Chemie-Alarm auf der Autobahn

Auf einem Gefahrguttransporter ist am Mittwochmorgen auf der A 8 zwischen Pforzheim-Ost und Rutesheim ein Transportbehälter undicht geworden. Dabei sind mehrere Hundert Liter einer stark ätzenden Lauge ausgelaufen.

Von Frank Goertz Erstellt: 26. November 2014, 18:00 Uhr
Chemie-Alarm auf der Autobahn Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen sind die Rettungskräfte auf der Autobahn im Einsatz, nachdem 500 Liter einer stark ätzenden Substanz ausgelaufen waren. Foto: 7aktuell.de/Eyb

Pforzheim/Rutesheim. Am Mittwochmorgen, gegen 5.55 Uhr, bemerkte der 64-jährige Fahrer eines Sattelzugs das Leck, steuerte sofort den Parkplatz „Heckengäu“ an, stellte seinen Lastwagen an der Parkplatzausfahrt am Beginn des Beschleunigungsstreifens ab und alarmierte die Rettungskräfte.

Der Lastwagen hatte im Stückguttransport neben anderen Gefahrstoffen einen 1000-Liter-Behälter geladen, aus dem die ätzende Lauge Tetra-N-butylammoniumhydroxid auslief. Als Polizei und Feuerwehr am Unglücksort eintrafen, hatte der undichte Transportbehälter bereits 500 Liter der gefährlichen Flüssigkeit verloren.

Nach einer Gefahrenanalyse richtete die Feuerwehr sofort einen Sicherheitsbereich ein, sperrte die Autobahn in Richtung Stuttgart und ließ den Parkplatz räumen. Der Verkehr wurde an der Ausfahrt Heimsheim ausgeleitet.

Der Fahrer des Sattelzuges und sein 61-jähriger Beifahrer mussten an der Unfallstelle medizinisch behandelt werden und wurden zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

Die Fahrer von rund 40 Lastwagen, die sich zum Unglückszeitpunkt auf dem Parkplatz aufhielten, wurden in einen sicheren Bereich gebracht und dort von Mitarbeitern des Rettungsdienstes untersucht und betreut.
Die Feuerwehr konnte mit 85 Einsatzkräften aus Pforzheim, Rutesheim, Leonberg, Sindelfingen und Böblingen den undichten Behälter provisorisch abdichten und einen Teil der ausgelaufenen Flüssigkeit eindeichen. Anschließend wurde die Lauge mit Bindemittel abgestreut und der im Behälter verbliebene Rest umgeladen.
Mit Fortschritt der Reinigungsarbeiten konnte gegen 12 Uhr der linke Fahrstreifen und gegen 12.40 Uhr die mittlere Spur Richtung Stuttgart wieder freigegeben werden. Die Arbeiten auf dem rechten Fahrstreifen dauerten bis nach 15 Uhr an.

Aufgrund der Sperrung kam es sowohl auf der A 8 als auch auf den umliegenden Landstraßen zu langen Staus, die sich nur langsam auflösten. Den ganzen Tag hat die Polizei über die Verkehrsfunksender Autofahrer davor gewarnt, brennende Zigaretten in der Nähe des Unglücksorts aus dem Fahrzeug zu werfen, und sie aufgefordert, die Fenster geschlossen zu halten. Dem Fernverkehr wurde empfohlen, den Bereich zwischen Karlsruhe und Stuttgart weiträumig zu umfahren, weil die Umleitungsstrecken überlastet waren.

Die Ermittlungen, wie es dazu kommen konnte, dass der stark ätzende Stoff auslaufen konnte, dauerten bei Redaktionsschluss noch an.
Die ausgelaufene Chemikalie Tetra-N-butylammoniumhydroxid wird vor allem als Reagenz in der chemischen Analyse eingesetzt. Sie verursacht schwere Verätzungen und kann bei Augenkontakt zur Erblindung führen. Die Inhalation kann zu Lungenödemen führen. Im Brandfall entstehen giftige Nitrose-Gase und Ammoniakdämpfe. Die Substanz ist wasserlöslich. Zu Gefahren für Wasser und der biologischen Abbaubarkeit machen die Sicherheitsdatenblätter der chemischen Industrie keine weiteren Angaben.

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