„Atmosphäre ist angespannt“

Von fragen Maik Disselhoff Erstellt: 24. August 2018, 00:00 Uhr
„Atmosphäre ist angespannt“ Arno Rastetter ist Gewerkschaftssekretär der IG Metall Pforzheim

Arno Rastetter
Die IG Metall will dem geplanten Stellenabbau bei Sihn durch Weiterbildungsmaßnahmen begegnen.

Rund 130 Jobs sollen in der lohnintensiven Baugruppenfertigung von Sihn am Standort „Lugwald“ gestrichen und nach Bulgarien verlagert werden. Die IG Metall will das nicht hinnehmen. Die Druckmittel der Gewerkschaft dürften allerdings begrenzt sein, oder?

Die Situation ist im Falle der Baugruppenfertigung in der Tat problematisch. Unser Ziel ist es, möglichst viele Mitarbeiter so weiterzubilden, dass sie künftig am Sihn-Standort „In den Waldäckern“ arbeiten können.

 

Glauben Sie, dass die Geschäftsführung von Sihn mit Blick auf dieses Ziel kooperiert?

Grundsätzlich ja.

 

Wie ist die Atmosphäre zwischen Betriebsrat und Belegschaft auf der einen und der Geschäftsführung auf der anderen Seite?

Die Atmosphäre ist zurzeit angespannt.

 

Gab es im Vorfeld der Entscheidung Signale, die auf eine Verlagerung der Montage hindeuteten?

Seitens des Betriebsrats gab es mit Eröffnung des großen Zweigwerks in Bulgarien schon länger die Befürchtung, dass ein Teil der Produktion verlagert werden könnte. Doch der Aufbau des Werks lief bislang nicht zulasten des hiesigen Standorts. Wir hatten durch die massiven Investitionen am Stammsitz von Sihn „In den Waldäckern“ zudem die Hoffnung, dass hier in größerem Umfang neue Stellen entstehen, sodass der Wandel bei Sihn ohne einen größeren Stellenabbau über die Bühne gehen kann – so sah die Entwicklung zumindest lange aus.

 

Sie haben eingangs bereits erwähnt, dass die Druckmittel der Gewerkschaft begrenzt sind. Hängt jetzt alles vom Sihn-Management ab?

Diese Sicht der Dinge greift zu kurz, die Geschäftsleitung ist auf die Kooperationsbereitschaft der Beschäftigten angewiesen. Für uns ist vor allem entscheidend, den Standort „In den Waldäckern“ und die dort angesiedelten Arbeitsplätze längerfristig zu sichern.

 

Die Sihn-Geschäftsführung will, dass länger gearbeitet wird, zudem sind andere Einschnitte geplant. Wie wollen sie dagegen vorgehen?

Das machen wir nicht mit. Und auch bei der Einführung des neuen Entgelttarifs Anfang nächsten Jahres sehen wir nur wenig Spielraum für Veränderungen.

 

Da geht es um eine möglicherweise moderatere Anhebung des Lohns als zunächst vereinbart. Ist die Lage bei Sihn am Stammsitz doch nicht so gut, wie es die Chefetage darstellt?

Die Geschäftslage ist nicht optimal. Wenn die Baugruppenfertigung jedoch teilweise oder ganz nach Bulgarien geht, sind weitere Einschnitte unnötig.

 

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