Handwerk sucht dringend Auszubildende

Ausbildungs- und Studienmesse „Beruf aktuell“ ist mit 210 Ausstellern komplett ausgebucht – 7000 Besucher informieren sich

Von Jürgen Peche Erstellt: 3. Februar 2020, 00:00 Uhr
Handwerk sucht dringend Auszubildende Reger Betrieb im CongressCentrum und der Jahnhalle: 210 Unternehmen präsentieren sich auf der Messe „Beruf aktuell“ künftigen Auszubildenden. Fotos: Peche

Die Ausbildungs- und Studienmesse „Beruf aktuell“ in Pforzheim war rekordverdächtig: Das CongressCentrum und die Jahnhalle waren mit 210 Ausstellern komplett ausgebucht. Zusammen mit einer Warteliste deutet dies daraufhin, dass Handwerk, Industrie und Behörden weiterhin dringend Nachwuchs suchen und dafür die Messe nutzen.

Deutschlands beste Betonbauerin, Jule Janson aus Mühlacker, ist ein Aushängeschild ihrer Innung. Das finden nicht nur Kreishandwerksmeister Rolf Nagel (li.) und Hans Vester (SPD-Kreistagsfraktion).Deutschlands beste Betonbauerin, Jule Janson aus Mühlacker, ist ein Aushängeschild ihrer Innung. Das finden nicht nur Kreishandwerksmeister Rolf Nagel (li.) und Hans Vester (SPD-Kreistagsfraktion).

Pforzheim. Im vergangenen Jahr konnten rund 1000 der 5000 Ausbildungsplätze in der Region nicht besetzt werden. Auf der anderen Seite standen erneut über 7000 Besucher, die sich an den Ständen der Messe über Ausbildungsberufe informierten, weitere Gespräche oder ein Praktikum vereinbarten und schon angefertigte Bewerbungsmappen abgeben konnten. Zur Eröffnung am Samstagmorgen begrüßte die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, Martina Lehmann, Spitzenpolitiker aus der Region wie Katja Mast (SPD), Gunther Krichbaum (CDU), die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich-Rülke und Erik Schweickert (FDP) und Stefanie Seemann (Grüne), was den hohen Stellenwert des Themas Ausbildung untermauerte.

Das Stimmungsbild, das Messeorganisator Michael Kinzel und Agenturchefin Lehmann gegen Ende der Messe zeichneten, war durchweg positiv. „Hier herrscht ein richtig guter Geist“, so Lehmann. Ihrer Beobachtung nach kamen viele Jugendliche in Begleitung ihrer Eltern, was Lehmann positiv betrachtet: „Eltern haben großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder und geben im Dschungel des breiten Angebots allein schon als Begleiter eine gewisse Sicherheit.“ Die Entscheidung müssten die Jugendlichen dann allein treffen, was in der schnelllebigen Berufswelt sicher nicht einfach sei.

„Ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ist wichtig, und der erste Beruf muss ja nicht für das ganze Leben gelten“, beruhigt die Agenturchefin. Die Pforzheimer Ausbildungsmesse zeige, was die Region in großer Breite zu bieten habe an Schulen und Firmen. „Die Jugendlichen können hier viele Berufsfelder kennenlernen“, freut sich Lehmann. Den Betrieben andererseits sei inzwischen klargeworden, dass die eigene Ausbildung die beste Form der Arbeitskräftesicherung darstelle.

Gerade im Handwerk sind Arbeitskräfte knapp. Davon kann auch Kim Braun mit seinem Sanitär- und Heizungsbetrieb in Niefern ein Lied singen. 200 Prozent Auslastung mit einer 50-Stunden-Woche sind schweißtreibend. „Wir suchen ein bis zwei Azubis, gerne auch Stellenwechsler oder Studienabbrecher“, sagt der Handwerksmeister. Einen ungewöhnlichen Weg hat auch Jana Walter eingeschlagen, die bei Nonnenmann in Mühlacker Landschafts-Gärtnerin werden will, nachdem sie schon einige Jahre als Mediengestalterin gearbeitet hat. „Aus Liebe zur Natur“, sagt die Endzwanzigerin und Älteste unter den drei Azubis. Die derzeit 20 Mitarbeiter würde Karin Nonnenmann gerne noch mit zwei Lehrlingen aufstocken, deshalb sei sie auf der Messe in Pforzheim.

Jule Janson aus Mühlacker ist in vielerlei Hinsicht ein Aushängeschild der Bauinnung und betreute auf der Messe deren Stand: Sie ist Deutschlands beste Betonbauerin und eine echt weibliche Ausnahme in einem Männerberuf. Als frisch gekürte „Deutsche Meisterin“ liegt es nahe, dass sie jetzt Bauingenieurwesen studiert und so auch zeigt, welche Karrierechancen ein Handwerksberuf bietet. In den Semesterferien will sie weiter bei ihrer Lehrfirma Heinrich Ross in Pforzheim arbeiten. „Für die suche ich jetzt einen neuen weiblichen Lehrling“, verrät sie am Messestand.

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