Zahl der geretteten Katzen steigt auf 108

Im Kampf gegen das Messie-Syndrom und „Animal Hoarding“ verweist die Stadt Pforzheim auf die professionellen Hilfsangebote

Von Thomas Eier Erstellt: 4. März 2020, 00:00 Uhr
Zahl der geretteten Katzen steigt auf 108 Eines der über 100 vernachlässigten Tiere kann sich im Tierheim richtig satt fressen. Foto: Wacker

Die Zahl der Katzen, die nach und nach aus einem vermüllten Haus an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße in Pforzheim gerettet wurden, ist – Stand Montagnachmittag – auf 108 angewachsen.

Pforzheim. Es sei jedoch, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage des Mühlacker Tagblatt mit, nicht auszuschließen, dass noch weitere Tiere hinzukämen.

Will heißen: Nach wie vor werden in dem Messie-Haushalt mit Hilfe von Lebendfallen weitere Katzen, die offenbar sich selbst überlassen waren, eingefangen. Der Fall, der in der vergangenen Woche aufgedeckt worden war, sprengt damit alle bekannten Dimensionen, wobei das Phänomen des „Animal Hoarding“, bei dem Menschen in krankhafter Weise Tiere bei sich zu Hause „sammeln“, die sie dann häufig gar nicht mehr adäquat versorgen können, laut Pforzheimer Veterinäramt sehr selten ist. Bekannt würden die Zustände meist durch Hinweise von Nachbarn, Polizei, Vermieter oder Handwerkern. „Aufklärung aller Betroffenen ist ein Mittel“, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit, „kann jedoch das Entstehen solcher Fälle nicht gänzlich verhindern.“ Eine „Früherkennung“ sei wichtig, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Im konkreten Fall, bei dem sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr wegen der Abfallberge hinter der Haustür über den Balkon Zutritt verschaffen mussten, kann von einer Früherkennung kaum die Rede sein. Mit Informationen zu dem oder den Bewohnern halten sich die Behörden, die auf den Datenschutz verweisen, zurück, doch von Feuerwehrleuten, die an der Rettung der Katzen beteiligt waren, werden die Zustände – inklusive der Geruchsentwicklung – als katastrophal beschrieben.

Die Hintergründe des sogenannten Messie-Syndroms – abgeleitet vom englischen „mess“ für Durcheinander/Chaos –, bei dem Menschen zwanghaft (wertlose) Dinge in ihrer Wohnung anhäufen und unfähig sind, sich von ihnen zu trennen, seien sehr vielschichtig, heißt es im Pforzheimer Rathaus, und Gleiches gelte für Fälle von Animal Hoarding. „Hinein spielen meist falsch verstandene Tierliebe in Verbindung mit dem Überschätzen der eigenen Fähigkeiten, die Tiere artgerecht zu halten“, erklärte ein Sprecher der Verwaltung. Das Tierschutzgesetz sehe Bußgelder bis 25000 Euro vor, in besonders schweren Fällen gehe es um Straftatbestände.

Was aber, wenn der Betroffene gar nicht erkennen kann, dass er falsch handelt?

Wichtig sei – unabhängig von der eventuellen Abschreckung durch Strafen –, die Tierhalter davon zu überzeugen, dass es notwendig sei, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, so die Stadtverwaltung Pforzheim. Eine entsprechende Beratung und Unterstützung gebe es über das Jugend- und Sozialamt mit den Trägern Caritas und Diakonie und den sozialpsychiatrischen Dienst „in Form von aufsuchender Hilfe“, teilte die Pressestelle der Stadt mit.

Thomas Eier

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