„Wir haben keine Naturlandschaft“

Von fragen Thomas Eier Erstellt: 3. Januar 2020, 00:00 Uhr
„Wir haben keine Naturlandschaft“ Jürgen Förschler ist stellvertretender Kreisjägermeister der Jägervereinigung Enzkreis/Pforzheim

Jürgen Förschler
Ging es um die „Rückkehr“ des Wolfs in die Region, bezog sich das bislang meist auf Gebiete im Schwarzwald. Doch nun ist offenbar auch im Kraichgau, in Sinsheim-Rohrbach, eines der Tiere in eine Fotofalle getappt.

Wie bewerten Sie die Nachricht, dass nun auch im Kraichgau ein Wolf gesichtet worden sein soll?

Ich bin kein wirklicher Experte und kann mich da nur auf einen hervorragenden Vortrag unseres Enzkreis-Wildtierbeauftragten Bernhard Brenneis beziehen, der exakt die Wege der Tiere aufgezeigt und deutlich gemacht hat: Der Wolf wird kommen. Andererseits handelt es sich nach Einschätzung der Fachleute bislang mehrheitlich um Jungtiere, die auf der Wanderschaft sind und noch kein Rudel gebildet haben. Ob sie bei uns heimisch werden, ist noch unklar.

Was unterscheidet, was die Lebensbedingungen betrifft, den Kraichgau vom Schwarzwald?

Unabhängig von der Frage, ob es im Schwarzwald etwas dichter bewaldet oder in den dortigen Höhenlagen das Klima etwas härter ist, gilt, dass wir hier bei uns keine Naturlandschaft im ursprünglichen Sinn, sondern eine von Menschen geschaffene Kulturlandschaft haben – mit landwirtschaftlicher Nutzung, einer dichten Besiedlung und einem dichten Straßennetz. Ob sich der Wolf hier in absehbarer Zeit heimisch fühlen wird, können die Biologen besser abschätzen.

Wie sehen die Jäger das Thema?

Es wird zwiespältig diskutiert. Die Artenvielfalt freut natürlich die Jäger und ist für die gesamte Wildtierpopulation wichtig. Andererseits gibt es die Interessen der Landwirtschaft, weil sich der Wolf erst einmal auf hilflose Nutztiere stürzt. Von daher ist es eine gesellschaftliche Abwägung, was man haben will. Und wie schon gesagt, wir haben hier bei uns nicht die großflächigen dünn besiedelten Gebiete wie im Osten, in Norwegen oder in Schweden.

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