunden – Ausnahmen wie längere Entscheidungssätze nicht eingeschlossen.

Immer dann, wenn sich die Spieler bei einem gespielten Punkt uneinig sind, weil beispielsweise der Abdruck nicht auszumachen ist, entscheidet der Oberschiedsrichter als letzte Instanz über die Punktvergabe. Deshalb muss Roller andauernd mehrere Plätze gleichzeitig „scannen“, um bei Bedarf schnell eingreifen zu können. Angesichts dieser fordernden Aufgabe ist die Aufwandsentschädigung von 50 Euro zuzüglich Fahrtgeld eher bescheiden. Trotzdem findet der Tennisexperte Freude an der Schiri-Tätigkeit: „Es macht mir schon Spaß, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, jedes Wochenende damit zu verbringen. Da stehe ich doch lieber selbst mit dem Schläger auf dem Sand.“ Angefangen hat alles im Jahr 1985, als im ganzen Land ein Boris-Boom herrschte. „Wenn ich mich nicht täusche, habe ich sogar zwei Monate vor Beckers Wimbledonsieg den Schläger in die Hand genommen“, erinnert sich der IT-Berater, der aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht mehr selbst aufschlägt. Auch die Brüder von Karsten Roller treiben seit ihrer Jugend Sport, allerdings entschieden sie sich für andere Sportarten. Simon Roller trug als Fußballer lange das Phönix-Trikot und trainiert mittlerweile die Aktiven des TSV Lomersheim, während für Udo Roller der Motorsport die große Leidenschaft ist. Indes bleibt für Karsten Roller auch nach über 30 Jahren Vereinsmitgliedschaft der TC Lomersheim die sportliche Heimat, wenngleich er seine eigene Karriere bei einem Stuttgarter Verein fortsetzte.

Seit zwei Dekaden hat der 46-Jährige in Lomersheim das Amt des Sportwarts inne, kennt die hiesige Tennisszene wie kaum ein Zweiter. Und obwohl ihn das Konfliktpotenzial mit gegnerischen Mannschaften stört, „macht es immer noch Spaß, die Samstage auf der eigenen Anlage zu verbringen.“ Spätestens beim Abendessen, wenn die beiden Teams nach stundenlangem Duellieren an einem Tisch sitzen, seien die leidigen Auseinandersetzungen längst vergessen.

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