Tragischer Todesfall trifft Sternenfels

Opfer des Sturms „Eleanor“: Designer und Unternehmer Hans-Joachim Wolf ist am französischen Zweitwohnsitz tödlich verunglückt

Von Thomas Eier Erstellt: 14. Januar 2018, 10:17 Uhr
Tragischer Todesfall trifft Sternenfels Hans-Joachim Wolf †

Die Nachricht vom Tod von Hans-Joachim Wolf sorgt für Betroffenheit in der Gemeinde Sternenfels und am Wohnort Diefenbach. Der Designer und Unternehmer, der weltweite Kontakte und Freundschaften pflegte, ist während des Sturms „Eleanor“ am Zweitwohnsitz in Frankreich tödlich verunglückt.

Sternenfels. Hans-Joachim Wolf galt als Macher mit internationalen Beziehungen, empfing am Firmensitz der Wolf-Group an der Theodor-Schweitzer-Straße in Sternenfels regelmäßig Delegationen und Geschäftspartner aus Japan, dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder anderen Ländern. Passend zu dieser Weltoffenheit in beruflicher Hinsicht hatte sich der 70-Jährige seit Anfang der 1990er Jahre im französischen Département Haut-Marne, im Dorf Rouvres-sur-Aube, etwa 90 Kilometer nördlich von Dijon gelegen, eine zweite Heimat geschaffen. Auf dem Grundstück einer alten Sägemühle genoss der Anhänger der französischen Lebensart mit Familie, Freunden und Gästen die Ruhe, die Nähe zur Natur und die Auszeiten vom Alltag. Immer im August veranstaltete er auf seinem Anwesen das Konzert „Rencentre de Rouvres“ mit Künstlern aus verschiedenen Nationen, das über die Grenzen des Ortes hinaus Beachtung fand.

Über die Ländergrenzen hinweg sorgt nun der tragische Unfalltod von Hans-Joachim „Hanjo“ Wolf in seiner Wahlheimat Rouvres-sur-Aube für Betroffenheit. Während des Sturmtiefs „Eleanor“, das in Deutschland unter dem Namen „Burglind“ wütete und auch im Nordosten Frankreichs Hochwasser und schwere Überflutungen mit sich brachte, war der Diefenbacher Geschäftsmann, als er auf seinem am Flüsschen Aube gelegenen Grundstück eine Schleuse am Mühlkanal öffnen wollte, ins Wasser gestürzt und mitgerissen worden. Ehefrau Sylvia, die sich im Haus aufhielt, alarmierte die Rettungskräfte.

Das Unglück löste, während deutsche Nachrichtenagenturen die Meldung von einem Vermisstenfall in Frankreich verbreiteten, bereits am Nachmittag des 4. Januar eine umfangreiche Suchaktion aus, in die tags darauf auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingebunden war. „Der große Einsatz von Gendarmerie und Feuerwehr und die große Anteilnahme waren bemerkenswert“, berichtet Sohn Julian Wolf. Auch die Präfektin des Verwaltungsbezirks Haute-Marne, Françoise Souliman, sei vor Ort gewesen. Als die Familie, die tagelang zwischen Hoffen und Bangen schwebte, nach Deutschland zurückgekehrt war, kam Mitte dieser Woche aus Rouvres-sur-Aube die traurige Nachricht, wonach Hans-Joachim Wolf nur noch tot habe geborgen werden können.

Während die Menschen im 80-Einwohner-Dorf den Verlust des deutschen Nachbarn und Freundes betrauerten, verliert die Gemeinde Sternenfels einen rührigen Mitstreiter und Förderer, wenn es darum ging, Projekte für die Allgemeinheit voranzutreiben. Ein Beispiel dafür war sein Einsatz für ein schnelles Internet, ein anderes seine enge Verbundenheit mit der Vortragsreihe „Sternenfelser Gespräche“, die vom Mühlacker Tagblatt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde initiiert wird. Dank seiner guten Kontakte hatte Wolf namhafte Referenten wie den Vize-Chef der Firma Trumpf, Peter Leibinger, vermittelt und die Veranstaltung mit Rat und Tat unterstützt.

Der Freimaurer, der kurz vor Weihnachten die Traditionen seiner Loge in einem Interview unserer Zeitung vorgestellt hatte, galt nicht nur in beruflicher Hinsicht als Multitalent, das auf vielen Gebieten engagiert war. „Die Gemeinde Sternenfels und Diefenbach und ihre wirtschaftliche und sonstige Entwicklung lagen ihm, wie die Menschen, immer besonders am Herzen“, sagt Julian Wolf. „Er war eine Institution“ würdigt Bürgermeister Werner Weber den Verstorbenen. Hans-Joachim Wolf habe sich immer für die Gemeinde starkgemacht und seine Kontakte eingesetzt, um Sternenfels bekanntzumachen und Know-how in die Gemeinde zu holen, so der Rathauschef. „Es fehlt ein Stück, wenn Hanjo nicht mehr da ist.“

Die Verbundenheit des gebürtigen Mannheimers, der in Kieselbronn und Pforzheim aufgewachsen ist und an der Hochschule Pforzheim Design studierte, mit Sternenfels resultiert aus dem Wechsel des Wohnorts und den Anfängen mit einem eigenen Design-Büro in Diefenbach zu Beginn der 1980er Jahre. Nach dem Umzug der aufstrebenden Firma nach Sternenfels und verschiedenen Stationen innerhalb des Ortes wurde mit dem eigenen Gebäude an der Theodor-Schweitzer-Straße die Zugehörigkeit zur Gemeinde unterstrichen. Daran änderte sich auch nichts, als Hans-Joachim Wolf zuletzt die beruflichen Aktivitäten reduzierte und sich ein Stück weit aus dem Geschäftsleben zurückzog.

Einen Teil seines Unruhestands wollte der Unternehmer in Rouvres-sur-Aube genießen, nun wird er am nächsten Freitag, 19. Januar, 15 Uhr, auf dem Friedhof in Diefenbach beigesetzt. Mit Ehefrau Sylvia trauern die Kinder Julian und Olivia und fünf Enkelkinder, und wie wohl sich Hans-Joachim Wolf in der Heimatgemeinde gefühlt hat, zeigt laut Sohn Julian sein Letzter Wille: „Er hat sich ausdrücklich eine Trauerfeier im ,Rössle“ gewünscht.“

Weiterlesen
Service-Qualität: IHK will Vorbild sein

Service-Qualität: IHK will Vorbild sein

Pforzheim/Enzkreis. Als „Mystery Checker“ zur anonymen Überprüfung, ob die Standards in den zertifizierten Betrieben eingehalten werden, würde sich der auch für die Justiz zuständige Tourismusminister Guido Wolf wohl kaum eignen… »