„Kunst ist Verkündigung“

Von fragen Carolin Becker Erstellt: 13. September 2017, 00:00 Uhr
„Kunst ist Verkündigung“ Gabriele Goy ist Pfarrerin der Paulus- und der Paul-Gerhardt-Gemeinde Mühlacker

Gabriele Goy

Am Freitag wurde die Ausstellung der Künstlergruppe Mühlacker in der Pauluskirche eröffnet. Die Resonanz ist – fast – durchweg positiv.

Wie wurde die Ausstellung aufgenommen?

Die Ausstellung wurde fast durchweg sehr positiv aufgenommen. Es gibt wenig Kritik, und die ist sehr differenziert und bezieht sich auf sehr konkrete Dinge und einzelne Exponate.

Das Thema lautet Reformation(en). Wörtlich bedeutet das etwa so viel wie Umgestaltung/Erneuerung. Welche Rolle spielen Veränderungen in der Kirche heute?

Die Kirche hat heute genau wie vor 500 oder auch vor 2000 Jahren die Aufgabe, das Wort Gottes in ihrer Zeit den Menschen zu Gehör zu bringen – in der jeweils aktuellen Sprache. Weil die Bibel Gottes Wort in menschlicher Sprache ist und diese Sprache auch kulturabhängig ist, ist das nicht immer ganz einfach. Es geht hier immer um einen Diskurs von Wahrheit. Genau deshalb gab es die Reformation. Genau deshalb ist Kirche eine „ecclesia semper reformanda“, eine Kirche, die sich immer wieder erneuert, auch verändert und dabei am Wort Gottes orientiert. Kirche darf sich nie am Zeitgeist orientieren, das sehen wir an der Geschichte der Kirche während des Nationalsozialismus.

Eine Ausstellung im Gotteshaus ist nicht alltäglich. Warum ist Kunst in der Kirche wichtig?

Kunst ist Verkündigung. Das gilt für Musik, die eine wichtige Form evangelischer Verkündigung ist, es gilt aber auch für Literatur und bildende Kunst. Kunst weist über sich selbst hinaus, ist transzendent. Sie öffnet ein Fenster in eine andere Wirklichkeit. Kunst zu schaffen, ist ein Ausdruck für die Gottebenbildlichkeit des Menschen. Der Mensch als Geschöpf Gottes, als geistbegabtes Wesen, ist ohne künstlerischen Ausdruck nicht denkbar. Ich weiß von den Künstlern der Ausstellung auch, wie sehr sie sich im vergangenen Jahr mit der Bibel, mit der Kirchengeschichte, mit Theologie auseinandergesetzt haben und darüber auch untereinander diskutiert haben. Kunst in der Kirche soll zum Glaubensdiskurs anregen.

Wie stark darf Kunst provozieren?

Kunst ist nur dann Kunst, wenn sie in einem Raum der Freiheit entsteht. Damit wird sie immer provozieren. Es geht bei Kunst in der Kirche auch nicht darum, dass diese Kunst ein Statement der Pfarrerin oder des Kirchengemeinderates ist. Dann wäre sie Kirchenschmuck. Kunst soll zum Diskurs anregen, auch zum kontroversen Diskurs. Das ist genuin reformatorisch. Die Reformation ist deshalb gelungen, weil sie in beständiger Auseinandersetzung war.

Am Sonntag um 10 Uhr gibt es einen Kunstgottesdienst in der Pauluskirche. Worauf werden Sie besonders eingehen?

Ich werde auf das „Sehen“ und „Schauen“ im theologischen Sinn eingehen, werde ein paar wenige Kunstwerke zitieren und etwas zu ihrer Absicht sagen. Und ich werde dazu einladen, diesen Raum der Freiheit zu nutzen, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

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