„Wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen“

Von fragen Thomas Eier Erstellt: 12. Juli 2019, 00:00 Uhr
„Wir dürfen nicht die Köpfe hängen lassen“ Andreas Ahner ist Vorsitzender des Betriebsrats bei der Sihn GmbH

Andreas Ahner
Für den Vorsitzenden und seine Kollegen im Betriebsrat der Sihn GmbH sind spätestens mit dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stressige Zeiten angebrochen.

Die Nachricht der Insolvenz wurde der Belegschaft am Mittwoch in einer Betriebsversammlung bekanntgegeben. Wie waren die Reaktionen? Waren die Kollegen überrascht?

Es kam nicht wirklich überraschend, sondern hatte sich abgezeichnet, nachdem schon in der Vergangenheit kommuniziert wurde, dass es nicht gut aussehe. Am Mittwoch haben dann der vorläufige Insolvenzverwalter, die IG Metall und der Betriebsrat die Kollegen informiert, und wie die Stimmung ist, kann man sich vorstellen. Das ist unsere zweite Insolvenz nach 2011, und da macht niemand Freudensprünge.

Wie ist denn die Auftragslage?

Sie ist eigentlich ganz okay, wobei, wie man so hört, die gesamte Automobilindustrie und alle Zulieferer gewisse Rückgänge haben. Bei uns sieht es gar nicht so schlecht aus, daran lag es nicht.

Woran lag’s?

Es gibt viele Faktoren, und nach Einschätzung der Belegschaft sind bei der Umstrukturierung Fehler unterlaufen. Auch die Verlagerung der Produktion vom Standort Lugwald nach Bulgarien war nicht exakt durchgeplant.

Wie ist Ihr Eindruck, nachdem sich der vorläufige Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme vorgestellt hat?

Aus Sicht des Betriebsrats ist der Eindruck positiv, die Kunden seien gewillt, weiterhin mit uns zusammenzuarbeiten. Sie brauchen ja die Teile. Der Insolvenzverwalter hat uns zuversichtlich gestimmt, dass es weitergehen wird.

Was sind die nächsten Schritte?

Für den Betriebsrat steht es an oberster Stelle, die Arbeitsplätze zu sichern. Da liegt uns jede Stelle und jeder Mitarbeiter am Herzen. Ansonsten müssen wir sehen, was auf uns zukommt, dafür braucht es einige Tage, um die Situation zu analysieren. Momentan gibt es, was den Betriebsrat betrifft, viel zu besprechen, weil es um die Kündigung von Tarifverträgen geht, die Konten eingefroren werden müssen, es geht um Fragen wie die Mehrarbeitsbezahlung und, und, und … Nachdem wir die vergangenen Monate schon wegen der Verlagerung nach Bulgarien unter Druck standen, ist die Situation im Moment nicht leicht.

Die Stimmung in der Belegschaft ist gedrückt, aber nun sind auch wir Mitarbeiter gefordert, weiter Vollgas zu geben und nicht die Köpfe hängen zu lassen. Das wäre genau das falsche Signal.

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