Skifahren im Nordschwarzwald: Schneevergnügen mit kurzer Anfahrt

Wer den langen Weg in die Alpen nicht auf sich nehmen will, findet auch in der Nähe verschneite Pisten

Von Lukas Huber Erstellt: 21. Januar 2017, 00:01 Uhr
Skifahren im Nordschwarzwald: Schneevergnügen mit kurzer Anfahrt Spaß auf Brettern: Auf dem Hirschkopf in Enzklösterle können Wintersportler bei Flutlicht abends die Piste hinunterbrausen. Fotos: Huber (2), Häge

Um Wintersport zu treiben, fahren die meisten Skifahrer aus der Region den weiten Weg in die Alpen. Doch der deutlich näher gelegene Nordschwarzwald bietet in diesen Tagen auch Lifte und Pisten für das Vergnügen im Schnee an. Wir haben eine ausprobiert: am Hirschkopf in Enzklösterle.

Nordschwarzwald. Zugegeben, für den geübten Skifahrer wird ein Skigebiet wie das um die Hirschkopflifte in Enzklösterle schnell langweilig. Denn angesichts von nur einer Abfahrt mit einer Länge von knapp über einem Kilometer darf man natürlich keine alpinen Verhältnisse wie zum Beispiel im Gebiet Silvretta Montafon in Vorarlberg in Österreich erwarten. Zum Vergleich: Dort stehen den Wintersportlern ganze 140 Kilometer Pisten zur Verfügung. Dafür nehmen viele die lange Fahrt von in der Regel über 300 Kilometern auf sich – ob für Ein- oder Mehrtagesausfahrten. Im Gegensatz dazu sind es nach Enzklösterle nur rund 50 Kilometer, und die Fahrt dauert etwas mehr als eine Stunde.

Wer sich lange Strecken ersparen will, um ein paar Stunden Spaß im Schnee zu genießen, der ist im Nordschwarzwald – beispielsweise am Hirschkopf – gut aufgehoben. Dort kann man sich im Flutlicht bis 22 Uhr auf den Brettern austoben. Immerhin ist dieses Angebot laut Patrick Klingenberg, der bei der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald tätig ist, eine Art Alleinstellungsmerkmal, das es in den meisten Skigebieten der Alpen nicht gebe.

„Für diejenigen, die nicht den ganzen Tag fahren, gibt es günstige Angebote wie den Zwei- oder Vierstundenpass. „Besonders geeignet sind die Skigebiete im Nordschwarzwald – darunter auch Kaltenbronn, Schömberg, Simmersfeld, Bad Wildbad, Dobel und Bad Herrenalb – für Familien mit Kindern und für Anfänger, die noch nicht so gut fahren können.“

MT-Redakteur Lukas Huber testet das Skigebiet in Enzklösterle.

MT-Redakteur Lukas Huber testet das Skigebiet in Enzklösterle.

In Enzklösterle gibt es zwei Ankerlifte. Als der Reporter des Mühlacker Tagblatt am Donnerstagabend ankommt, läuft nur einer, der größere von beiden. „Die kleine Anlage schalten wir an Wochenenden und in den Ferien an“, sagt Betreiber Ernst Bauer. Die Skier angeschnallt, transportiert der Lift den Wintersportler von 650 Metern über dem Meeresspiegel auf 880 hinauf. Dauer: etwa vier Minuten. Die 1,2 Kilometer lange Abfahrt geht deutlich schneller. Vom Ausstieg geht es – bei rasanter Fahrt – in knapp anderthalb Minuten zurück nach unten zur Liftstation.

Bei dem Hang handelt es sich um eine unter Skifahrern bekannte „Autobahn“, also eine Piste, die sich bei mittlerem Schwierigkeitsgrad und großer Breite gut zum Carven eignet. Anfänger sollten ihr Glück erst einmal am Wochenende am kleineren Lift versuchen, der sie zum unteren flachen Stück bringt. Im oberen Teil ist es stellenweise relativ steil, und einige leichte Bodenwellen erschweren die Fahrt – für den geübten Fahrer ist das aber wenig problematisch. Nach elf Abfahrten und zwei kleinen Pausen im Kiosk neben dem Lift, in dem Getränke und Snacks angeboten werden, ist um 22 Uhr Schluss.

Fazit: Das kleine Skigebiet eignet sich dank der kurzen Anfahrt gut für diejenigen, die zum Beispiel abends nach der Arbeit noch ein paar Schwünge im Schnee machen wollen. Die Piste ist sehr breit, und so bietet sie jedem seinen Freiraum, auch wenn etwas mehr Betrieb herrscht. Für mehrtägige Ausflüge lohnt es sich aber, in die Alpen zu fahren.

Die Liftfahr dauert rund vier Minuten.

Die Liftfahrt dauert rund vier Minuten.

Dass das Vergnügen auf Brettern in niederen Lagen wie im Nordschwarzwald wegen zu wenig Schnees immer seltener möglich ist, will Ernst Bauer nicht pauschal bestätigen. Es sei nur nicht mehr planbar, wann die Flocken kommen, was die Organisation schwieriger mache als früher. Normalerweise habe vor Weihnachten bereits eine dicke weiße Decke im Nordschwarzwald gelegen, doch in den zurückliegenden vier Jahren habe Frau Holle ihr Kissen erst Anfang oder Mitte Januar geschüttelt. Dafür sei das Weiß aber „hintenraus“ länger liegengeblieben. Und so könne in der Region mittlerweile teils bis in den März hinein Wintersport betrieben werden. „Es hilft uns aber auch, dass wir unsere Hänge künstlich beschneien.“ Zudem werde die Piste täglich mit einem schweren Geländefahrzeug präpariert.

Zum Winterangebot im Nordschwarzwald gehört übrigens auch Langlauf. „Wir haben vielfältige Loipen in unserer Umgebung“, erklärt Patrick Klingenberg von der Tourismus GmbH. Von Mühlacker aus am besten zu erreichen sind etwa Dobel, Schömberg und Kaltenbronn. Die Streckenlängen sind laut dem Mitarbeiter variabel und reichen von anderthalb bis 21,5 Kilometern. Wer mehr darauf aus sei, die Landschaft zu genießen, der könne auch nur zum Wandern herkommen. Außerdem gebe es geführte Schneeschuh- und Huskytouren. Und wer sich entspannen wolle, für den gebe es diverse Thermen: etwa in den Orten Bad Wildbad, in Bad Herrenalb oder in Bad Liebenzell.

Einen aktuellen Schneebericht gibt es im Internet unter www.adac-skiguide.de.

Lukas Huber

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