„Vertrauen wird missbraucht“

Von fragen Thomas Eier Erstellt: 15. August 2018, 00:00 Uhr
„Vertrauen wird missbraucht“ Sabine Doll ist Sprecherin des Polizeipräsidiums Karlsruhe

Sabine Doll
An perfiden Betrugsmaschen mangelt es nicht. Besonders dreist sind zwei Täterinnen in einem Fall in Pforzheim vorgegangen, die vorgaben, die Ersparnisse einer Frau „segnen“ zu wollen und mit dem Geld verschwanden.

Eine Frau lässt zwei fremde Frauen in die Wohnung, weil sie vorgeben, ihr vorlesen zu wollen. Anschließend bieten sie an, die Ersparnisse des Opfers zu „segnen“ und verschwinden mit rund 20000 Euro. Warum fällt jemand auf so etwas herein?

Der persönliche Kontakt schafft Vertrauen, anders als zum Beispiel am Telefon. Persönliche Begegnungen sind weniger von Misstrauen geprägt, und ein Ansinnen wird weniger schnell abgelehnt. Deshalb suchen sich die Trickbetrüger auch Opfer zum Beispiel gleicher Herkunft aus, die auch dieselbe Sprache sprechen.

Gibt es Erkenntnisse zu den Tätern beziehungsweise, in diesem Fall, zu den Täterinnen?

Die „Segnung“ eines Geldbetrages ist ein nicht so bekanntes Phänomen; zumindest wird es nicht so oft angezeigt. Möglicherweise auch deshalb, weil sich die Opfer schämen.

Es ist davon auszugehen, dass die Täter organisiert sind und arbeitsteilig vorgehen – wie bei den meisten Arten des Trickbetrugs.

Was bedeutet der Betrug für das Opfer?

Es kann für das Opfer existenzgefährdend sein, wenn es den Betrügern sein ganzes, oft sauer Erspartes aushändigt.

Die Opfer haben Vertrauen, und wenn es missbraucht wird, können sie insgesamt das Vertrauen zu Menschen verlieren. Sie schämen sich und machen sich Selbstvorwürfe. Viele denken, ihnen könne so etwas nicht passieren, und dann passiert es doch. Oft werden Opfer ausgesucht, die alleinstehend sind und sich über jeden sozialen Kontakt freuen.

Die Schwindler spekulieren auf die Gutgläubigkeit der Menschen. An welchem Punkt ist, ohne gegen jeden misstrauisch zu sein, eine gesunde Portion Vorsicht angebracht?

Es gilt: Die Täter wollen immer nur Ihr Bestes, also Ihr Geld. Immer, wenn es um Geld geht, ist Vorsicht geboten.

Misstrauen ist angebracht, wenn völlig fremde Personen gleich vertraulich werden, weshalb man keine Fremden in die Wohnung lassen und immer erst hinterfragen sollte: Warum sollte eine Person, die mich gar nicht kennt, mir ohne Hintergedanken was Gutes tun wollen?

Weiterlesen
„Geht nur über den Geldbeutel“

„Geht nur über den Geldbeutel“

Ulrich SaurDie Idee der Landesregierung, parken an unübersichtlichen Stellen härter zu ahnden, könnte auch im Kampf gegen gefährliche Elterntaxis helfen Die Landesregierung will Verkehrsteilnehmer, die an unübersichtlichen Stellen parken, härter… »