„Es geht auch darum, die Täter zu schützen“

Von fragen Theresa Mammel Erstellt: 14. August 2019, 00:00 Uhr
„Es geht auch darum, die Täter zu schützen“ Regina Schmid ist Sprecherin der Staatsanwaltschaft Pforzheim

Regina Schmid
Immer wieder sorgen mit Graffiti beschmutzte Züge für Ärger. Die Stadt Pforzheim gilt mit dem Anti-Graffiti-Mobil als Vorreiter, wenn es um die Bekämpfung der Schmierereien geht.

Wie funktioniert das Anti-Graffiti-Mobil?

Wenn ein Geschädigter beispielsweise an seiner Hausfassade Graffiti entdeckt, informiert er im Normalfall zunächst die Polizei. Diese händigt dem Geschädigten einen Flyer aus: Er kann einen Antrag zur kostenlosen Schadensentfernung durch das Graffitimobil stellen. Auf dem Antrag gibt er bereits Details zu der Art der Beschmutzung an, er macht zum Beispiel Angaben zum Untergrund wie Holz oder Beton. Im Optimalfall kann die Polizei den Täter ermitteln – dann wieder dieser hinzugezogen, um mit den ehrenamtlichen Malern das Graffito zu entfernen.

Was passiert, wenn der Täter nicht ermittelt werden konnte?

Dann werden auch andere junge Straftäter mit einbezogen, die über das Anti-Graffiti-Mobil soziale Arbeitsstunden leisten.

Was versprechen Sie sich von dem Konzept?

Das Anti-Graffiti-Mobil bietet mehrere Vorteile. Zum einen kann der Geschädigte Graffiti kostenlos entfernen lassen. Zum anderen geht es aber auch um den Schutz der Täter, die oftmals jung sind. Denn wird die Tat aufgedeckt und der Sprayer angezeigt, kann das für ihn sehr hohe Kosten verursachen. Durch das Anti-Graffiti-Mobil wird er davor geschützt, vor einem hohen Schuldenberg zu stehen. Natürlich geht es aber auch darum, dass die Sprayer durch das aufwändige Entfernen sehen, was sie angerichtet haben und für die Zukunft lernen, und es kann eine Art Täter-Opfer-Ausgleich hergestellt werden. Ein weiterer Hintergedanke ist die Broken-Windows-Theorie: Wo einmal eine Scheibe eingeschmissen wird, da folgen weitere. Wir versuchen, die Graffiti so schnell wie möglich zu entfernen, um einen Nachahmungseffekt zu vermeiden.

Wie finanziert sich das Anti-Graffiti-Mobil?

Wir sind an den Bürgerverein Nordstadt angegliedert und werden durch Geldauflagen und über Spenden finanziert. Die Maler arbeiten ehrenamtlich mit uns zusammen.

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