Schwarzfahrer zieht Teppichmesser

Gericht muss auch über Unterbringung in Psychiatrie entscheiden

Von Isabel Hansen Erstellt: 15. Februar 2020, 00:00 Uhr

Pforzheim. Die Schwarzfahrt, bei der ein 26-Jähriger am 20. Februar 2019 in Pforzheim zwei Kontrolleure mit einem Messer bedroht hat, könnte sein Leben auf den Kopf stellen. Die Große Auswärtige Strafkammer des Landgerichtes Karlsruhe wird nicht nur über die Anklage der räuberischen Erpressung entscheiden, sondern auch darüber, ob der Italiener schuldfähig ist, ob er gefährlich ist und ob er in einer Psychiatrie untergebracht werden muss.

Ein Fahrgast steigt morgens an der Haltestelle Rotplatte in den Bus der Linie 2 ein. Er hat keinen Fahrschein gelöst, will keinen Ausweis vorzeigen und möchte an der nächsten Haltestelle am liebsten gleich wieder aussteigen – Arbeitsalltag für die beiden Kontrolleure, die den 26-Jährigen bei seiner Schwarzfahrt ertappt haben.

Richtig Ärger und eine Anklage wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung handelte sich der säumige Fahrgast aber erst ein, als er drohte, beim nächsten Stopp die Tür einzutreten, um den Bus zu verlassen und ein Teppichmesser zieht. „Er hat mich mit dem Messer in der Hand angeschaut, ist aber nicht auf mich zugekommen oder hat mich berührt“, betonte der Kontrolleur gestern im Zeugenstand und erklärte, dass für ihn die Ruhe des Angeklagten beunruhigend war. „Er war cool, locker, fast entspannt. Ich habe gedacht, der ist gefährlicher als einer, der durchdreht.“ Der Kontrolleur geht auf Nummer sicher, lässt den Bus bis zum Bahnhof durchfahren und alarmiert die Polizei.

Der Mitarbeiter des Verkehrsverbundes blieb am gestrigen ersten Verhandlungstag vor der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Andreas Heidrich der Einzige von fünf Zeugen, der etwas zum merkwürdigen Verhalten des Angeklagten zu sagen hatte. In der Erinnerung seines Kollegen blitzte nur das Teppichmesser auf. Der Busfahrer – aufgeregt – wollte vorsichtshalber nichts von irgendetwas bemerkt haben. Die Polizisten, die den Angeklagten im Bus fixierten und aufs Revier brachten, beschrieben den Mann als aufbrausend und unkooperativ: „Zum Fingerabdrucksensor mussten wir ihn zwingen. Er hat unsere Maßnahmen ins Lächerliche gezogen.“ Dabei führten die Beamten die Aggressivität aber auf eine ablehnende Haltung des Angeklagten gegenüber der Polizei zurück.

Einen anderen Eindruck hinterließ der 26-Jährige indes bei seiner ersten Gerichtsverhandlung im Oktober vergangenen Jahres, damals vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Oliver Weik. Die Aussage des Angeklagten, die er eigentlich verweigert hatte, schwankte damals zwischen merkwürdig und motzig. Mehr als einmal belehrte er Richter Weik, gab kuriose Kommentare von sich, ließ sich von keinem der Anwesenden etwas sagen. Gehör fand nur der imaginäre Sitznachbar, den er fragte, ob er eine Hose anhabe. Für Richter Weik Grund genug, den Fall an die nächsthöhere Instanz abzugeben und den 26-Jährigen vorläufig in eine Psychiatrie einzuweisen – mit spürbaren Folgen für sein Auftreten.

Beim gestrigen Verhandlungsauftakt, nun vor der Großen Auswärtigen Strafkammer des Landgerichtes, wirkten manche Handlungen des Angeklagten zwar immer noch befremdlich, beispielsweise, wenn er seine Freude über die Abwesenheit einer Zeugin mit nach unten gedrückten Faust zum Ausdruck brachte, insgesamt blieb er aber zurückhaltend. Auch der unsichtbare Zweite schien ihn dieses Mal nicht zum Gericht begleitet zu haben.

Der Prozess wird am Montag, 17. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.

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