„Ein wenig angespannt“

Von fragen Thomas Eier Erstellt: 7. Januar 2020, 00:00 Uhr
„Ein wenig angespannt“ Will nicht zum alten Eisen gehören: Spannschloss an den Halteseilen des Senders

Das Spannschloss
Nach dem Jahreswechsel geht das Tauziehen um die Zukunft des Mühlacker Sendermasts in die entscheidende Phase – und die Hängepartie zerrt an den Nerven aller Beteiligten.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die nächsten Wochen und Monate voraus?

Ich bin sehr gespannt und, wie ich zugeben muss, auch ein wenig angespannt.

Dazu wirken Sie, mit Verlaub, ziemlich abgespannt. Die Hängepartie zerrt an den Nerven?

Natürlich lässt einen das Gezerre nicht kalt, da können Sie alle Kollegen aus dem Technikteam fragen. Schließlich geht es um die berufliche Zukunft, und wenn Sie sich wie ich über viele Jahre hinweg bei Wind und Wetter für den Sender reingehängt haben, schmerzt es schon, wenn plötzlich alles nichts mehr wert sein soll. Ich persönlich hänge jedenfalls sehr am Mast, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Dennoch sind Sie zuletzt zum finanziellen Zankapfel und zum Anlass einer Grundsatzdiskussion im Gemeinderat über städtische Investitionen in die Senderanlage geworden. Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?

Moment! Nur, weil ich ein wenig eingerostet bin, gehören der Mast und ich noch lange nicht zum alten Eisen. Hätte der SWR zwischendurch mal in eine Drahtbürste und einen Eimer Rostschutzmittel investiert, anstatt seine Gebührenerlöse für DAB+ zu verschleudern, müsste ich nicht als Sündenbock für den Sanierungsstau herhalten. Ganz ehrlich, es ist eine Riesenfrechheit und Heuchelei, wenn am Ende 60000 Euro als Vorwand für den Abriss herhalten sollen. Ich habe hier schon zu Zeiten angepackt, als Mühlacker noch Mittelwelle über Heizkörper hören konnte, und diese lange, ruhmreiche Rundfunkgeschichte soll jetzt wegen ein paar lumpiger Euro enden? Ich finde, mit dieser Scheindebatte haben SWR und Stadt den Bogen endgültig überspannt.

Wie groß ist Ihr Optimismus, dass die Spendenaktion des Sender-Vereins doch noch die Wende bringt?

Zunächst – sorry, das dauernde Seilziehen bringt mich doch ein wenig außer Puste – freue ich mich über die Zeichen der Solidarität. Andererseits vermisse ich genau diese Anerkennung bei denen, die sich jahrzehntelang im Glanz des Senders gesonnt haben. Da fällt es uns allen manchmal schwer, Haltung zu bewahren und anderen – also dem Mast – Halt zu geben. Wie es tief in mir drinnen aussieht, weiß nur der Wartungstrupp.

Warum können Sie nicht einfach loslassen?

Wie, ich soll ..?! Das meinen Sie, guter Mann, jetzt hoffentlich nicht ernst.

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